Wenn die Nervosität und die Hektik an den internationalen Aluminium-Märkten sowie die seit ein paar Wochen konstatierte Zunahme der Nachfrage nach Halbzeugen gemeinsam als Gradmesser genommen werden, so ist die hiesige Aluminium-Industrie mit ihren gegen 12 000 Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von zirka 3 Mrd Fr. aus dem Gröbsten raus. Seit Mitte Oktober stelle sich eine leichte Belebung der Nachfrage nach dem Werkstoff ein, bestätigt denn auch Marcel Menet, der Geschäftsführer des Branchenverbandes alu.ch. Der Markt habe wieder Dynamik aufgenommen, zwar noch nicht überall gleich spürbar und noch immer auf tiefem Niveau. Aber die Ängste vor weiteren Umsatzeinbussen hätten sich - abgesehen von wenigen Ausnahmen - gelegt. Vorerst jedenfalls.

Diese Prognosen strahlen eine gewisse Zuversicht, aber auch Hoffnung aus, auch dort, wo in diesem Jahr massive Absatzrückgänge von bis zu 70% verdaut werden mussten. Extrem betroffen waren - und sind teils noch immer - jene Lieferanten von Halbzeug, die ihren Kundenkreis vor allem in der hiesigen Maschinen- und Apparatebauindustrie wissen. Im Gleichschritt mit der Maschinenindustrie rasselten die Verkäufe in den Keller. Richtig erholen wird sich die Aluminium-Branche deshalb erst dann, wenn auch die momentane Sorgenindustrie aus dem Tief herausgefunden hat. Das wird noch eine Weile dauern und verlangt Geduld.

Die Krise wurde vielerorts für die Arbeitnehmer mit dem Abtragen von Feriensaldi und von Überzeitguthaben, aber auch mit Kurzarbeit überbrückt und zumeist auch gemildert. In der Zwischenzeit sind diese Reserven allerdings abgebaut, das sich abzeichnende Verlassen der Talsohle kommt daher 5 vor 12.

Wobei nicht vergessen gehen darf, dass die Halbzeugfabrikanten wie auch ihre Abnehmer die harten vergangenen Monate vor allem deshalb überstanden, weil sie zuvor mit breiten Massnahmen und einer gezielten Fokussierung der Massenproduktion Ade sagten und sich seither vermehrt auf das Herstellen anspruchsvoller Produkte mit hoher Wertschöpfung konzentrieren. Diese Ausrichtung auf Hightech-Produkte sichert das Überleben auch in schwierigen Zeiten.

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Dazu kommt, dass längst nicht alle Abnehmer gleich stark von der Krise betroffen sind. Der Transportbereich, der Bau von Schienenfahrzeugen und von treibstoffsparenden Personenwagen sowie Bussen für den öffentlichen Verkehr, wird Zugpferd der Alu-Industrie bleiben. Denn an der Forderung, in Zukunft Treibstoff sparen zu müssen, hat die aktuelle Krise nichts geändert.