Konzernchef Bruno Pfister darf fürs Erste Durchatmen. Er hat die Investoren beruhigt: Der Lebensversicherer Swiss Life ist gut kapitalisiert und braucht kein neues Kapital, wie befürchtet worden war. Seit Freitag haben die Aktien um 20% zugelegt. Mehr noch: Pfister tritt mit neuem Selbstbewusstsein auf: «Ich bin überzeugt, dass unsere Strategie richtig ist und wir auf dem richtigen Weg sind», sagt er gegenüber der «Handelszeitung». Gleichzeitig zerstreut er Bedenken und Gerüchte, die in den letzten Monaten aufgekommen waren: Wird Swiss Life selbstständig bleiben? «Davon gehe ich aus», sagt Pfister. «Als fokussierter Anbieter im langfristig wachsenden Markt für finanzielle Vorsorge sind wir gut aufgestellt.»

«Krise gemeistert»

Pfister verweist auf die vielen Finanzinstitute, die im vergangenen Jahr verschwunden sind, ihre Unabhängigkeit verloren haben oder vom Staat unterstützt werden mussten. «Swiss Life hat diese Krise aus eigener Kraft gemeistert und dabei auch gegenüber ihren Kunden die Versprechen jederzeit eingehalten», betont Pfister. Er geht davon aus, dass das Vertrauen in Swiss Life trotz der schwachen Finanzmärkte, die im Anlageergebnis 2008 deutliche Spuren hinterlassen haben, nicht gelitten habe. Pfister: «Die Marke Swiss Life steht für Kompetenz in der Vorsorge, Sicherheit und Zuverlässigkeit.»

Swiss Life darf sich gleichwohl nicht zurücklehnen. Es gibt einige Baustellen. Erstens ist die Finanzkrise noch nicht ausgestanden und wird das Asset Management vor weitere Probleme stellen. Immerhin ist es Swiss Life vorderhand gelungen, die Bilanz zu stabilisieren. Die Solvabilitätsquote, die im Oktober 2008 auf bedrohliche 135% gesunken war, konnte per Ende 2008 bei 160% stabilisiert werden.

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Zweitens besteht noch erhebliche Unsicherheit bezüglich der Übernahme des deutschen Finanzdienstleisters AWD und der Rolle des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer. Pfister sagt dazu: «Carsten Maschmeyer ist für uns ein verlässlicher, langfristig orientierter Partner» (siehe auch «Nachgefragt»). AWD wie Swiss Life seien davon überzeugt, so Pfister, dass der Bedarf an finanzieller Vorsorge weiter wachsen werde und die Finanzberater von diesem Wachstum überdurchschnittlich profitieren werden. Zahlen dazu liegen allerdings noch nicht vor.

Spekulationen um MLP

Die dritte Baustelle, die der Swiss-Life-Aktie besonders zugesetzt hat, ist die 24%-Beteiligung am deutschen Finanzdienstleister MLP. Ziel wäre ein Zusammenschluss mit AWD gewesen. Gegen dieses Vorhaben protestiert MLP mit allen Mitteln, sodass sich die Frage stellt, wie sich Swiss Life ohne Gesichtsverlust aus dieser misslichen Situation befreit. Gemäss Angaben von Reuters beabsichtigt Swiss Life, bei MLP unter 10% zu kommen und ein neues Vertriebsabkommen mit MLP aufzugleisen. Pfister kommentiert dies nicht. Swiss Life will am 24. März darüber informieren.

 

 

NACHGEFRAGT
«Carsten Maschmeyer ist ein verlässlicher Partner»

Der Swiss-Life-CEO Bruno Pfister äussert sich zum Zustand des Konzerns und zur Rolle des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer.

Swiss Life benötigt entgegen der Befürchtungen des Marktes kein neues Kapital. Ist das Schlimmste für Swiss Life überstanden?

Bruno Pfister: Tatsächlich konnten auch wir uns der ungeheuren Wucht dieser Krise nicht entziehen. Unser finanzielles Ergebnis für das Geschäftsjahr 2008 ist enttäuschend. Wir haben aber rechtzeitig die richtigen Massnahmen getroffen, um unsere nach wie vor solide Eigenkapitalbasis zu schützen. Wir haben operativ Fortschritte erzielt und mit Produktinnovationen unsere Position in allen Märkten gestärkt.

Wie wappnet sich Swiss Life gegenüber den gegenwärtigen Verwerfungen an den Finanzmärkten?

Pfister: Wir haben die Risiken in der Bilanz massiv reduziert. Beispielsweise haben wir seit Oktober 2008 die Aktienquote auf deutlich unter 1% gesenkt und das Risiko des Hedge-Fonds-Portefeuilles durch Verkäufe und Absicherungsmassnahmen markant reduziert. Bei den Unternehmensanleihen verfolgen wir die Marktentwicklung sehr genau. Wo es ökonomisch sinnvoll und finanziell machbar ist, sichern wir die in diesem Bereich verbleibenden Risiken ab.

Reichen die eingeleiteten Massnahmen zur Stärkung der Bilanz?

Pfister: Davon sind wir überzeugt.

Letzte Woche kam das Gerücht auf, Swiss Life werde einen Teil ihres MLP-Aktienpakets - von 24 auf 10% - abstossen, um sich aus der misslichen Situation mit MLP zu befreien. Werden Sie einen Teil der Wertpapiere verkaufen?

Pfister: Darüber möchte ich zum heutigen Zeitpunkt nicht spekulieren. Wir werden zu diesem Thema am 24. März, anlässlich der Präsentation unseres vollständigen Jahresergebnisses, wieder informieren.

Anleger wie Beobachter verstehen die Strategie von Swiss Life mit der Übernahme des Finanzdienstleisters AWD und dem Einstieg bei MLP nicht. Ist Swiss Life vom AWD-Gründer Carsten Maschmeyer über den Tisch gezogen worden?

Pfister: Carsten Maschmeyer ist für uns ein verlässlicher, langfristig orientierter Partner. Er ist wie wir davon überzeugt, dass der Bedarf an finanzieller Vorsorge weiter wachsen wird und die Finanzberater von diesem Wachstum überdurchschnittlich profitieren werden, weil es sich um ein beratungsintensives Geschäft handelt. Die Investition in zusätzliche Vertriebskraft ist für Swiss Life deshalb sinnvoll. Mit AWD sind wir diesbezüglich gut aufgestellt. Im deutschen Markt läuft zudem eine Konsolidierung, in der wir mit AWD eine aktive Rolle spielen. Eine Zusammenarbeit mit MLP würde in diesem Kontext für alle Beteiligten Vorteile bringen.

Ist Swiss Life zu einem Übernahmekandidaten geworden?

Pfister: Ich bin überzeugt, dass wir dank unserer soliden Kapitalausstattung und unseres Ertragspotenzials die aktuellen Herausforderungen aus eigener Kraft meistern können.

Bleibt Swiss Life selbstständig?

Pfister: Davon gehe ich aus.