Bereits vor der Wirtschaftskrise hat sich bei vielen Menschen, darunter auch den umworbenen Hochschulabgängern, zumindest in Ansätzen ein Wertewandel gezeigt, der sich inzwischen bei Arbeitgebern sowie in Hörsälen der Universitäten seinen Weg bahnt. Angefangen hat es schon vor Jahren mit dem Eingeständnis von Unternehmen, alternative Arbeitsmodelle zu schaffen, damit sich junge Mitarbeiter nicht länger zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen.

Zukunftsexpertin Imke Keicher (ikmc) hält fest, dass junge Menschen ihre Talente im Beruf weiterentwickeln wollen und die Arbeit in einem Umfeld ausführen möchten, das sie inspiriert und fördert.

Arbeitgeber sollen Partner sein

Die Vorstellung, dass ein Arbeitgeber mit einem leuchtenden Brand als Garantie für eine ewige Laufbahn steht, ist schon lange vom Tisch. Zu grosse Herausforderungen in einer hochtechnisierten globalen Welt öffnen neue Wege, aber auch Wünsche. Die Rolle von Grossbanken oder Industriekonzernen als Kaderschmiede ist weniger gefragt. Junge Menschen suchen heute Arbeitgeber als Entwicklungspartner. Dabei werden, so Keicher, Ethik und gesellschaftliches Engagement immer wichtiger - dem müssten sich verantwortungsvolle Unternehmer sämtlicher Branchen stellen.

Im Wettkampf um die klugen Köpfe ist das ein echter Vorteil. Damit könnten auch Finanzinstitute in Zukunft wieder trumpfen, wenn sie aus der Krise die Kraft schöpfen, ihr Denken zu erneuern. «Gerade zum Thema soziale Verantwortung müssten die Banken einen signifikanten Beitrag leisten», sagt Imke Keicher. Eine gelebte soziale Verantwortung wird auch viele wache, kritische Hochschulabgänger mit starkem sozialem und ethischem Verantwortungsbewusstsein anziehen; und auf die gilt es, sich einzustellen.

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Für Trendforscher David Bosshart (GDI) heisst es, dass Umwelt und Umweltthemen im weitesten Sinne ökonomisch und moralisch die Zukunftsbranche sind. «Wichtiger aber ist, dass wieder mehr Historie statt nur Analyse, Zusammenhangwissen statt nur Spezialistenwissen gefördert werden. Damit könnte viel Naivität und viel unnötiges Risiko vermieden werden.» Bosshart setzt darauf, dass der Anteil an vernünftigen Menschen eher zunimmt. «So werden wir wieder eine ruhige Generation haben wie schon vor 60 Jahren, die viel vorsichtiger agiert als die verwöhnten Schönwetterkapitäne, die in den letzten Jahrzehnten die Hochschulen verlassen haben.»

Verantwortung nicht abschieben

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) könnten so wieder eine interessante Option zu den Multis mit ihren Brands werden. David Bosshart betont: «In diesem Sinne, dass es einfach mehr Lebenserfahrung gibt, Spass macht, Bodenhaftung bietet, wenn man in überschaubaren, direkt geführten Unternehmen arbeitet, als wenn man bei Highflyers angestellt ist, wo die Schnittstellen und Spezialisten regieren und ein gigantischer Kooperationsaufwand besteht und zu viel Zeit in unnützen Sitzungen verbracht wird.» Das herausragende Problem sei, so Bosshart, dass die Menschen wieder Verantwortung für ihr Tun übernehmen können. «Wir haben in den letzten Jahrzehnten nur eines meisterhaft trainiert - die Verantwortung in Systeme abzuschieben.»