Auf die dubiosen Geschäfte in der Finanzkrise folgte der Steuerstreit. Nach der Manipulation des Referenzzins Libor untersuchen Aufsichtsbehörden nun den Betrug von Wechselkursen. Die UBS war in fast alle der grossen internationalen Skandale der jüngeren Finanzgeschichte verwickelt. Und doch ist ihr Vorsitzender überzeugt, dass die Schweizer Bank die Stürme gefestigter denn je überstehen wird. Dies sagte Sergio Ermotti nun in einem Interview mit der «Financial Times».

Zum Vorbild hat der Tessiner zwei US-Konzerne, die in der Vergangenheit bereits ihre Stehauf-Qualitäten bewiesen. «Ich denke, die UBS kann das Apple oder IBM der Bankenbranche sein», so Ermotti. Beide Firmen wurden laut Ermotti in ihrer Geschichte erst bewundert wurden, gerieten dann in «ernsthafte Schwierigkeiten» und wurden anschliessend stärker als zuvor.

«Reflektion von Gut und Böse in der Gesellschaft»

Nach der Rekordstrafe in Höhe von 1,7 Milliarden Franken im Libor-Skandal droht der UBS wegen der Manipulation von Wechselkursen nun eine weitere Busse. «Risiken und Gewinnchancen waren zwischen den wissenden, vernetzten Devisenhändlern auf der einen und dem unwissenden Bankkunden auf der anderen Seite extrem ungleich verteilt» sagte kürzlich der Schweizer Ökonom Maurice Pedagnana. Er vermutet, dass Schweizer Kunden systematisch geschädigt wurden. «Deshalb sind diese Fälle besonders hart zu bestrafen.»

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Nach Ansicht von Ermotti sind Mitarbeitende der Bankenbranche jedoch nicht unmoralischer als Menschen in anderen Berufen. «Kann eine Bank, die Teil dieser Gesellschaft ist, sicher sein, dass sie keine schlechten Äpfel hat?», fragt Ermotti, um die Antwort auf die Frage selbst zu geben: «Nein. Wie in allen anderen Branchen und Firmen geht es um Menschen – und was Du siehst, ist die Reflektion von Gut und Böse in der Gesellschaft», so Ermotti. «Also beschäftigst Du Menschen, von denen Du glaubst, dass sie aufrichtig sind.»

Auf dem Weg zum «herausragenden Vermögensverwalter»

Die UBS selbst sieht Ermotti übrigens auf dem Weg zum weltweit «herausragenden Vermögensverwalter», wie er sagt. Die Stimmung werde sich allerdings erst wieder bessern, wenn die Politik – vor allem in Europa – damit beginne, das geopolitische und wirtschaftliche Umfeld zu bessern.

(moh/vst)