KOMBINIERTER VERKEHR. Das erfreuliche Wirtschaftswachstum in fast allen europäischen Ländern hat im vergangenen Jahr auch die Entwicklung im Schienengüterverkehr positiv beeinflusst. Aus der Statistik der Internationalen Vereinigung der Gesellschaften für den kombinierten Verkehr Schiene-Strasse (UIRR) geht hervor, dass 2006 das transportierte Gütervolumen auf der Schiene um knapp 15% angestiegen ist. Insgesamt transportierten die UIRR-Mitglieder 2,717 Mio Sendungen (Behälter, Container und Sattelauflieger), das entspricht einem Plus von 14,8%. Dabei resultierte im internationalen Verkehr eine Zunahme von 15,9% auf 1,794 Mio Sendungen und im nationalen Verkehr stieg das Volumen um 12,5% auf 923 317 Sendungen.

«Dieses Ergebnis ist umso bedeutender, als es in einem Kontext zunehmender Kapazitätsdefizite in den Verkehrskorridoren und den wichtigsten Terminals sowie Schwächen bei der Qualität im Eisenbahnwesen erzielt wurde», stellt UIRR-Generaldirektor Rudy Colle dazu fest. Colle weist denn auch ausdrücklich darauf hin, dass die öffentliche Hand eine dringende Finanzierungs- und Aufsichtsaufgabe habe, will sie ihr Ziel, mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, auch erreichen. «Die Aufgabe der öffentlichen Hand ist es, geeignete Rahmenbedingungen wie Liberalisierung der Schiene, Interoperabilität, gerechten Marktzugang für die verschiedenen Transportmodi und ihre Kombinationen zu schaffen», ergänzt Colle. Auch in den kommenden Jahren bleibt viel zu tun, soll der Unbegleitete Kombinierte Verkehr (UKV) weiter an Attraktivität zunehmen. Eine Studie ergab, dass alle in der EU geplanten Massnahmen zum Ausbau der europäischen Schienen- und Terminalstruktur nicht ausreichen werden, um das prognostizierte Wachstum des Kombinierten Verkehrs zu bewältigen. In einer zusätzlichen Studie namens Diomis (Developing Infrastructure Use and Operation Models for Intermodal Shift) sollen nun Methoden für eine bessere Betriebsorganisation untersucht werden, um vorhandene Kapazitäten optimal zu nutzen.

Gateway-Kombi als Alternative

Die KV-Operateure wollen in den kommenden Jahren durch eine computergestützte optimierte Betriebsorganisation ihre Terminal- und Zugkapazitäten besser auslasten. In einem Netz von Ganzzügen können beispielsweise einzelne Sendungen, wenn der direkte Zug voll ist, über Gateway-Kombinationen ihr Ziel erreichen. Unterschiedliche Verkehre könnten noch besser gebündelt werden. Schliesslich wären Preisdifferenzierungen ein Instrument für eine bessere Auslastungsverteilung über die Wochentage und zur Nutzung freier Kapazitäten an den Wochenenden. Ebenso müssen Neubaustrecken für den Güterverkehr in Betracht gezogen werden, ähnlich wie etwa die in diesem Jahr eröffnete Betuwe-Linie. Aber auch die Einführung des Europäischen Zugsicherungssystems ERTMS, welches eine dichtere Zugsfolge erlaubt, muss forciert werden. Schliesslich sollte es bald möglich sein, euro paweit auf eine Zuglänge von 750 m und 1500 t zu kommen. Nach Ansicht von UIRR-Generaldirektor Martin Burkhardt bestehen noch eine ganze Reihe von Massnahmen, die ergriffen werden können, um den Schienengüterverkehr noch leistungsfähiger und damit konkurrenzfähiger zu machen. Stichworte dazu sind: Noch schwerere Güterzüge, spezielle Korridore für den Güterverkehr und längere Überholgeleise.

Anzeige