Die Dinge drehen sich hier um Armbanduhren, und zwar solche eines Labels, welches während des Genfer Uhrensalons 2009 am 19. Januar debütierte. Womit nicht gesagt sein soll, dass es sich um eine gänzlich neue und damit bislang unbekannte Signatur handelt. Im Gegenteil: Ralph Laurens Erfolgsgeschichte begann 1967 mit Krawatten. Es handelte sich um wahrhaft revolutionäre, weil breite und farbenfrohe Schlipse. Sie brachten den Amerikaner Ralph Lauren unverzüglich in vieler Männer Munde. Diese kleidsamen Objekte verkörperten den Grundstein für ein weltumspannendes Modeimperium. Bereits im folgenden Jahr, 1968, gesellte sich eine komplette Herrenkollektion mit dem klangvollen Namen Polo hinzu. Das einprägsame Poloreiter-Logo debütierte 1971 und damit ein Jahr vor dem legendären Polo-Shirt.

Am Anfang stand «Great Gatsby»

Die Premiere des Films «The Great Gatsby», dessen Titelhelden Ralph Lauren mit seiner Mode ausgestattet hatte, steigerte ab 1974 den Aufmerksamkeitswert zusätzlich. Danach war der Aufwärtstrend nicht mehr zu bremsen, der Börsengang im Jahre 1997 fast nur noch Formsache.

Der unverwechselbare Ralph- Lauren-Stil bot und bietet weit mehr als stets aktuellen Chic, Zeitlosigkeit und Funktionalität. Er verkörpert eine spezielle Lebensart: Traditionsbewusst, jedoch nie traditionsgebunden. Neben seiner textilen Leidenschaft besitzt Ralph Lauren ein unstillbares Faible für die schönen Dinge des Lebens. Dazu gehören Immobilien, Pferde, Interieurs, Autos und auch Uhren. Letztere, vor allem solche aus zurückliegenden Epochen, waren schon immer in den Flagship-Stores des Modeguru zu haben.

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Deshalb grenzt es fast schon an Unerklärliches, dass eine eigene Uhrenkollektion so lange auf sich warten liess. Branding gehört nämlich zur Mode- und Uhrenbranche wie das Salz zur Suppe. Labels von Armani bis Versace belegen dies eindrucksvoll.

Schwestermarken mit im Boot

Ralph Lauren ist nicht irgendwer. Er ist ungemein anspruchsvoll - und im Umgang keineswegs einfach. Das jedenfalls brachte Johan Rupert, Mehrheitsaktionär und Präsident des Richemont-Luxuskonzerns, am Vorabend des diesjährigen Genfer Uhrensalons SIHH Mitte Januar ganz nebenbei zum Ausdruck. Da nämlich debütierte - nach knapp zweijähriger Vorbereitungszeit - die allererste Uhrenkollektion mit der Signatur Ralph Lauren.

Das Präsentierte löste beim Betrachter allerdings ein gewisses Déjà-vu-Erlebnis aus. Was Johan Rupert höchstpersönlich mit den Worten kommentierte, dass alle drei chronometrischen Erstlingswerke selbstverständlich einen engen Bezug zum Leben und den Leidenschaften Ralph Laurens ausweisen. Eine davon, und das offenbarte sich spontan beim Blick auf die runde Slim Classique am Handgelenk ihres gestalterischen Urhebers, ist die grösste aller Richemont-Marken mit Sitz in Paris - also Cartier. Ihre breite Lünette ziert eine dezente Guilloche, und beim ebenfalls guillochier- ten Zifferblatt stechen sofort die markanten römischen Ziffern ins Auge.

Diese Linie, in der ein ultra-flaches Handaufzugswerk der Schwester Piaget tickt, unterstreicht Ralph Lauren mit seinem ausgeprägten Hang zum Unvergänglichen: «Ich liebe romantische Filme, Autos und Musik, wie die von Cole Porter oder Frank Sinatra. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind absolut alterslos.»

Die Stirrup - übersetzt Steigbügel - demonstriert, dass es sich bei Ralph Lauren um einen ausgewiesenen Pferdenarr handelt. Ihre Silhouette spricht eine deutliche Sprache. Ralph Lauren: «Es hat eine gewisse Anmut und Schönheit, wenn man nicht immer nur auf das Kommende hinlebt, sondern auch das Gewesene zu schätzen weiss.» Das Gewesene besteht hier in Armbanduhren, welche es in ähnlicher Gestalt bereits gab.

Die Bewahrung der Zeit besorgen, je nach Grösse und Ausführung, Kaliber mit manuellem oder automatischem Aufzug, zugeliefert von Piaget oder Jaeger-LeCoultre. Die Spitze markiert ein Automatik-Zeitschreiber in Platin mit Email-Zifferblatt und blauen Stahlzeigern. Die limitierte Edition von nur 67 Exemplaren stellt eine Reminiszenz an das Polo-Gründungsjahr 1967 dar.

Zum Programm gehört schliesslich auch noch ein klassisch runder Chronograph, der das sportliche Element der insgesamt drei Linien umfassenden Erstkollektion repräsentiert. Dieser Stopper ist als einzige Armbanduhr von Ralph Lauren in Edelstahl mit stählernem Gliederband erhältlich. Das Innenleben mit Selbstaufzug steuert einmal mehr Jaeger-LeCoultre bei. Die Tachymeterskala zum raschen Ermitteln von Durchschnittsgeschwindigkeiten über 1 Meile oder 1 km hinweg erinnert an Ralph Laurens Liebe zu eleganten Oldtimern mit vier Rädern. «Ich liebe Sport, Geschwindigkeit und Stil», lautet denn auch das diesbezügliche Credo des Modeschöpfers.

Und Lauren weiter: «Zweckmässige Dinge haben mir schon immer gefallen; Gegenstände, die nicht nur entworfen wurden, um schön auszusehen.» In diesem Sinne umfasst die Sporting-Kollektion auch noch World Time, eine funktionale Armbanduhr mit Weltzeitindikation à la Geographique von Jaeger-LeCoultre.

Bleibt - last, but not least - die rund 45 mm grosse Sporting Classic, welche den überseeischen Wurzeln von Polo Ralph Lauren mit Blick auf das grosse Handaufzugswerk am nächsten kommt. Beim Lieferanten IWC trägt es als Hommage an seinen amerikanischen Firmengründer klangvoll den Beinamen Jones.

Kaum ein leichter Start in Europa

Als Statthalter des chronometrischen Newcomers fungiert Guy Chatillon, der im Dezember 2008 von Piaget zu Ralph Lauren gewechselt hat. Ihm kommt einerseits die keineswegs leichte Rolle eines Bindeglieds zwischen den beiden Joint-Venture-Partnern in der Neuen und der Alten Welt zu. Den Problemen dieses Spagats ist sich der neue CEO durchaus bewusst. Chatillon: «Ralph Lauren ist in alles und jedes involviert. Ohne ihn und sein Plazet geht also gar nichts. Unsere Maxime ist eine hohe Qualität in Sachen Design und Uhrmacherei.»

Für Letztere bürgen die Ateliers von Piaget im abgeschiedenen La-Côte-aux-Fées. Hier entstehen alle Zeitmesser unter Verwendung besagter Kaliber. Chatillon: «Verkauft werden die Armbanduhren in den Ralph-Lauren-Flagship-Stores rund um den Globus. In Europa befinden sich solche in London und Paris. Und dann wollen wir mit ausgewählten Konzessionären zusammenarbeiten, die den besonderen Spirit dieser Kollektion erkennen und potenziellen Kundenkreisen adäquat vermitteln.»

Hier scheinen sich für den eidgenössischen Markt während des SIHH noch keine konkreten Kontakte angebahnt zu haben. Konkretes war auf Nachfrage jedenfalls nicht in Erfahrung zu bringen. Vielleicht auch, weil sich die Preise über der 5000-Fr.-Grenze bewegen. Das ist - in Europa - viel für eine Marke, die hierzulande doch eher für Polo-Shirts bekannt ist. Selbst wenn diese ebenfalls nicht ganz günstig sind …