Den Deutschen wirds zu sonnig: Ihre hohen Einspeisevergütungen für Solarstrom, die sie zum weltgrössten Absatzmarkt für Solaranlagen befördert haben, führen dazu, dass die Konsumenten die bis 2015 installierten Anlagen wohl mit mehr als 100 Mrd Euro subventionieren werden. Das hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in einer Studie errechnet.

Von den Zahlen aufgeschreckt, will die regierende CDU die Subventionen radikal kappen. Pro Kilowattstunde (kWh) gibt es derzeit 42 Cent, und dies während 20 Jahren. Zum Vergleich: Konventioneller Strom wird an der Europäischen Strombörse EEX für 5 Cent gehandelt. Die Mehrkosten der Sonnenenergie tragen die Konsumenten über ihre Stromrechnung. Diskutiert wird nun über eine Senkung auf 28 Cent sowie deutlich kürzere Förderzeiten. Eine zweite Variante ist der «Deckel»: Pro Jahr sollen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von noch 1300 MW installiert werden dürfen. Wird die Förderung nicht gedrosselt, überschreiten laut Solaranalyst Chris Porter die Neuinstallationen bereits 2010 den Wert von 6500 MW pro Jahr.

Kenner befürworten Abbau

Auch die USA kämpfen gegen die Subventionsfalle – noch ist offen, ob das Steuervergütungsprogramm für Anlagenbetreiber über 2008 hinaus verlängert wird.Die Industrielobby reagiert mit Entsetzen auf den politischen Schattenwurf. Branchenkenner rund um das Fachblatt «Photon» sind dagegen überzeugt: Ein Subventionsabbau ist das Beste, was der Industrie widerfahren kann. Zwar sinken dann die Gewinnmargen kurzfristig, doch ist Solarstrom erst einmal wettbewerbsfähig, machen die Hersteller den Renditeverlust über die Masse wett. Eine Studie von Photon Consulting stützt die These: Bereits heute könnte Solarstrom für 15 Cent pro kWh produziert werden.

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Das weiss auch OC Oerlikon. Die Anlagenbauerin im Bereich der Dünnfilm-Module verspricht für 2010 Solarstrom, der so günstig ist wie Netzstrom. Kein Wunder, denn die Renditen sind gut: Oerlikon-Konkurrent First Solar aus Phoenix etwa erzielte 2007 eine operative Marge von 20%. 2004 war er noch unprofitabel. Hersteller verweisen daher häufig auf die hohen Investitionen, die sich jetzt auszahlten. «Unsinn», sagt ein Branchenkenner. «Die Industrie verdient sich eine goldene Nase.»

Der Subventionsabbau hätte auch positive Folgen für Entwicklungsländer. «In Nordafrika kosten selbst veraltete Solarzellen heute so viel wie vor zehn Jahren», kritisierte Alexander Karsner, US-Staatssekretär für erneuerbare Energien an der Bali-Umweltkonferenz. Schuld daran seien auch die hohen Einspeisevergütungen der Industrienationen. Mit ihren politischen Vorgaben trieben sie den Weltmarktpreis in die Höhe.Zudem heizen sie die asiatische Industrie an, anstatt hiesige Firmen zu fördern. Marktleader ist die chinesische Suntech, sie fertige 2007 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 364 MW. Als Abnehmerland ist China dagegen unbedeutend: Kaum einer kann sich die Module leisten.

Schweiz fördert ab 2009

Ab 2009 fördert auch die Schweiz: 25 Jahre lang gibt es Vergütungen von bis zu 90 Rp. pro kWh. Dem Stromkonsumenten dürfen aber maximal 0,6 Rp. pro kWh belastet werden: So will man einen Förderexzess auf Kosten der Verbraucher verhindern.