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Eric Olsen wird Chef von LafargeHolcim

Eric Olsen: Der Amerikaner soll das fusionierte Unternehmen lenken. Keystone

Der Chef steht fest: Nach ihrem Zusammenschluss werden die Betonriesen Holcim und Lafarge von Eric Olsen gelenkt. An der Börse kommt die Wahl gut an. Doch noch gibt es viele offene Fragen.

Veröffentlicht am 09.04.2015

Die Namenaktien von Holcim liegen am Donnerstag etwas gleichauf mit dem freundlichen Gesamtmarkt. Der Zementkonzern hat möglicherweise einen Stolperstein auf dem Weg zu angestrebten Zusammenschluss mit Lafarge aus dem Weg geräumt: An Stelle des abgesägten Bruno Lanfont soll neu der Lafarge-Manager Eric Olsen Chef des fusionierten Konzerns werden. Ob das allerdings ausreicht, den verstimmten Grossaktionär Filaret Galchev zu besänftigen, ist derzeit noch unklar.

Holcim Namen ziehen bis um 09.30 Uhr um 1,0 Prozent auf 73,75 Franken an, während der am SMI gemessene Gesamtmarkt um 0,91 Prozent steigt.

Chef-Wahl nachvollziehbar

Damit wurde die «Nummer 2» von Lafarge dem heutigen Holcim-CEO Bernard Fontana vorgezogen, meint die ZKB. Im Sinne eines «Merger of Equals» und unter dem Aspekt der paritätischen Besetzung sei allerdings die Ernennung eines Lafarge-Managers nachvollziehbar, da bereits Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle als Präsident von LafargeHolcim auserkoren wurde.

Helvea-Analyst Patrick Appenzeller ist derweil nicht überrascht, dass man keine externe Lösung gefunden hat und verweist auf die schon bald stattfindenden Generalversammlungen bei Holcim, die Zeitdruck erzeugt hätten. Appenzeller kann und will sich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht zur Person Olson äussern. Es sei noch schwierig zu beurteilen, ob er die richtige Person sei, um eine fusionierte LafargeHolcim zu führen.

Fusion noch nicht im Trockenen

Falls es denn überhaupt zu einer Fusion komme, meint Appenzeller. Es bleibe nämlich abzuwarten, ob wichtige Holcim-Aktionäre ebenfalls von der Personalie überzeugt sind. Eine höhere Bedeutung als der CEO-Position komme allerdings ohnehin dem umstrittenen Umtauschverhältnis im Zuge der Fusion bei. Dieses wurde zuletzt von eins zu eins auf neun zu zehn zu Gunsten von Holcim aufgebessert.

Appenzeller zweifelt aber auch nach der Aufbesserung daran, dass die Holcim-Aktionäre den Fusionsbedingungen zustimmen werden. Denn die Transaktion kommt nur zu Stande, wenn sich bei der ausserordentlichen Generalversammlung im Mai mindestens zwei Drittel des Kapitals für eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals aussprechen.

Verhärtete Fronten

Doch an dieser Stelle sträubt sich ein Holcim-Grossaktionär: Eurocement-Eigentümer Filaret Galchev, der 10,8 Prozent an Holcim hält, lehnt auch die nachgebesserten Fusionspläne ab. Er fordert weiterhin ein besseres Austauschverhältnis. Lafarge hat derweil gerade letztes Wochenende Neuverhandlung des Fusionsvertrags ausgeschlossen. Die Fronten scheinen aber verhärtet.

Auch Vontobel-Analyst Christian Arnold hat die Auseinandersetzungen zwischen Galchev, Holcim und Lafarge verfolgt und kommt zum Schluss, dass die der Vollzug der Transaktion nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent geschehen wird. Zuvor hatte er die Aussicht darauf auf 75 Prozent veranschlagt. In der Folge senkt Arnold sein Kursziel auf 82 von 84 Franken und bestätigt das Rating «Buy».

Schmidheiny steht hinter Olsen

Der grösste Aktionär des Schweizer Zementkonzerns Holcim stellt sich hinter Eric Olsen als Chef des zukünftigen Branchenriesen LafargeHolcim. «Thomas Schmidheiny hält Eric Olsen für eine sehr gute Besetzung», sagte Schmidheinys Sprecher am Donnerstag. Schmidheiny sei froh, dass die Frage des Konzernchefs innerhalb kurzer Frist geklärt worden sei.  «Er erwartet, dass sich die beiden Unternehmen nun konsequent darauf konzentrieren, den Zusammenschluss energisch voranzutreiben.»

Die Zementkonzerne Holcim und Lafarge haben sich auf Eric Olsen als neuen CEO für den fusionierten Konzern verständigt. Das Lafarge-Direktionsmitglied werde sein Amt mit dem Abschluss der Fusion antreten, schrieben die Unternehmen am Donnerstag in einer gemeinsamen Medienmitteilung und bestätigen damit entsprechende Medienberichte vom Vorabend.

Die Ernennung durch die Verwaltungsräte von Lafarge und Holcim erfolge auf Vorschlag von Bruno Lafont, Chairman und CEO von Lafarge, heisst es weiter.

Bedingungen für Fusion

Holcim und Lafarge hatten sich im März in Nachverhandlungen auf neue Bedingungen für ihren Zusammenschluss geeinigt. Dabei war neben der Anpassung des Austauschverhältnisses zugunsten von Holcim auf neun zu zehn, statt zuvor eins zu eins, war auch vereinbart worden, dass Lafarge-CEO Bruno Lafont nicht wie ursprünglich vorgesehen CEO des fusionierten Konzerns wird.

Holcim hatte gemäss Insidern den Franzosen wegen seines Führungsstils abgelehnt. Laut der revidierten Fusionsvereinbarung sollte Lafarge einen Kandidaten für den CEO-Posten vorschlagen.

Französisch-amerikanischer Doppelbürger Olsen

Der nun nominierte französisch-amerikanische Doppelbürger Olsen arbeitet laut den Angaben seit 1999 für Lafarge und war zunächst in verschiedenen Funktionen für Lafarge Nordamerika tätig. Seit 2007 ist er Mitglied des Executive Committee des französischen Zementkonzerns. Sein Gesellenstück lieferte der 51jährige mit der Integration der ägyptischen Orascom mit ihren Geschäften in Afrika, dem Nahen Osten und Asien ab. Seit 2013 bekleidet er den Posten eines «Vice President Operations».

«Ich freue mich sehr, dass Eric Olsen zukünftiger CEO von LafargeHolcim wird. Mit seiner vielfältigen internationalen Erfahrung und seinem Wissen um die Kernmärkte ist er bestens gerüstet, das fusionierte Unternehmen zum Wohle von Mitarbeitenden, Aktionären und Kunden zu führen», wird Holcim-VRP Wolfgang Reitzle in der Mitteilung zitiert. «Eric Olsen wurde sowohl aufgrund seiner persönlichen als auch seiner professionellen Qualitäten als zukünftiger CEO von LafargeHolcim vorgeschlagen», heisst es von Bruno Lafont.

Überzeugungsarbeit bei Aktionären

Bevor die Firmenehe tatsächlich vollzogen werden kann, muss Holcim-Präsident Reitzle aber versuchen, die gegen den Deal aufbegehrenden Aktionäre von Olsen und dem Sinn des Zusammenschlusses zu überzeugen. So hat der amerikanische Fonds Harris Associates seine Zustimmung zur Transaktion von der Person des Konzernchefs abhängig gemacht.

Spricht sich Harris gegen die Transaktion aus, dürfte es eng werden, denn die Hürden sind hoch. Auf der Generalversammlung am 8. Mai müssen sich zwei Drittel der Aktionäre für das Zusammengehen aussprechen. Der mit einem Anteil von über zehn Prozent zweitgrösste Aktionär Eurocement hat sich bereits ablehnend geäussert, wenn es beim gegenwärtigen Preis bleibt. Dazu kommen weitere kleinere Fonds, die Holcim alleine besser aufgestellt sehen.

Schweizer machten Rückzieher

Monatelang schien die vor einem Jahr eingefädelte Fusion unbestritten. Im März machte die Schweizer Seite dann aber einen Rückzieher. Auf Druck der eigenen Aktionäre setzte Holcim angesichts der zuletzt besseren Geschäftlage Nachbesserungen beim Preis durch. Zudem verhinderten die Schweizer, dass Lafarge-Lenker Bruno Lafont wie ursprünglich geplant Chef des fusionierten Konzerns wird. Die beiden Zementriesen einigten sich darauf, dass Lafarge einen Vorschlag machen kann, dem Holcim allerdings zustimmen muss.

(sda/awp/me/dbe)

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