Mit einem Weltmarktanteil zwischen 20 und 25% gilt die Schaffner-Gruppe im Bereich der Komponenten für die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) als Marktführer. EMV-Lösungen schützen Geräte und Systeme vor elektromagnetischen Störungen und erhöhen so deren Lebensdauer und Betriebssicherheit. Mit dem Kauf der Jacke Transformatoren GmbH im Geschäftsjahr 2005/2006 fasste Schaffner im aufstrebenden Power-Quality-Markt Fuss, in dem die Qualität des Stroms und die Effizienz von Netzen verbessert werden.

«Das stärkste Umsatzwachstum kam aus den zugekauften Power–Quality-Produkten, die um 45% zugelegt haben», erklärt Alexander Hagemann, der seit dem 1. März 2007 die Fäden bei der Gesellschaft aus Luterbach SO in den Händen hält im Interview. Da viele EMV-Kunden auch einen grossen Bedarf an Power-Quality-Produkten haben, kann ihnen Schaffner nun eine gemeinsame Produktpalette anbieten und sein weltweites Vertriebs- und Distributionsnetz nutzen. Dadurch gewann das Unternehmen laut Hagemann viele Neukunden. Zudem wurde das Exportgeschäft von Jacke, das bisher eher schwach war, deutlich gestärkt.Insbesondere im Sektor der erneuerbaren Energien legte Schaffner im vergangenen Geschäftsjahr (per 30. September) deutlich zu. «Heute erzielen wir über 30% unseres Umsatzes im Bereich der erneuerbaren Energien und der geregelten Motorenantriebe», so der Firmenchef. Dabei profitiert Schaffner von einem Megatrend, der insbesondere in China und Amerika zu mehr Investitionen führt. Denn «in der Erzeugung, in der Übertragung und in der Nutzung der Energierohstoffe wird bis zu 95% vergeudet», erklärt Hagemann. Angesichts der Tatsache, dass zwei Drittel der Energie in der Industrie für Leistungsantriebe und Motoren eingesetzt werden, würden diesbezüglich noch erhebliche Energieeinsparpotenziale bestehen. «An diesem Marktwachstum wird Schaffner organisch partizipieren», so der CEO.

Akquisitionsgespräche laufen

Weniger erfreulich entwickelte sich im 1. Quartal des vergangenen Finanzjahres der Automotive-Sektor, der den Betriebsgewinn belastete. Inzwischen wurde die Rentabilität wieder deutlich verbessert und der Turnaround geschafft. Über Anwendungen wie Reifendrucksensoren und schlüssellose Einstiegs- und Schliessysteme für Fahrzeuge, die laut Firmenangaben ein nachhaltiges Wachstum ausweisen, will Schaffner in den nächsten Jahren ein zweistelliges Umsatzwachstum erreichen. «Das Automotive-Geschäft wird aber einem einstelligen Anteil am Gruppenumsatz entsprechen und einen mit unseren anderen Produkten vergleichbaren Ebit-Beitrag liefern», so der Schaffner-Chef.Im Geschäftsjahr 2006/07 verbesserte Schaffner den Umsatz um 23,6% auf 170,3 Mio Fr., davon 5% organisch. Gleichzeitig wurde das Ebit-Margenziel von rund 6% bestätigt (komplettes Zahlenset folgt am 6. Dezember). Damit sind Überraschungen, sowohl positive als auch negative, ausgeblieben, was ganz im Sinne von CEO Hagemann ist. «Wir bemühen uns, unsere Erwartungen so genau wie möglich zu kommunizieren», sagt er. Statt hohe Vorgaben auszugeben, die dann nicht erfüllt werden können, oder aber tiefer zu stapeln, um danach besser dazustehen, hält er sich vielmehr an die Devise: «Wir tun, was wir sagen, und wir sagen, was wir tun.»Entsprechend bleibt Schaffner bei den kommunizierten Zielen von einem Jahresumatz von 250 Mio Fr. und einer Ebit-Marge von 10% bis ins Finanzjahr 2010. Um diese Vorgaben zu erreichen, sind weitere Akquisitionen geplant: «Unsere Strategie sieht vor, dass das Umsatzwachstum zur Hälfte organisch und zur Hälfte durch Ad-on-Akquisitionen erfolgen soll», erklärt Hagemann. Im Verhältnis zum Gruppenumsatz werden die Zukäufe nicht zu gross ausfallen. Das Unternehmen führt dazu mit mehreren Firmen Gespräche, die noch unterschiedlich konkret sind. «Wir werden früher oder später einen Vollzug vermelden», gibt sich Hagemann bedeckt. In den nächsten Monaten liege sein Fokus aber auf der Verbesserung der operativen Leistungsfähigkeit, die das Fundament für das externe Wachstum bilde.

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Genügend eigene Mittel

Für die geplanten Akquisitionen sind keine Kapitalmassnahmen nötig, denn Schaffner verfügt über genügend Mittel aus den Verkäufen der Testsystemsparte und von Immobilien in Luterbach. Zudem hat die Firma eine Wandelanleihe ausstehend, die 2010 zur Rückzahlung fällig wird und zu einem Preis von 232.16 Fr. ausgeübt werden kann. Einer befürchteten Verwässerung entgegnet Hagemann: «Es besteht ein Commitment, dass wir negative Folgen aus der Wandlung der Anleihe für die Aktionäre vermeiden wollen.»

NACHGEFRAGT
«Ich habe in Schaffner-Aktien investiert»

Alexander Hagemann ist seit dem 1. März 2007 CEO der Schaffner Holding, in Luterbach.

Wo steht Schaffner heute?

Alexander Hagemann: Wir haben einen Umsatz von 170 Mio Fr. erzielt und wollen 2010/11 einen Umsatz von 250 Mio Fr. generieren. Das laufende Geschäftsjahr muss und wird ein Schritt auf dem Weg dorthin sein.

Ein bescheidenes Ziel, angesichts der geplanten Akquisitionen.

Hagemann: Diese Bemerkung höre ich häufig. Ich möchte keine anspruchsvolleren Ziele ausgeben, da wir auch makroökonomische Faktoren und das Umfeld zu berücksichtigen haben. Ich erwarte heute eine leichte Abschwächung der Weltwirtschaft.

Wo sehen Sie den Zielkurs der Schaffner-Aktie?

Hagemann: Wir haben dieses Jahr den Leitindex SPI deutlich zweistellig geschlagen. Dies verstehe ich als Vertrauensbeweis in die von uns angekündigte Strategie. Nimmt man die kommunizierten Umsatz- und Ebit-Ziele, so haben wir noch weiteres Wachstumspotenzial. Ich für meinen Teil habe einen für mich nicht unwesentlichen Betrag in Schaffner- Aktien investiert.

Ist die Aktie also unterbewertet?

Hagemann: Ob die Aktie heute unterbewertet ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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