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Manipulation
Erste Investoren verklagen Facebook

Facebook-Server
Facebook-Server: Aktionäre wollen Geld sehen.Quelle: Keystone

Die Datenaffäre bei Facebook weitet sich aus: Investoren haben eine Klage gegen das soziale Netzwerk eingereicht.

Veröffentlicht am 21.03.2018

In der Datenaffäre um Facebook haben amerikanische Investoren eine erste Klage gegen den Internet-Konzern eingereicht. Die Aktionäre machten geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten in die Irre geführt habe, die Daten der Nutzer zu schützen. 

Der Zeitung «Los Angeles Times» zufolge wird Facebook in der am Dienstag bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereichten Beschwerde zudem vorgeworfen, die eigenen Datenschutzvorschriften verletzt zu haben. 

Aktien eingebrochen

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Datenanalysefirma Cambridge Analytica möglicherweise illegal Zugriff auf Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern hatte. Die Aktien des sozialen Netzwerks waren an den Börsen eingebrochen. Das Unternehmen verlor an der Börse seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Unternehmenswert. 

Die umstrittene Firma hat ihren Chef Alexander Nix suspendiert. Nix werde während einer vollständigen, unabhängigen Untersuchung mit sofortiger Wirkung von seiner Aufgabe entbunden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. 

Untersuchung der FTC

Die US-Konsumentenschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) leitete nach Informationen der «Washington Post» eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein. 

Das Unternehmen könnte demnach gegen eine Einigung mit der Behörde zum Schutz der Nutzer aus dem Jahr 2011 verstossen haben. Sollten die Ermittlungen dies bestätigen, würde Facebook eine empfindliche Strafe drohen.

Erpressungsversuche von Wahlkandidaten

Cambridge Analytica geriet am Dienstag weiter unter Druck, nachdem herausgekommen war, dass Nix vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Ein Reporter des britischen Senders Channel 4 hatte sich für den Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle. 

Der Undercover-Reporter von Channel 4 hatte sich mit Nix und anderen Top-Managern von November 2017 bis Januar 2018 mehrmals in Londoner Hotels getroffen. An einer Stelle antwortete Nix dem Channel-4-Bericht zufolge auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen über politische Gegner zu beschaffen, seine Firma könne «Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken». Ukrainerinnen seien «sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut». 

Eine weitere Vorgehensweise sei, einem Kandidaten viel Geld für seinen Wahlkampf anzubieten, zum Beispiel mit Land als Gegenleistung - und das ganze auf Video aufzunehmen und später zu veröffentlichen. 

Durchsuchungsbefehl in London

Die britische Datenschutzbehörde beantragte einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica. Die Firma habe innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage reagiert, so dass die Behörde nun gerichtlich versuche, auf den Systemen der Beratungsfirma Beweise zu sichern, wie das Information Commissioner's Office (ICO) britischen Medien zufolge mitteilte. 

Der Vorsitzende des britischen Parlamentsausschusses für Digitales und Medien — Damian Collins — forderte Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf, sich Fragen von Abgeordneten zu stellen. 

Das Unternehmen war am Wochenende von Facebook ausgesperrt worden. Cambridge Analytica habe unrechtmässig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, erklärte das Online-Netzwerk zur Begründung. 

Facebook-Sicherheitschef vor Absprung

Auch bei Facebook könnte es laut «New York Times» personelle Veränderungen geben. Die Zeitung berichtete, dass der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos Facebook verlassen wolle. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern zurückgewiesen worden, so die Zeitung. 

Stamos habe bereits im Sommer 2016 erste Untersuchungen eingeleitet und zum November klare Hinweise auf die Einmischung aus Russland gehabt. Die Firmenführung habe jedoch gezögert, die Informationen öffentlich zu machen. Erst nach Untersuchungen im US-Kongress räumte das Online-Netzwerk schrittweise ein, dass 150 Millionen Nutzer von Facebook und Instagram mit politischer Propaganda aus Russland in Berührung gekommen sein dürften.

(sda/gku/tdr)

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