«PostFinance lebt nicht vom Hypothekenmarkt», reagiert PostFinance-CEO Jürg Bucher gegenüber der «Handelszeitung» auf die kritischen Äusserungen von Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz (siehe auch «Nachgefragt»). Dieser hatte Anfang März erneut bekräftigt, er würde gegen eine Ausdehnung der Geschäftstätigkeit von PostFinance vorgehen. Dabei stellt er sich auf Standpunkt, dass dadurch ein weiteres Bankinstitut in den Genuss von günstigeren Refinanzierungsmöglichkeiten kommen würde. Dies würde den Wettbewerb auf dem Bankenplatz Schweiz noch stärker verzerren. «Die Ausweitung des Einlegerschutzes stellt die Staatsgarantie grundsätzlich in Frage», sagte Franz Marty, Raiffeisen-Verwaltungsratspräsident, an der vergangenen Bilanzmedienkonferenz.

Ausdehnung steht auf der Kippe

Aufgrund der drohenden Kreditklemme wurde in der vergangenen Woche auch bereits ein weiterer Stein in der PostFinance-Diskussion ins Rollen gebracht. Eine überparteiliche Allianz fordert die Schaffung einer sogenannten «Postbank light». Damit soll erreicht werden, dass PostFinance kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz Darlehenskredite in der Höhe von bis zu 200 000 Fr. vergeben darf. Die Überziehung der Zahlungskonten würde es den KMU ermöglichen, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Rückendeckung erhält der Vorstoss von Bundesrat Moritz Leuenberger.

Allerdings hat sich der Bundesrat am Montag erneut gegen den Einstieg der PostFinance ins inländische Kreditgeschäft ausgesprochen, wie «NZZ Online» schrieb. Mangels Unterstützung des Bundes dürften die Pläne einen schweren Stand haben.

 

 

NACHGEFRAGT Jürg Bucher, CEO PostFinance


«Chance auf Lizenz hat sich verbessert»

Vermehrt werden Stimmen laut, die sich für eine Postbank aussprechen. Haben Sie es bald geschafft?

Bucher: Ich freue mich und begrüsse die jeweiligen Vorstösse der einzelnen Parlamentarier. Die Chancen auf eine Banklizenz werden damit verbessert.

Diskutiert werden derzeit Pläne für eine «Postbank light» ohne Banklizenz. Ist dies in Ihrem Sinne?

Jürg Bucher: Ja. Derzeit gibt es im Markt drei Bedürfnisse, welche gedeckt werden müssen: Kontokorrentkredite unter 100000 Fr. für kleine Unternehmen, die Kombination von Kontokorrent und Gewerbehypothek sowie eine Beteiligung von PostFinance an Bankfinanzierungen mittlerer und grösserer Schweizer Unternehmen. PostFinance würde gerne alle diese Bedürfnisse abdecken.

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Raiffeisen kritisiert vor allem die vergünstigte Refinanzierung bei einer weiteren Ausdehnung der PostFinance-Tätigkeiten.

Bucher: Die Refinanzierung ist in erster Linie vom Rating der Firma und anschliessend vom Eigentümer abhängig. Wir haben keine Refinanzierungsprobleme, da PostFinance nicht vom Hypothekenmarkt lebt wie andere Banken. Unser Problem ist es, dass wir zu viel Geld und damit ein Anlageproblem haben.