Es gibt sie schon lange. Aber in der Schweizer Presse haben Staatsfonds (Sovereign Wealth Funds, SWF) erst mit der Kapitalinfusion der Government of Singapore Investment Corp. (GIC) von 11 Mrd Fr. bei der UBS AG im Dezember 2007 Schlagzeilen gemacht.

Die Meinungen zu diesen In-vestoren sind geteilt. Für deren Befürworter sind Staatsfonds anderen Kapitalquellen wie Währungsreserven, Hedge-Fonds oder Private Equity ebenbürtig und stellen eine seriöse Anlagestrategie dar. Gegner beanstanden insbesondere mangelnde Transparenz, politische Einflussnahme oder mangelnde Reziprozität.

Betrachten wir die Fakten: Staatsfonds (SWF) existieren seit gut einem halben Jahrhundert und entstanden aus der Absicht der Staaten, ihre Währungsreserven sinnvoll anzulegen. Gegenwärtig schätzt die Schweizerische Bankiervereinigung das Anlagevolumen von Staatsfonds auf 3 Billionen Dollar. Bis 2015 - je nachdem, wie sich die Rohstoffpreise längerfristig entwickeln - soll das Vermögen rund 10 bis 15 Billionen Dollar betragen - mehr als Hedge-Fonds und Private Equity zusammen.

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Investitionen in die UBS

Die Investitionen der GIC bei UBS und China Investment Corporation (CIC) bei Morgan Stanley sind vorläufig die gewichtigsten Investitionen im Bankensektor. Tatsächlich sind SWF im Jahr 2008 als Investoren im Finanzdienst-leistungssektor aufgetreten und haben als weisser Ritter dort agiert, bevor Regierungen und Zentralbanken entschieden haben, diesen Unternehmungen unter die Arme zu greifen.

Auch in anderen Branchen wurden SWF aktiv: Erwähnenswert sind die singapurische Temasek-Beteiligung an der thailändischen Shin, der Kommunikationsinvestition des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawatra oder das gescheiterte Angebot eines chinesischen Staatsunternehmens für die kalifornische Unocal.

Im Private-Equity-Bereich betragen laut Schätzung von Private Equity Intelligence die Investitionen von SWF 120 bis 150 Mrd Dollar oder 10% des globalen Private-Equity-Markts.

Freiwillige Richtlinien helfen

Die zunehmende Präsenz der Staatsfonds und die damit verbundenen Vorbehalte haben dazu geführt, dass mehrere Institutionen sowie Gesetzgeber sich mit der wachsenden Bedeutung von Staatsfonds befassen. Während Gesetzgeber sich primär mit Fragen der nationalen Sicherheit und der politischen Einflussnahme beschäftigen, arbeitet der Internationale Währungsfonds (IWF) an freiwilligen Richtlinien. Er hat mit Vertretern der wichtigsten SWF und nach Konsultation der OECD und der Europäischen Kommission die International Working Group of Sovereign Wealth Funds (IWG) gegründet, die im Oktober 2008 ein freiwilliges Regelwerk zur Offenlegung und Investitionspolitik präsentierte.

Bisher haben sich Staatsfonds klar für Minderheitsbeteiligungen und oft explizit gegen eine betriebliche Einflussnahme ausgesprochen. Sie sind bestrebt, ihr Image als «undurchsichtige» Investoren zu verbessern. Als aktuelles Beispiel ist Dubai International Capital LLC (DIC) zu erwähnen, die im Rahmen der Mitgliedschaft bei der British Private Equity and Venture Capital Association (BVCA) und der deshalb erforderlichen Anwendung der Transparenzrichtlinien einen entscheidenden Schritt zu vermehrter Offenheit schafften.

Staatsfonds und die mit ihnen verwandten Staatsunternehmen spielen eine wichtige Rolle auf den globalen Finanzmärkten. Im Zuge der Finanzkrise haben die Staatsfonds indes ihre Aktivitäten zurückgefahren, und es gibt klare Anzeichen dafür, dass SWF ihre Investments fortan zielgerichteter einsetzen werden. Es besteht kein Zweifel, dass die Finanzkrise die Professionalisierung der SWF-Aktivitäten beschleunigen und der Einfluss der SWF auf dem M&A-Markt in den kommenden Jahren eine zentrale Bedeutung erlangen wird.

Den Beweis erbringen

Staatsfonds und Staatsunternehmen dürften im Vergleich zu traditionellen Investoren dank ihrer enormen Geldreserven einen längeren Atem haben. Noch müssen sie beweisen, dass sie sichere und seriöse Alternativen zu herkömmlichen Investoren bieten und die abgeschlossenen Deals auch nachhaltigen Erfolg zeitigen. Gelingt ihnen das, haben sie als langfristig erfolgreiche Akteure im M&A-Markt eine beneidenswerte Zukunft vor sich.