Eigentlich soll Gorka Villar den Weltfussballverband als Mitglied der neuen Reformkommission auf den rechten Weg führen und die Skandale der Vergangenheit vergessen machen. Doch jetzt muss der vermeintliche Fifa-Reformer und Präsident des südamerikanischen Fussballverbandes Conmebol seinen ganz persönlichen Skandal ausfechten. Der Vorwurf gegen ihn: Erpressung.

Die Präsidenten von acht Vereinen der obersten Spielklasse in Uruguay – darunter der nationale Erfolgsclub Peñarol aus der Hauptstadt Montevideo – haben offenbar vor Gericht als Zeugen ausgesagt, von Villar erpresst worden zu sein. Das berichten übereinstimmend diverse südamerikanische Medien. Demnach geht es um eine Beschwerde aus dem Jahr 2013.

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Staatsanwalt: Name von Gorka Villar «mehrmals» genannt

Der Name von Gorka Villar «als Berater des Conmebol» sei laut dem zuständigen Staatsanwalt Juan Gomez von den Zeugen «mehrmals» genannt worden. Innerhalb des südamerikanischen Verbands Conmebol gebe es eine «kriminelle Vereinigung», so der Vorwurf der Zeugen.

Der Spanier Gorka Villar ist der Sohn von Angel Maria Villar, dem Präsidenten des spanischen Fussballverbandes (RFEF). Angel Maria Villar ist seit 1998 Mitglied des Fifa-Exekutivkommitees und gilt in der Debatte um die Neuausirchtung der Fifa als Reformgegner. Wie ähnlich die Ansichten von Vater und Sohn sind, ist nicht bekannt.

«Nicht überrascht von den Anschuldigungen»

Javier Tebas, Präsident der spanischen Fussballiga LFP sagte laut der spanischen Zeitung «El Mundo», er sei «nicht überrascht von der Anschuldigung gegen Gorka Villar». Über die Eignung des 39-Jährigen als Fifa-Reformer äusserten sich Experten und Medien nach Bekanntgabe der Reformkommission in der jüngsten Vergangenheit bereits überrascht: Als Generalsekretär des südamerikanischen Fussballverbandes Conmebol stehe er «im Epizentrum der aufgedeckten Korruption», schrieb etwa die «NZZ» kürzlich.

Erst Anfang September tagte die Reformkommission in Bern unter dem Vorsitz des Schweizers François Carrard zum ersten Mal. Der Ausschuss war im Juli als eine Konsequenz aus dem im Frühjahr aufgeflogegenen Korruptionsskandal beim Weltverband beschlossen worden. Das Ziel: Die Kommission soll in den kommenden Monaten transparentere und weniger korruptionsanfällige Strukturen bei der Fifa erarbeiten. Mit der Mitgliedschaft von Gorka Villar hat man sich aber offenbar selbst einen Bärendienst erwiesen.