Die Investitionen in den Windpark am Gotthardpass stehen in klarem Zusammenhang mit den neuen politischen Rahmenbedingungen im Strommarkt Schweiz», sagt Paolo Rossi, Executive Chairman der REninvest SA aus Chiasso. Rossi will am 22. Oktober in Airolo die Öffentlichkeit über das Projekt informieren. Wann der Betrieb des Windparks aufgenommen wird, konnte er noch nicht sagen. Einige der nötigen Zonen- und Bauverträge lägen aber schon vor.
REninvest verfügt über ein Kapital von 65 Mio Euro und will den Anlegern den liberalisierten Markt der erneuerbaren Energien in Eu­ropa zugänglich machen. Die kantonalen Tessiner Elektrizitätswerke AET (Azienda Elettrica Ticinese), wo Paolo Rossi zehn Jahre lang Direktor war, seien der erste Kapitalgeber von REninvest gewesen. Inzwischen sei AET mit ihrem 13-Mio-Euro-Anteil aber nicht mehr der grösste Aktionär. Rossi: «Hinter REninvest steht der Finanzplatz Tessin, der ein eigenes Produkt kreieren wollte.»
REninvest hat in Deutschland bereits drei Windparks in Betrieb mit einem Leistungsvermögen von Total 38,5 MW - das dreifache Volumen, welches die zwölf bestehenden Schweizer Windenergieanlagen an fünf Standorten leisten können. Total hat REninvest 400 Mio Euro in Wind- und Solarparks in Europa investiert.

*Am Gotthard Signal setzen*
Längerfristig plant REninvest Gesamtinvestitionen von 700 Mio Euro für 22 Projekte, die eine Leis­tung von 400 MW erzielen sollen. Gerechnet wird mit einer Rendite von 15%. Zum Vergleich: Die Berner BKW will mit ihrer neuen Tochtergesellschaft, Sol-E Suisse AG, bis 2011 rund 250 Mio Fr. in erneuerbare Energie investieren - die BKW ist bereits an der grössten Schweizer Windenergieanlage auf dem Mont-Crosin der Juvent SA beteiligt (7,6 MW Leistung).
Rossi ist realistisch: «Wir inves­tieren dort, wo es am meisten rentiert. Das ist aus geografischen Gründen nicht in der Schweiz.» Doch: «Wir wollen mit dem Gotthardprojekt ein Signal setzen und die Schweizer ermutigen, das Potenzial erneuerbarer Energien anzuzapfen.» Zum politischen Widerstand gegen Windparks sagt er: «Das ist Business as usual, wir müssen die Leute überzeugen.»

*Atel ist mit REninvest im Gespräch*
REninvest ist nicht das einzige Privatunternehmen, das aufgrund der lukrativeren Rahmenbedingungen in die Produktion von Schweizer Windenergie investieren will. «Das Interesse Privater ist enorm gestiegen», sagt Robert Horbaty, Chef des Förderverbands für Windenergie Suisse-Eole. Allerdings dominierten die Stromkonzerne in dem Geschäft, was ihn an einer echten Entbündelung im Strommarkt zweifeln lässt.
Auch Atel, die bisher in der Schweiz noch keine Windenergie hat, signalisiert grundsätzliches Interesse am Gotthardprojekt, wie Atel-Sprecher Andreas Meier sagt. «Wir haben mit REninvest Kontakt aufgenommen.»
Eines der weiteren acht geplanten Schweizer Windenergieprojekte, das einzige andere von Privaten (einer Genossenschaft) ausserhalb der Strombranche, soll 2009 den Betrieb aufnehmen und stammt von der ADEV Windkraft AG, einer Tochter der Liestaler ADEV Solarstrom AG Energiegenossenschaft. Das Raumplanungsgesuch für den Windpark im jurassischen Saint-Brais sei bereits bewilligt worden, das Baugesuch müsse er noch eingeben, sagt ADEV-Chef Eric Nussbaumer. Nun gehe es noch um die Kapitalbeschaffung - bisher kam 1 Mio Fr. Aktienkapital von Privatpersonen zusammen. Genügend Abnehmer habe er bereits, darunter eine Rahmenvereinbarung mit den Elektrizitätswerken Zürich. Nussbaumer rechnet mit einer langfristigen Kapitalrendite zwischen 4 und 6%. ADEV hat in Deutschland bereits an zwei Standorten in Windenergie investiert.

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