Jan Baan, ehemaliger CEO des gleichnamigen Softwarehauses, spricht zum ersten Mal seit etlichen Jahren offen über seine aktuellen Projekte und die Zukunft seiner neuen Firma. Die Enterprise Resource Planning-Software (ERP), die er mitbegründet und weiter entwickelt hat, hält Jan Baan heute für überholt.

Was machte einst die Bedeutung von ERP-Lösungen aus?

Jan Baan: In den 90er-Jahren liess sich ERP eher als Enterprise Resource Problem bezeichnen, sie umfasste aber nie die Enterprise, also ein Grossunternehmen, sondern eher die Entität, einen Teil des Unternehmens. Wir waren damals führend. Bei unserem ehemaligen Kunden Boeing sagte man, dass die Entwicklung des Modells 777 ohne unsere ERP-Software nicht möglich gewesen wäre.

Wo liegt denn das Problem bei ERP?

Baan: ERP deckt nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Unternehmensprozesse ab und es gibt mit der Integration Probleme. Das sieht man jetzt bei den Schwierigkeiten, welche Airbus hat: Die zu kurzen Kabel im A380 sind starke Hinweise auf ein Softwareproblem.

Wie schlagen sich die grossen Anbieter?

Baan: Sie übernehmen andere, kleinere Unternehmen wie Top-Tier, das die technologische Basis von Netweaver bei SAP bildet.

Was haben Sie mit dem Geld aus dem Verkauf von Top-Tier gemacht?

Baan: Ich habe 250 Mio Dollar in Cordys investiert. Vor drei Jahren haben wir Cordys auch für Minderheitsaktionäre geöffnet, aber ich halte immer noch die Mehrheit.

Und stellte SAP etwas gutes mit Top-Tier an?

Baan: Sie machten das zu einem Portal, aber nicht zu einem Enterprise Service Bus. Das liegt daran, dass man sich bei SAP immer nur mit Daten, aber nie mit Geschäftsprozessen beschäftigt hat. Diese wurden von der Firma IDS Scheer im Rahmen des Business-Process-Managements-Angebotes erledigt.

Wo steht Cordys heute?

Baan: Wir haben 600 Angestellte, davon sind 350 Entwickler. In diesem Jahr schaffen wir den Breakeven. Der Umsatz dürfte bei rund 50 Mio Euro liegen, aber effektiv, über die Partner, machen wir fünfmal mehr.

Fassen Sie einen Börsengang ins Auge?

Baan: Eventuell. Wir profitieren jetzt mit steigenden Umsätzen vom Hockey-Stick-Effekt. Wir haben aber auch Alternativen wie Merger oder Akquisitionen und/oder den Verkauf des Know-hows an eine grosse Firma.

Zurück zu ERP - wo liegt das Hauptproblem?

Baan: Wenn man heute Firmen anschaut, dann ändert sich ihre Strategie alle ein bis zwei Jahre und alle drei bis sechs Monate ändert sich ihre Organisation. Die Software und Infrastruktur hingegen bleibt sechs bis zehn Jahre die gleiche. Es braucht deshalb mehr Flexibilität, damit die Software den Erfordernissen des Unternehmens angepasst werden kann.

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