Die Welt-Erdölnachfrage steigt und steigt – trotz höherer Preise und aller Befürchtungen um Ressourcenverfügbarkeit und Klimaschutz. Schon heute zeichnet sich ab, dass 2007 die Nachfrage um rund 1 Mio Fass/Tag über dem Stand des Vorjahres liegen wird.

Das gegenwärtige Preisniveau auf den Rohölmärkten verdeutlicht das seit einiger Zeit beobachtete enge Verhältnis von Angebot und Nachfrage, hat aber nicht zu einem spürbaren Rückgang Letzterer geführt. Eine gute Nachricht somit für die erdölfördernden Staaten, die integrierten Ölunternehmen sowie die im Upstream-Sektor tätigen Servicegesellschaften. Und zumindest keine sehr schlechte für die Erdölkonsumenten, denn die gestiegenen Erdölpreise scheinen in der wirtschaftlichen Entwicklung keine Spuren zu hinterlassen, selbst in China und Indien nicht, deren boomende Wirtschaft in viel stärkerem Umfang als wir auf die fossilen Energieträger angewiesen ist.

Zurückhaltende Fördermenge

Vor diesem Hintergrund schlägt die Stunde derjenigen Erdölproduzenten innerhalb und ausserhalb der Opec, die glauben, weiter an der Preisschraube nach oben drehen zu können. Tatsächlich ist einer der wesentlichen Gründe für das aktuell feste Preisniveau in der zurückhaltenden Förderpolitik der Opec-Staaten zu suchen. Sie nehmen damit zwar in Kauf, Ölprodukte dort, wo Substitutionsmöglichkeiten bestehen (Wärme- und Stromerzeugung), Marktanteile an andere Energieträger zu verlieren. Weil aber vor allem der Mobilitätsbereich die Erdölnachfrage nach oben treibt und andere Energieträger dort mit der Lupe zu suchen sind, werden auch höhere Preise den Öldurst nicht vermindern – mindestens nicht bis zum Erreichen der wirtschaftlichen Schmerzgrenze, von der allerdings niemand so richtig weiss, wo sie verläuft. Es erstaunt deshalb nicht, dass viele Marktbeobachter von nochmals steigenden Ölpreisen ausgehen und für die kommenden Monate solche in der Höhe von 90 Dollar/Fass voraussagen. Selbst ein Barrelpreis von 100 Dollar dürfte weltwirtschaftlich verkraftbar sein und mehr mediale Beachtung generieren als konjunkturelle Bedeutung haben. Für eine massive Trendumkehr, also eine Baisse, sind aber noch keine Indizien erkennbar.

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Benzinpreis könnte korrigieren

Die Schweiz kann sich der Preisentwicklung auf den internationalen Märkten nicht entziehen. Beim Heizöl hat der Nachfrageeinbruch von über 30% als Folge des milden letzten Winters deshalb nicht zu einem Preiseinbruch geführt. Dementsprechend dürften sich die Konsumenten weiter zurückhalten, was 2007 für den Brennstoffhandel zu einem «annus horribilis» machen wird. Allerdings könnte die am 1. Januar 2008 in Kraft tretende CO2-Abgabe auf Brennstoffen je nach Entwicklung des Heizölpreises im 3. und 4. Quartal 2007 den Absatz spürbar beleben – vor allem, wenn sich gegen Jahresende ein Anstieg der Heizölpreise abzeichnen würde. Bei den Treibstoffen wiederum könnten die Benzinpreise, die in den Sommermonaten stärker gestiegen waren als Dieselöl, in den kommenden Wochen noch stärker nach unten korrigieren.

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Rolf Hartl, Geschäftsführer Erdöl-Vereinigung, Zürich.