Die Konsequenzen des nationalen Programms «Energie Schweiz» werden langsam spürbar. Mit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls hat sich die Schweiz verpflichtet, den CO2-Ausstoss bis ins Jahr 2010 insgesamt um 10% unter das Niveau von 1990 zu senken - im Gebäudebereich soll der Brennstoffverbrauch sogar um 15% sinken. In diesem Rahmen haben bereits 13 Kantone das Modul 2 der Mustervorschriften im Energiebereich umgesetzt. Andere folgen.

Wärmedämmung kommt zuerst

Das Modul verlangt, dass bei Neubauten 20% des Energieverbrauchs entweder durch erneuerbare Energiequellen gedeckt oder durch eine bessere Wärmedämmung eingespart werden. Zusätzlich zu den strengeren Vorschriften wird die geplante CO2-Abgabe fossile Energieträger zusätzlich verteuern.

Die steigenden Energiepreise, aber auch die politischen Unsicherheiten in vielen erdölfördernden Ländern machen erneuerbare Energie zu einer ökonomisch vielversprechenden Alternative. Im Gebäudebereich sind dies Sonnenenergie, Umweltwärme, Holz und Biogas - Letzteres vor allem zur Produktion von Strom für Wärmepumpen.

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Heizsysteme mit erneuerbarer Energie sind zunehmend konkurrenzfähig: Mittlerweile werden über 70% der neu gebauten Einfamilienhäuser in der Schweiz durch Wärmepumpen beheizt. Und auch bei Modernisierungen von Altbauten kommen immer öfter die erneuerbaren Energien zum Zug.

Bevor in einem Altbau allerdings das Heizsystem ersetzt wird, sollte man die Wärmedämmung des Hauses verbessern. Denn im umgekehrten Fall wäre die Heizung - nach Verbesserung der Wärmedämmung - überdimensioniert und somit zu teuer. Da sich mit einer optimalen Wärmedämmung grosse Mengen an Heizenergie sparen lässt, unterstützt die Stiftung Klimarappen mit ihrem Gebäudeprogramm energieeffiziente Wärmedämmungen. Hausbesitzer können unter www.stiftungklimarappen.ch Fördergelder für eine Hausmodernisierung beantragen.

Preise sind schwierig zu schätzen

Die Tendenz weg vom Öl bestätigt Rudolf Graf vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL). Einer bestimmten Energiequelle mag er aber nicht den Vorrang geben - jede erneuerbare Energiequelle habe ihre Vor- und Nachteile. «Es ist schwierig, die preisliche Entwicklung der Energieträger in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vorauszusagen.» Klar sei aber, dass Energie allgemein teurer werde. Insofern hätten erneuerbare Energien eher Chancen, eingesetzt zu werden. Auch eine Einordnung nach Umweltverträglichkeit ist laut Graf schwierig. So besteht bei älteren Holzfeuerungen immer noch das Problem der Feinstaub- und Stickoxidemissionen - bei modernen automatischen Holzheizungen sind diese allerdings kaum noch problematisch.

Wärmepumpen verursachen dagegen keine direkten Emissionen, verbrauchen aber Strom. «Wie umweltfreundlich eine Wärmepumpe eingeschätzt wird, hängt davon ab, wie man den verbrauchten Strom bewertet. Immerhin kommt Strom teilweise aus Kernkraftwerken oder Gaskraftwerken, beide haben Vor- und Nachteile, die kaum miteinander vergleichbar sind», erklärt Graf.

Bedarf entscheidet über System

Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung sind das einzige System, das emissionsfrei und beinahe ohne Zufuhr von Strom arbeitet. Da Sonnenenergie aber nicht den gesamten Energiebedarf eines Hauses decken kann, muss sie mit einer anderen (erneuerbaren) Energiequelle kombiniert werden.

Die Wahl zwischen den erneuerbaren Energiequellen hängt also meist weniger von deren Umweltfreundlichkeit als vom Energiebedarf des Gebäudes und von dessen Standort ab: Wärmepumpen haben sich vor allem in Einfamilienhäusern und kleineren Mehrfamilienhäusern durchgesetzt - ihrer Kapazität sind Grenzen gesetzt.

Holzfeuerungen dagegen können auch - meist in Form von Holzschnitzelheizungen - grössere Wohnblocks beheizen. Sie bedürfen aber mehr Wartung und sind komplizierter im Betrieb.