Zum Jahresschluss gerät auch die Schweizer Konjunktur in den weltwirtschaftlichen Abwärtssog. Die Expertengruppe des Bundes prognostiziert für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,8%, die Konjunkturforschungsstelle der ETH mit einem Minus von 0,5%. Weil noch wenige Anzeichen für eine nachhaltige Entspan- nung der Probleme an den Finanzmärkten erkennbar sind, bleiben die Aussichten in der Realwirtschaft gedämpft. Die USA sind in eine Rezession gerutscht und die meisten EU-Länder, ebenso wie Japan, werden folgen. Lange schien es, in Übersee habe die Krise am Subprime-Hypothekenmarkt vor allem die Wall Street erfasst. Jetzt aber greift die Finanzmarktkrise auch ganz direkt auf andere Bereiche der Wirtschaft über. Horace Brock, Chef von Strategic Economic Decision und Berater des Gutzwiller Fonds Management, sieht jetzt die Mainstreet als entscheidende Grösse: «Die Leute kaufen nicht mehr.»

Konsumeinbruch

Wie stark der Konsumeinbruch in den USA ausfällt, lässt sich erst grob abschätzen. Weil die Blase auf den Häusermärkten geplatzt ist, gehen die Branchenkenner auch für das kommende Jahr von weiter sinkenden Preisen aus. Im laufenden Jahr sind die Immobilienpreise, gemessen am Case Shiller Index, gegenüber dem Vorjahr bereits um 16% gesunken. Angesichts dieser Abwärtsbewegung sind die privaten Haushalte gezwungen, ihre hohe Verschuldung zu reduzieren. Dies wird das Konsumwachstum über mehrere Quartale hinweg bremsen. Entsprechend rechnet die Expertengruppe des Bundes für die amerikanische Wirtschaft mit einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) 2009 um 1,2%. Im Sog dieser Negativentwicklung wird sich auch das BIP im Euroraum um 1% zurückbilden.

Knick bei Schwellenländern

Die Notenbanken haben ihre Leitzinsen in den letzten Wochen bereits massiv nach unten geschraubt. Für Ökonom Brock ist jetzt wichtig, dass die Regierungen auf eine stimulierende Fiskalpolitik setzen. «Europa macht zu wenig», gibt er sich überzeugt. Als Vorbild sieht er China, und er hofft auf Ankurbelungsprogramme des neuen US-Präsidenten Barack Obama. Auch Martin Hüfner, Chefökonom Aquila Investment, erwartet, dass die Staaten alles tun, um die Konjunktur durch «deficit spending» zu stabilisieren. Damit verbunden ist allerdings auch ein Anstieg der Staatsverschuldung. Der Manövrierraum für grosse Anschubprogramm wird vermindert.

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Die Schwellenländer finden beim Konjunkturausblick noch wenig Beachtung. Aquila-Chefökonom Hüfner gibt sich überzeugt, dass die Euphorie der BRIC-Länder (Braslilien, Russland, Indien und China) zu Ende ist. Das liege nicht nur an niedrigeren Einnahmen aus den Rohstoffen. Viele Staaten könnten nicht mehr so viel in die Industrieländer exportieren, und zudem sei es wegen der gestiegenen Risikoaversion nicht mehr so leicht, Geld auf den Kapitalmärkten zu beschaffen.

Für die Expertengruppe des Bundes zeichnen sich aber auch Silberstreifen ab. In der Schweiz kann mit einer langsamen Konjunkturerholung im 2. Halbjahr 2009 gerechnet werden, sofern sich das weltwirtschaftliche Umfeld stabilisiert. Die Gefahr einer längeren und tieferen Weltrezession wird als gering eingeschätzt. «Bern» geht davon aus, dass die zum Teil international koordinierte expansive Geld- und Fiskalpolitik zunehmend ihre Wirkung entfalten dürfte.