ENERGIEPOLITIK. Was die Klimakonferenz in Bali im Grossen, versuchen die Initianten des Vereins Energie Trialog Schweiz im Kleinen: Innerhalb von drei Jahren soll eine langfristige und nachhaltige Energiestrategie für die Schweiz stehen (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 47 vom 21. November 2007). In vertraulichem Rahmen ging jüngst der erste Trialog über die Bühne, an der rund 100 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und (Energie-)Wirtschaft verschiedene Energieszenarien und das Thema Energieeffizienz diskutierten. In einer Mitteilung heisst es danach: «Die Diskussionen anlässlich der Veranstaltung in Baden machten deutlich, dass dank effizienter Technologien eine Senkung des End-Energieverbrauchs erreicht werden kann, während gleichzeitig mit einem Wirtschaftswachstum gerechnet wird. Der Stromverbrauch hingegen wird aufgrund von Substitutionseffekten voraussichtlich steigen.»

«Konstruktive Gespräche»

Das Communiqué lässt aufhorchen. Bisher weigerten sich Umweltorganisationen wie der WWF oder die Schweizerische Energie-Stiftung (SES), steigenden Stromverbrauch als gegeben anzusehen, wie dies die Elektrizitätswirtschaft in ihren Energieperspektiven und auch der Bund annimmt. Die Mitteilung sei Ausdruck einer Mehrheitsmeinung, Hans-Peter Fricker, Geschäftsfüherer von WWF Schweiz. «Es ist klar, dass nicht alle Teilnehmer einer Meinung sein können», sagt er weiter. Die Gespräche seien aber konstruktiv und der Wille, einander zu verstehen, vorhanden gewesen.

Bei der SES, die eine Stromverknappung in Frage stellt und vehement gegen die Kernkraftwerkspläne der Stromwirtschaft ankämpft, sagt Geschäftsleiter Jürg Buri nur: «Wegen der Schweigepflicht kommentiere ich nicht.»

Pikant: Die Mitteilung ist vom Vorstand abgesegnet worden, das bestätigt Michel Geelhaar, operativer Leiter des Vereins. Zum Vorstand gehören neben Geschäftleitungsmitgliedern grosser Schweizer Konzerne wie ABB Schweiz, Alstom Schweiz und Axpo auch: WWF-Chef Hans-Peter Fricker.

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Nach dem ersten Treffen bleibt die Herausforderung für den Energie-Trialog gross. WWF-Chef Fricker: «Dialog ist beim Thema Energieeffizienz leichter zu erreichen.» Leichter als beim möglichen künftigen Thema – Kernkraftwerke.

Dieses Thema steht beim Energie-Trialog noch nicht so weit oben in der Agenda, um breit diskutiert zu werden. Der Zug aber ist in Fahrt. Die Stromwirtschaft treibt ihre Pläne für neue Kernkraftwerke voran. Weder die solothurnische Atel noch die Berner BKW waren am ersten Trialog dabei – im Gegensatz zu Axpo, die mit der Aargauer Regierung den Trialog mitprägt. Kein Wunder, taxieren Beobachter den Trialog denn auch vorwiegend als «Aargauer Event».