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Devisen
Erste Pleiten nach SNB-Entscheid

Goalie Adrian von West Ham United: Alpari auf dem Trikot. Keystone

Das Ende des Mindestkurses hat bereits zwei Pleiten in der Finanzwelt ausgelöst. Devisenhändler mussten zusehen, wie die Währungsverluste das Kapital ihrer Firmen auffrassen. Weitere dürften folgen.

Veröffentlicht am 16.01.2015

Die abrupte Kehrtwende der Schweizerischen Nationalbank hat die ersten Opfer in der Finanzwelt gefordert. Vor allem Währungshändler leiden massiv unter der Entscheidung der Notenbank, die 2011 eingeführte Bindung des Franken an den Euro aufzugeben. Bisher gibt es mindestens zwei Pleiten.

Der kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers hatte bereits kurz im Anschluss an die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank sein Geschäft eingestellt. Am Freitag folgte die Insolvenz des britischen Devisenhändlers Alpari, dessen Logo auch die Trikots des englischen Fussballvereins West Ham United ziert, der in der höchsten englischen Liga spielt.

Keine Anrufe mehr angenommen

Der Entschluss der Schweizerischen Nationalbank habe zu extremen Schwankungen und dem Austrocknen jeglicher Liquidität geführt, teilte die Firma auf ihrer Internetseite mit. «Das hat zur Folge gehabt, dass die Mehrheit der Kunden Verluste erlitten hat, die ihr Einlagenkapital überstieg. Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht», schrieb Alpari UK auf der eigenen Website.

Die Briten sind auch in Deutschland aktiv. Bei der Frankfurter Niederlassung war für eine Stellungnahme zunächst niemand zu erreichen. In Grossbritannien lief ein Tonband, dass keine Anrufe mehr angenommen würden.

Heftige Verluste auch in den USA

Die neuseeländische Global Brokers hatte von ähnlichen Liquiditätsproblemen und Verlusten der Kunden berichtet. Das habe das Kapital der Firma aufgefressen, womit sie nicht mehr den Anforderungen der Finanzaufsicht genüge, hatte Global Brokers erklärt. Geschäftsführer David Johnson entschuldigte sich bei seinen Kunden, versicherte aber, dass die Einlagen sicher seien.

Der grösste Anbieter von Devisenhandel für Kleinanleger in den USA, FXCM, bezifferte die Verluste seiner Kunden auf 225 Millionen US-Dollar. Auch andere Devisenhändler sprachen von Verlusten ihrer Kunden in Höhe von mehreren 10 Millionen Dollar. Experten gehen davon aus, dass das Ausmass der Verluste erst langsam ans Licht kommen wird und weitere Pleiten folgen könnten.

Nur 2 Prozent abgedeckt

In Japan kontrollierte offenbar das Finanzministerium, wie hoch die Verluste der heimischen Handelsfirmen sei, berichtet das Wall Street Journal. Demnach befragten auch die Aufsichtsbehörden in Hongkong, Singapur und Neuseeland Broker.

Kunden von Devisenhändlern können je nach den jeweiligen Aufsichtsvorschriften das Vielfache ihres bei dem Händler eingezahlten Kapitals für den Handel nutzen. In den USA müssen nur 2 Prozent der gehandelten Währungssumme abgedeckt sein, denn üblicherweise schwanken Währungen nicht so stark wie etwa Aktien. Die Kundenverluste, die über die Einlagen hinaus gehen, müssen vom Händler ausgeglichen werden.

SNB löste Panik aus

Nach der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank war der Kurs des Euro von 1,20 Franken auf bis zu 0,85 Franken eingebrochen. Anschliessend pendelte sich der Kurs knapp über der Parität zwischen den beiden Währungen ein. Bislang hatte die Schweiz einen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro festgelegt. Damit wurde die Währung künstlich geschwächt, um die Exporte aus der Schweiz nicht zu gefährden.

(awp/tno/moh)

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