Dank der heutzutage ausgezeichneten technischen Möglichkeiten, Erdgas aus Schiefergestein zu gewinnen, verfügt Nordamerika über genügend Gasvorkommen, um langfristig den eigenen Bedarf zu decken. Mittlerweile erfolgt bereits die Hälfte der weltweiten Erdgasgewinnung aus Schiefergestein. Dabei gehört Gas im Vergleich zu Kohle und Erdöl nicht nur zu den saubersten Formen der Energiegewinnung, sondern auch zu den kostengünstigsten. Die USA sind mit einem Anteil von über 18% nach Russland zweitgrösster Gasproduzent der Erde. Wird die Förderung der grossen Gasvorkommen in Schiefergestein weiter intensiviert, könnte die USA langfristig zum Gasproduzenten Nr. 1 werden.

Ölfirmen im Gasgeschäft

Die Chancen, die der Abbau der im Schiefer enthaltenen Gasvorkommen bietet, lässt die Ölkonzerne hungrig werden. Viele denken bereits über eine strategische Neupositionierung nach. Die grossen US-Konzerne wie ExxonMobil oder ConocoPhillips investierten in den letzten Monaten wieder deutlich höhere Summen in ihr eigenes Explorations-und Fördergeschäft. Sie setzen mittlerweile verstärkt auf den Gassektor.

Entsprechend verkündete ExxonMobil im Dezember die Übernahme des Energiekonzerns XTO für 41 Mrd Dollar und zielt dabei insbesondere auf die grossen Gasreserven von XTO ab. BP und Total haben ebenso ihre Tätigkeiten im nordamerikanischen Gasgeschäft mithilfe von Joint Ventures erweitert. Interessant ist auch der Verkauf von Devons Ölfeldern vor der Küste Brasiliens sowie im Golf von Mexiko an den britischen Ölkonzern BP. Während BP sich zunehmend auf die Tiefseeförderung konzentrieren will, fokussiert sich Devon auf die Gasexploration und -förderung in den USA.

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Die vorhandenen Reserven stellen das wichtigste Bewertungskriterium für einen Öl- und Gaskonzern dar, da sie die Real Assets und somit den wahren Wert des Unternehmens wiedergeben. Die Höhe der Reserven lässt sich unter anderem anhand der Reserve Replacement Ratio (RRR) ablesen. Diese Kennzahl trifft eine Aussage darüber, in welchem Mass ein Unternehmen mit seinen vorhandenen Öl- und Gasreserven seine Produktion decken kann. In einer Analyse lässt sich am Beispiel von Chevron erkennen, dass das Unternehmen mit einer RRR von 101% gerade noch in der Lage ist, seine Produktion vollständig zu decken. Zudem wird deutlich, dass Unternehmen wie Devon, Hess oder ConocoPhillips, die besonders stark im Gasgeschäft involviert sind, über die höchsten RRR in den letzten fünf Jahren verfügten. Devon erzielte dabei einen Wert von 231%, gefolgt von Hess und ConocoPhillips mit 163% beziehungsweise 145%.

Lukratives Ölservicegeschäft

In der derzeitigen Marktlage behaupten sich nicht nur die grossen Ölkonzerne, sondern auch Unternehmen aus dem «Oil Service»- Sektor, da sie im Gegensatz zu den als sehr zyklisch geltenden, integrierten Ölkonzernen weniger von der Konjunkturentwicklung abhängig sind. Die Umsätze der Branchenführer Schlumberger und Halliburton haben im 4. Quartal 2009 um 5% angezogen. Ebenso lassen die Auftragsbestände für 2010 auf ein erfolgreiches Jahr hoffen. Besonders gut aufgestellt sind Transocean, der weltweit grösste Offshore Driller, sowie Noble Corporation, ein Spezialist bei Tiefseebohrungen, der bereits bis ins Jahr 2013 auf volle Auftragsbücher verweisen kann.

Unter den Servicegesellschaften lässt sich ebenfalls ein Trend zur Konsolidierung erkennen, der bereits im vergangenen Jahr mit der angekündigten Übernahme von Smith durch Schlumberger in Höhe von über 10 Mrd Dollar begonnen hat.

Der Trend zur Gasgewinnung aus Schiefergestein kommt einer Revolution am Erdgasmarkt gleich. Davon werden insbesondere die Servicegesellschaften mit ihrer Expertise im Explorationsgeschäft profitieren. Von den grossen Ölkonzernen werden lediglich die Unternehmen zu den Gewinnern zählen, bei denen das Gasgeschäft bereits einen hohen Anteil am Produktportfolio ausmacht.