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Erneuerbare Energien: Mehr als nur eine ­Alternative

 

Die zunehmende Ressourcenknappheit eröffnet Chancen für Unternehmen und aktive Anleger – insbesondere in China.

Von Paul Udall
am 05.06.2012

Ausgehend vom aktuellen Verbrauch werden die weltweiten Ölvorräte voraussichtlich in 49 Jahren erschöpft sein. Diese Zahl ist besorgniserregend, zumal derzeit 75 Prozent des globalen Energieverbrauchs auf lediglich 12 Prozent der Weltbevölkerung entfallen. Folgen Schwellenländer im Zuge ihrer Expansion dem Beispiel der Industrieländer, werden die vorhandenen fossilen Ressourcen noch viel früher erschöpft sein. Die Verknappung der Bodenschätze und die steigenden Energiepreise für Endverbraucher zwingen die Politik dazu, sich alternativen Energiequellen zuzuwenden. Eine solche Neuordnung des Energiemarkts schafft auch Chancen – etwa für Investoren, die von dieser globalen Entwicklung profitieren möchten.

Das Ausmass der drohenden Energiekrise lässt sich am Beispiel Chinas veranschaulichen. Hätte die chinesische Bevölkerung heute denselben Lebensstil wie die US-Amerikaner, würde die Zahl der Automobile in China von 45 Millionen auf 800 Millionen steigen, was einem zusätz­lichen Bedarf von 80 Millionen Fass Öl pro Tag entspricht und China zum grössten Ölverbraucher der Welt machen würde. Zudem hätte das Land im Jahr 2020 mit 1 Milliarde Flugpassagieren den grössten Luftverkehrsmarkt. Nicht nur der Energiebedarf Chinas explodiert in diesem Szenario. Die Zahlen für Indien und Brasilien sowie die meisten Schwellenländer fallen ähnlich aus.

Die Bedenken über den künftigen Energieverbrauch und die Tatsache, dass in China schätzungsweise 750000 Menschen pro Jahr an den Folgen der Umweltverschmutzung sterben, haben das Reich der Mitte mittlerweile zum Vorreiter bei der Subventionierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten für neue Technologien gemacht. Der zunehmende Wohlstand in Asien hat generell dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach erneuerbaren Energien immer weiter zunimmt, ebenso die Finanzierungsmöglichkeiten für diese neuen Energien. Zudem sorgen die steigenden Preise für fossile Brennstoffe für mehr Attraktivität von alternativen Energien. Die Entwicklung eröffnet den schätzungsweise über 500 Unternehmen, die Länder bei der Neuausrichtung ihrer Wirtschaft und der Erreichung ihrer Umweltschutzziele unterstützen können, einen enormen weltweiten Markt.

Hindernis schwierige Wirtschaftslage

Wie die meisten anderen Branchen leidet der Markt für alternative Energien derzeit unter der schwierigen Wirtschaftslage und kämpft daher auf kurze Sicht mit Performance-Problemen. Die derzeit niedrigen Bewertungen täuschen jedoch über das enorme langfristige Anlagepotenzial des Sektors hinweg: Von 2000 bis 2010 stammten 46 Prozent des Nettozuwachses bei der Stromerzeugung in Europa aus erneuerbaren Energiequellen. Im Zeitraum 2010 bis 2020 dürfte sich dieser Anteil auf 58 Prozent erhöhen.

Am stärksten wächst die Branche in China, wo die Wasserkraft bereits 20 Prozent der Stromerzeugung ausmacht. Bis 2020 will das Land insgesamt 136 Milliarden Dollar in die Weiterentwicklung des Sektors investieren. Auch in Deutschland, dem industriellen Wachstumsmotor Europas, steigt der Anteil der Wasserkraft am Energiemix. Während zur Überbrückung von Versorgungsengpässen derzeit noch Wasserkraftstrom aus Österreich importiert wird, will Deutschland seine eigene Produktion steigern, um die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke bis 2020 zu kompensieren.

Auch das Potenzial im Markt für Sonnenenergie ist enorm. Zwar ist Sonnenenergie pro Einheit immer noch teurer als Kohle, der Preis für Solarstrom sinkt jedoch jährlich um 15 bis 20 Prozent. Die Solarenergie ist daher eine kluge Alternative für Investoren, die nach langfristigen Anlagechancen suchen. Unternehmen wie Trina Solar, ein chinesischer Hersteller von Solarstrommodulen für Privat- und Geschäftskunden, überzeugen bereits heute durch hohe operative Gewinnmargen.

Für die zunehmende Knappheit fossiler Brennstoffe gibt es zwei mögliche Lösungen: Eine Steigerung der Energieeffi­zienz oder ein veränderter Energiemix. Da die Energiepreise zudem weiter steigen dürften, werden neue und nachhaltigere Energielösungen entwickelt. Damit eröffnet sich den Anlegern die echte Chance, von Zukunftstechnologien zu profitieren.

Paul Udall, Investment Director, GAM, London; er leitet die aktienbasierte Anlagestrategie GAM Star GEO.

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