Phil Shiller, bei Apple Marketingchef, stellte an der MacWorld-Konferenz in San Francisco am Dienstagabend ein neues 17-Inch-Notebook, neue Preise und DRM-freien Conent für die iTunes-Onlineplattform sowie neue Features bei iWork und iLife vor. Die vorgestellten Produkte und Features blieben damit hinter den spekulativ geäusserten Erwartungen etlicher Apple-Fans zurück. Die Präsentationen lagen aber im Rahmen der von Analysten im Vorfeld erwarteten Ankündigungen.



Lockerer Kopierschutz



Besonderes Augenmerk richtete sich auf die DRM-frei angebotene Musik. Damit entfallen die engen Kopiergrenzen nach dem Kauf von Produkten, die bisher bestanden hatten. Kunden können jetzt ihre Musik zum gleichen Preis über ein 3G-Netz auf ein iPhone herunter laden wie beim Download auf einen PC. Von den zehn Mio. Musikstücken sind bereits acht Mio. DRM-frei; die weiteren zwei Mio. Songs sollen bis Ende März ebenfalls DRM-frei erhältlich sein.

DRM war bisher eine wichtige Ausstiegshürde für iPod-Benutzer – ab jetzt kann die eigenkaufte Musik weiter kopiert werden. Damit könnte laut Bill Shope, Analyst bei der Credit Suisse, das Geschäftsmodell längerfristig geschwächt werden. Kurzfristig sind die Auswirkungen für Apple klein. Apple betrieb iTunes bisher immer an der Grenze der Profitabilität. Und das Apple-Angebot, dass Kunden ihre gekauften Stücke für 30 Cents pro Song bzw. 30% des Albumpreises auf das qualitativ bessere DRM-freie Format upgraden können, dürfte Apple erst einmal Zusatzeinnahmen verschaffen. Und die Wettbewerbslandschaft hat sich in den letzten Jahren stark zugunsten von Apple verschoben, weil der iPod ein de facto-Standard geworden ist, sagt Shope weiter.



Lange Batterielebenszeit



Wenig Wellen dürfte das vorgestellte 17-Inch-Notebook werfen. Bemerkenswert ist hier vor allem die Batterielaufzeit von acht Stunden. Zudem soll der Akku dreimal länger halten als gängige Stromspeicher. Das Gerät kommt Ende Januar für 2799 US-Dollar in den Handel.

Hinter iLife 09 stehen einige Upgrades bei iPhoto, iMovie und GarageBand, mit der Apple-User ihre Bilder und Musik verwalten können. Neue Funktionen ermöglichen die Bilderkennung und die Einbettung von Fotos in Ortsangaben, die via einer GPS-tauglichen Kamera oder dem iPhone gemacht wurden. Das Upgrade kommt Ende Januar für 79 Dollar in den Handel bzw. den Online-Shop. «Ein ereignisarmes Finale» resümiert Shope die Apple-Show.

Chris Whitmore, Analyst bei der Deutschen Bank, zeigte sich ebenfalls leicht enttäuscht, weil es keine Anhaltspunkte zum neuen Betriebssystem «Snow Leopard» und der fälligen iMac-Erneuerung gab. David Bailey, Analyst bei Goldman Sachs, hatte eine Erwartungen bereits im Vorfeld reduziert, weil er mit wichtigen Apple-Lieferanten gesprochen hatte. Diese hatten keine Hinweise auf neue Produkte gemacht.



Tiefer gelegte Schätzungen



Der Einfluss der jetzt vorgestellten neuen Produkte auf das Apple-Geschäft in den kommenden Quartale dürfte sich in engen Grenzen halten. Whitmore hält das neue MacBook für ein Nischenprodukt – auch aufgrund des Preises.

Mehr Aufmerksamkeit wird das für nächste Woche fällige Quartalsergebnis und der Ausblick auf der bis Ende März laufende Dreimonatsabschnitt erhalten. Shope erwartet einem Umsatz von 9,5 Mrd. Dollar und einen Gewinn von 1.36 Dollar pro Aktie. Er liegt damit unter der Konsensschätzung, die bei 9,9 Mrd. Dollar Umsatz bzw. einem Gewinn von 1.40 Dollar pro Aktie steht. Ebenfalls unter der allgemeinen Markterwartung liegt die Erwartung von Bailey. Er erwartet für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr einen Gewinn von 4.54 Dollar pro Aktie, gut 12% weniger als der Konsens. «Wir gehen jedoch davon aus, dass das letzte Quartal aufgrund der gefallenen Komponentenpreise solide ausfallen wird» sagt Bailey.