Die Schweizer Zeitungslandschaft wird von einem kleineren Erdbeben durchgeschüttelt, und die NZZ-Gruppe ist die Gewinnerin: Vier Zeitungen, drei aus der Ost- und eine aus der Innerschweiz, wechseln vom Südostschweiz-Verbund zu Tochterunternehmen des Zürcher Medienhauses.

In der Ostschweiz gehen die Verlagshäuser Buchs Medien AG , Vaduzer Medienhaus, Rheintal Verlag AG in Berneck zur St. Galler Tagblatt AG in St. Gallen. Die neue Kooperation startet Anfang nächsten Jahres.

Wie die Verlage am Dienstag gemeinsam bekannt gaben, besteht die Kooperation des «St. Galler Tagblatts» damit neu aus zehn Tageszeitungen. Bei den Inseraten würden über 300'000 Leserinnen und Leser in der Ostschweiz und im Fürstentum Liechtenstein erreicht.

Die neuen Tageszeitungen im Verbund mit dem «St. Galler Tagblatt» sind der «Werdenberger&Obertoggenburger» und die «Rheintalische Volkszeitung» im St. Galler Rheintal. Auf der andern Seite des Rheins stösst das «Liechtensteiner Vaterland» dazu. Die drei Titel haben die bisherige Zusammenarbeit mit dem Zeitungsverbund «Südostschweiz» per Ende 2013 aufgekündigt

Die Werbemarktauflage der Gesamtausgabe des «St. Galler Tagblatts», das zur NZZ-Gruppe gehört, steigt dadurch um 20 Prozent auf rund 140'000 Exemplare, wie es in der Mitteilung hiess.

Auch redaktionelle Zusammenarbeit

Die Kooperation beschränkt sich nicht auf den Werbemarkt. Die drei Titel werden auch redaktionell mit der St. Galler Tagblatt AG zusammenarbeiten. Sie beziehen regionale und überregionale Inhalte vom «St. Galler Tagblatt» und bleiben verantwortlich für die lokalen.

Die Kooperationen haben keine Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen der einzelnen Verlagshäuser zur Folge. Der gemeinsame Druck erfolgt wie bisher im Druckzentrum in Haag.

In der Innerschweiz geht der «Bote der Urschweiz»

Den Zeitungsverbund Südostschweiz verlassen wird zudem der «Bote der Urschweiz». Das Blatt wechselt zur «Neuen Luzerner Zeitung», die ebenfalls der NZZ-Gruppe gehört.

Für den Verbund der Südostschweiz ist die Neupositionierung der vier bisheriger Partner mit einem grösseren Auflageschwund verbunden. Die abonnierte Auflage sackt ab von bisher 121'000 auf 82'000 Exemplare.

«Neue Schwyzer Zeitung» verschwindet

Mit der neuen Kooperation zwischen dem «Boten der Urschweiz» und der «Neuen Luzerner Zeitung» wird die «Neue Schwyzer Zeitung» in den «Boten» eingegliedert. Dadurch gehen in Schwyz etwa fünf Arbeitsplätze verloren, wie der Verlag «Bote der Urschweiz» mitteilte.

«Bote» und NLZ seien bemüht, keine Kündigungen auszusprechen, heisst es weiter. Die fünf Arbeitsplätze sollen in die beiden Redaktionen integriert werden. Mit der Kooperation wird denn auch die «Bote»-Redaktion leicht aufgestockt.

Mit der neuen Kooperation hat der Verlag zudem die Nachfolgeregelung von Verleger Hugo Triner in die Wege geleitet. Dieser gründet gemäss Mitteilung eine Stiftung, die über die Triner Medien Holding AG eine qualifizierte Stimmenmehrheit der Bote der Urschweiz AG übernehmen wird.

Das Verlagsrecht am «Boten der Urschweiz» wird damit unveränderbar an diese Stiftung übergehen. Mit dieser Stiftung soll auch die 155 Jahre alte Familientradition der «Bote»-Herausgeber fortgeführt werden.

(chb/sda)