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Abbau
Erneut über 1000 Jobs bei Siemens auf der Kippe

Siemens-Chef Joe Kaeser: Siemens muss in der Energiesparte handeln. Keystone

Der deutsche Elektroriese Siemens könnte erneut Hunderte Stellen streichen. Betroffen wären Arbeitsplätze in der angeschlagenen Energiesparte.

Veröffentlicht am 16.03.2015

Während Siemens in Ägypten einen gewaltigen Auftrag an Land zieht, müssen Mitarbeiter in Deutschland um ihren Job fürchten. Nachdem der Industrieriese am Wochenende feste Bestellungen und potenzielle weitere Aufträge im Wert von insgesamt zehn Milliarden Euro vermeldete, folgten Spekulationen um einen weiteren Stellenabbau in der unter Druck stehenden Sparte Power & Gas.

Wie das « Handelsblatt» unter Berufung auf Industriekreise schreibt, steht in dem Geschäftsfeld für die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen eine vierstellige Zahl an Jobs auf der Kippe - zusätzlich zu den bereits bekannten 1200 Stellen. Konkrete Zahlen gebe es noch nicht - spätestens im Sommer solle aber Klarheit herrschen, schreibt das Blatt. Ein Siemens-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Nachfrage nach Gasturbinen am Boden

An der Börse legten die Siemens-Aktien am Morgen um 1,7 Prozent zu. Neben dem Grossauftrag gaben eine positive Analysten-Studie und die Beilegung eines Rechtsstreits mit dem mexikanischen Ölkonzern Pemex Auftrieb.

Energie-Vorstand Lisa Davis hatte zuletzt immer wieder auf Überkapazitäten bei Power & Gas hingewiesen. Riesige Aufträge wie nun aus Ägypten sind derzeit nur im Ausland denkbar. Dagegen liegt die Nachfrage nach grossen Gasturbinen in Europa am Boden, speziell in Deutschland, wo Siemens viel Vertriebspersonal beschäftigt. «Das wird dazu führen, dass wir eine Reallokation unserer Ressourcen machen müssen, so schmerzhaft das ist», zitiert das «Handelsblatt» Konzernchef Joe Kaeser.

Kaesers Kritik an scheidenden Spartenchef

Der Gewinn des wichtigsten Umsatzbringers brach im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember bereits um fast 40 Prozent ein. Ende Januar forderte Kaeser deswegen ein «deutlich weiterreichendes Konzept, um längerfristig zu den früheren Margen zurückzukehren». Dem scheidenden Spartenchef Roland Fischer stellte er damals ein verheerendes Zeugnis aus: «Es gibt kein anderes Geschäft im Hause mit einem vergleichbar grossen Handlungsbedarf - auch deshalb, weil die Zeichen der Zeit nicht ausreichend erkannt wurden.»

Mit höheren Investitionen will sich Siemens binnen zwei bis drei Jahren wieder an die Spitze der Branche schieben. Das zugekaufte Turbinen-Geschäft von Rolls-Royce und die Übernahme des US-Kompressoren-Herstellers Dresser Rand sollen den Fokus stärker auf kleinere Turbinen für den wachsenden Markt der dezentralen Stromerzeugung legen.

Grossauftrag aus Ägypten

Dass Siemens aber auch in der Liga der riesigen Turbinen noch mitspielt, zeigt der Konzern mit dem Grossauftrag aus Ägypten. Der Bau eines Kraftwerks mit Gas- und Dampfturbinen und 4,4 Gigawatt Leistung ist ebenso festgezurrt wie die Order für Windkraftanlagen mit insgesamt 2 Gigawatt. Ausserdem stellt Siemens in dem Land eine Fabrik auf, die Rotorblätter für Windturbinen fertigen soll. Bis zu 1000 Arbeitsplätze sollen so entstehen. Durch zwei weitere Absichtserklärungen könnten noch Aufträge für weitere Kraftwerke mit 6,6 Gigawatt Leistung sowie zehn Umspannstationen folgen.

(awp/dbe/chb)

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