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Tunnel
Erste Durchfahrt durch den Gotthardbasistunnel

Gotthard: In rund 1000 Tagen übergibt Alptransit den Tunnel der SBB. (Bild: Keystone)

Der Gotthardbasistunnel wurde erstmals von einem Portal zum anderen befahren. Noch aber musste man umsteigen und den Bus benützen.

Veröffentlicht am 30.08.2013

Erstmals ist der ganze Gotthardbasistunnel von einem zum anderen Portal befahren worden. Die Fahrt von Bodio TI bis Erstfeld UR war aber noch nicht ohne Umsteigen und ohne Buseinsatz möglich.

Selbst für Renzo Simoni, den Vorsitzenden der Bauherrin Alptransit Gotthard, war diese erste Durchfahrt ein bewegender Moment. Sie zeige, dass der 57 Kilometer lange Tunnel tatsächlich durchgängig sei und in der Realität existiere, sagte er scherzend.

Dereinst werden die Züge in 20 Minuten durch den Tunnel fahren. Die Fahrt am Freitag, an der Vertreter der Medien und der am Bau beteiligten Unternehmen teilnahmen, war gemächlicher. Und sie zeigte, dass das Bauwerk, das in drei Jahren dem Verkehr übergeben wird, sich in verschiedenen Ausbaustadien befindet.

Bald erste Tests

Die ersten rund 16 Kilometer von Bodio nach Faido sind in der Weströhre fertig gebaut. Im Dezember werde dort der Testbetrieb gestartet, sagte Simoni.

Noch nicht so weit ist im Süden dagegen die Oströhre. Dort ist erst der Rohbau abgeschlossen. Im September wird aber auch in diesem Teil als letzten Abschnitt mit dem Einbau der Bahntechnik begonnen. Über den ganzen Tunnel gesehen sind 55 Prozent der Bahntechnik, also Schienen, Fahrleitungen, Funk, Lüftungen, eingebaut.

Alptransit sei auf der Zielgerade, sagte Simoni. Für den restlichen Einbau der Bahntechnik und den ersten Testbetrieb habe man noch rund 1000 Tage Zeit. Dann, im Mai 2016, gehe der Tunnel zum Probebetrieb an die SBB über.

Der Dieselzug stoppt zum ersten Mal nach zwei Kilometer. Hier konnte der Tross einen der 176 Querschläge besichtigen, die die beiden Tunnelröhren verbinden. Die Querverbindungen dienen nicht nur als Fluchtweg. In ihnen ist auch viel Technik untergebracht. Verpackt ist diese in - je nach Inhalt - gelben, blauen und grauen Schränken.

Kurz vor der Multifunktionsstelle Faido endet das Gleis. Das Tunnelgewölbe weitet sich etwas. Hier befindet sich ein Notbahnhof. Zudem können hier die Züge von der einen in die andere Röhre wechseln. Nötig werden könnte dies bei einem Unfall oder bei Unterhaltsarbeiten.

Mit Kleinbussen in Weströhre

Eine zweite Multifunktionsstelle befindet sich in Sedrun GR. Der Abschnitt zwischen Faido und Sedrun ist in der Weströhre aber noch kein richtiger Bahntunnel - die Schienen fehlen praktisch noch auf der ganzen Strecke, so dass für die Weiterfahrt auf Kleinbusse umgestiegen werden musste.

In der Multifunktionsstelle in Sedrun ist die Bahntechnik bereits eingebaut. Hier gibt es auch zwei Schächte, die 800 Meter hoch an die Oberfläche führen, und Kavernen, die für eine allfällige Porta Alpina - einen regulären Bahnhof mitten im Tunnel - erstellt wurden.In Sedrun gibt es ebenfalls einen Notbahnhof. Es sei vorgesehen, dass im Falle einer Havarie die Passagiere von der einen in die andere Röhre gehen, und von dort aus mit dem Zug evakuiert werde, sagte Projektleiter Luzi Gruber von der Baufirma Implenia.

Die Passagiere müssen dabei Schleusen mit riesigen gelben Toren passieren. So könne im Brandfall das Rauchgas und die Frischluft getrennt werden, sagte Gruber.Viele Erinnerungen

Der letzte Abschnitt von Sedrun über Amsteg bis nach Erstfeld konnten die Teilnehmer der ersten Durchfahrt wieder im Bummelzug machen. Die Fahrt durch den Tunnel weckte bei den Ingenieuren immer wieder Erinnerungen an Erfolgsmomente und an unerwartete Schwierigkeiten.Für Beat Blindenbacher vom Tunnelbauer Strabag war einer der Glücksmomente, als seine Leute mit ihrer Tunnelbohrmaschine bei Erstfeld innerhalb von 24 Stunden 55,6 Meter vorwärts kamen. Dies sei Rekord, sagte er.

Auch die Komplexität des Bauwerks wurde hervorgehoben - und die lange Bauzeit. Projektleiter Alex Sala von Amberg Engeneering wird bei der Eröffnung 2016 24 Jahre lang für den Gotthardtunnel gearbeitet haben. Tunnelbau sei schön, sagte er. Man komme an einen Ort, wo vorher noch nie jemand gewesen sei.

(sda/chb/muv)

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