Die USA haben ein neues Kapitel in der Geschichte der Raumfahrt eröffnet: Nach dreiwöchiger Mission zur Internationalen Raumstation ISS ist der Frachter «Dragon» der Firma Space X als weltweit erstes kommerzielles Raumschiff am Sonntag um 20.22 Uhr (MEZ) sicher vor der Südküste Kaliforniens im Pazifik gewassert.

Dies teilte die US-Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa in Houston mit. Bis auf den Ausfall eines der neun Triebwerke der ersten Stufe der «Falcon 9»-Trägerrakete, der folgenlos blieb, verlief die Mission perfekt.

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Die Kapsel «Dragon» war am Mittag per Roboterarm vom US-Modul «Harmony» abgedockt und unterhalb der Station in Position gebracht worden. Um 14.31 Uhr begann dann der Abstieg mit einer ersten Zündung der Triebwerke.

Der private Frachter hatte am 10. Oktober 400 Kilogramm Nachschub zur ISS gebracht. Auf dem Rückweg hatte er 760 Kilogramm biologische Muster, darunter 384 Urin- und 112 Blutproben von ISS-Astronauten, sowie ausrangierte Technik an Bord. Diese soll nun auf Materialermüdung und Verschleisserscheinungen untersucht werden, um Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen.

Bemannte Version 2017

Nach der Einstellung des Shuttle-Programms im Sommer 2011 ist «Dragon» das einzige Raumschiff, das in nennenswertem Umfang Forschungsergebnisse und andere Nutzlasten von der ISS zurückführen kann. Die russischen, europäischen und japanischen Frachter sind Ein-Weg-Systeme, und die bemannten «Sojus»-Kapseln haben räumlich wie gewichtsmässig nur sehr begrenzte Möglichkeiten dafür.

Der 20-Tage-Flug war die erste von zwölf «Dragon»-Versorgungsmissionen, die von der Nasa mit 1,6 Milliarden Dollar gefördert werden. Die nächste soll schon Anfang 2013 starten. Eine bemannte Version der Kapsel soll 2017 verfügbar sein. Inzwischen steht auch ein Konkurrenzmodell der Orbital Sciences Corp vor dem Testflug.

Die Nasa hat sich nach dem Ende der Shuttles aus Kostengründen von der erdnahen Raumfahrt zurückgezogen und konzentriert sich auf Missionen zum Mond, zum Mars und darüber hinaus.

Russland unter Zugzwang

Die Vorreiterrolle der USA in der kommerziellen Raumfahrt bringt Russland in Zugzwang. Auch hier mehren sich die Forderungen, private Investitionen in der bislang streng staatlich kontrollierten Branche zuzulassen, die sich in einer Krise befindet und deshalb durch neue Strukturen auf Effektivität getrimmt werden soll.

Der Chef der Raumfahrtagentur Roskosmos, Wladimir Popowkin, erklärte sich daraufhin jüngst vor Studenten technischer Hochschulen bereit, «die unteren Etagen» der Produktionsketten der Raumfahrtindustrie, die sich mit Zulieferungen, dem Betrieb der Kosmodrome und kosmischen Dienstleistungen befassen, in private Hände zu geben.

(tno/aho/sda)