Die Konzentration von Macht und Grösse bei Coop und Migros bietet uns die Chance, Felder zu beackern, welche die Grossen nicht mehr bearbeiten wollen», sagt Ferdinand Hirsig, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Volg. In diese Nischen der kleinflächigen Läden auf dem Dorf springt Volg erfolgreich. Im letzten Jahr hat Volg gleich 17 kleine Verkaufsstellen von Coop übernommen.

Die Umsatzentwicklung der Volg-Dorfläden ist seit 1996 rasant (siehe Grafik). 2002 erzielte das Unternehmen mit 641 Läden einen Umsatz von 918 Mio Fr. Letztes Jahr wurden 35 Volg-Läden geschlossen und gleichzeitig 33 neue eröffnet. «Den Ertrag konnten wir aber im Vergleich zum Vorjahr halten. Logischerweise haben wir nicht die Besten zugemacht. Die Quadratmeterproduktivität haben wir gesteigert», sagt Hirsig, der vor zwei Jahren von Coop zu Volg gestossen ist.

Enge Zusammenarbeit

290 Verkaufstellen werden von Mitgliedgenossenschaften der Fenaco betrieben, 250 sind filialisierte Läden der Volg Detailhandels AG und der Lagrischa, und 100 Volg-Läden werden von privaten Detaillisten geführt. Mit dem starken Mutterhaus Fenaco, dem Zusammenschluss von sechs landwirtschafltichen Verbänden im Rücken ist Volg für die Zukunft gewappnet. «Dank der engen Kooperation mit den Genossenschaften fällt es uns leichter als etwa unserem direkten Konkurrenten Primo und Visavis, ein neues Konzept durchzuziehen», meint Volg-Pressesprecher Reinhard Wolfensberger.

Der Erfolgskurs des grossen Kleinen wurde letztes Jahr gedämpft: Der Umsatz nahm nur um 1% zu, während er 2001 noch 3% betrug. «Der Dorfladen hat den zurückhaltenden Konsum im zweiten halben Jahr gespürt», erklärt Mediensprecher Wolfensberger. Volg-Chef Hirsig ergänzt: «Gegenüber Primo und Visavis haben wir aber Marktanteile gewonnen.»

Die Dorfläden litten im letzten Jahr vor allem unter dem steigenden Preisbewusstsein der Kunden, das Discountern wie Denner kräftig Aufwind gab. Der Warenkorb der Volg-Läden gehört laut einem K-Tipp-Vergleich nach Primo zum teuersten der Schweiz und ist rund 50% teurer als etwa bei Carrefour. Bei den Preisen liegt Volg auch weit über Migros, Coop, Denner oder Pick Pay. «Wir vergleichen unsere Preise aber mit Spar, Primo und Visavis oder den Tankstellen-Shops, und da können wir durchaus mithalten. Preise sind wichtig, aber nicht allein seelig machend», sagt Hirsig. Er setzt auf andere Stärken, beispielsweise auf die Nähe des Dorfladens, auf das neue, übersichtliche und helle Ladenkonzept, das Frischprodukten viel Platz einräumt, aber auch auf die persönliche Kundenpflege. Auf den persönlichen Kundenkontakt mit «grüezi, merci, adieu» will Hirsig in Zukunft noch stärker setzen. Breite Mitarbeiterschulung soll das fördern. Mit Minimallöhnen von 3100 Fr. bei den filialisierten Volgs zählt das Unternehmen aber nicht zu den attraktivsten Arbeitgebern.

Zu den grössten und direktesten Konkurrenten gehören inzwischen auch die Tankstellen-Shops. Gegen deren lange Öffnungszeiten können die Dorfläden nicht antreten. Deshalb sollen grosse Schaufenster, ein auffallender Schriftzug und bessere Beleuchtung vorbeifahrende Autofahrer darauf aufmerksam machen, dass es hier viele Frischprodukte zu kaufen gibt. Der Pilot der neuen Volg-Laden-Generation startete vor gut eineinhalb Jahren. Seither werden die Läden von rund 120 bis 400 Quadratmeter sukzessiv nach dem neuen Konzept umgestaltet. Daneben werden weitere Pilotversuche für das Konzept «Minivolg» lanciert: Die kleineren Läden mit 60 bis 120 Quadratmetern Verkaufsfläche setzen ebenfalls auf Frischprodukte, aber auf ein engeres Sortiment von Near-Food-Artikeln. «Frisch und fründlich» heisst der Slogan. Zwei Verteilzentralen in Winterthur, Landquart und seit 2001 der Frischdienst in Suhr sorgen für die Versorgung mit frischen Früchten und Gemüsen.

Dieser konsequenten Nischenstrategie geben auch Branchenexperten wie Samuel Dubno, Detailhandelsexperte des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, eine gute Überlebenschance: «Volg ist gut verankert in ländlichen Gegenden und hat seinen Weg beharrlich verfolgt. Es ist eine Power-Landmarke.» Unwahrscheinlich ist aber, dass der Nischenmarkt der kleinen Dorfläden langfristig von zwei Marktteilnehmern besetzt werden kann. Auch in diesem Segment steht der Schweizer Detailhandel vor einer radikalen Bereinigung. Dafür hat Volg beste Karten.

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