Während der kommenden drei Monate werden die IT-Budgets für das Jahr 2009 gemacht. Die IT-Ausgaben von Firmen korrelieren hoch mit der Entwicklung auf Makro-Ebene – wächst die Wirtschaft, fliesst mehr Geld in die Beschaffung und den Betrieb moderner Soft- und Hardware. Nicht alle Bereiche lassen sich gleich stark kürzen, wenn IT-Budgets zusammengestrichen werden, wie das gegenwärtig bei der UBS der Fall ist.

Externe Spezialisten oder nicht wirklich ganz dringliche Projekte können rascher abbestellt bzw. verschoben werden – auch wenn auf lange Sicht sehr umstritten ist, ob und wie viel solche kurzfristigen Bremsmanöver wirklich bringen. Denn einerseits geht dadurch ein Konkurrenzvorteil verloren bzw. es tut sich eine Lücke auf, andererseits steigt in Sparphasen die Komplexität – und diese zu managen, treibt mittelfristig die Kosten überproportional.

Budgets in Bewegung

In regelmässigen Abständen befragen die Analysten der grossen US-Investmentbanken hunderte CIO, die Informatikchefs grosser Firmen, um zu erfahren, wie sich die IT-Budgets entwickeln, ob gespart werden soll und ob es Bereiche gibt, wo investiert wird.

Merrill Lynch veröffentlichte im August die Daten ihres Survey mit CIO, die in Firmen mit Jahresumsätzen zwischen 2 und 100 Mrd Dollar arbeiten. Gegenüber 2007 meldeten 53% eine Ausweitung ihrer Budgets um durchschnittlich 2,3%, bei 31% der Befragten wurden die Gelder gekürzt, und 16% erhielten gleich viele Mittel wie im Vorjahr. Die wichtigsten Positionen: Auf Hardware entfallen 30,7%, auf Software und Applikationen 15,8% und auf die Arbeit (eigenes Personal, externe Berater) 51,1%. Bei Hardware fliesst ein Drittel in Kommunikationsmittel, ein Fünftel in Server und ein Sechstel in PC.

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Die höchste Priorität hat Software. IT-Security rangiert ebenfalls weit oben. CIO interessieren sich gegenwärtig vor allem für Software für das Management komplexer Umgebungen und für Virtualisierungs-Software. Mit solcher Virtualisierungs-Software lassen sich die niedrigen Auslastungsraten der Server steigern. Sie werden durch die Virtualisierung nicht rascher ersetzt, aber es werden für den Betrieb weniger Systeme benötigt – das spart Geld. Trendy sind Blade Server, insbesondere die von IBM und HP. Kühlung und Stromverbrauch spielen hier eine zunehmend wichtige Rolle.

Vista in der Warteschlaufe

Ein grosser Wachstumsbereich sind Speichersysteme, in diesem Jahr fliessen 10% mehr als noch 2007 in diese Systeme. Die Speicherkapazität weitet sich um 26% aus. Mit Abstand meistgenannter Lieferant ist EMC.

Ein Drittel der Befragten wird erst in 12 bis 18 Monaten auf das neuste Microsoft-Betriebssystem Vista wechseln, gut die Hälfte noch später. In der Schweiz hat mit Axa Winterthur kürzlich ein Grossunternehmen diese Migration abgeschlossen. Durch die Vista-Migration ist auch Dells PC-Geschäft wieder verstärkt in die Agenda der CIO gerückt.

Zuversicht in der Schweiz?

Die europäischen CIO liess die Citigroup separat befragen. Die Europäer erwarten tiefere IT-Budgets und weniger neue Projekte. Wenn etwas unternommen wird, dann am ehesten in den Bereichen Security, Server-Konsolidierung und Anpassungen an regulative Vorschriften. Und Goldman Sachs liess die CIO auch nach den Bereichen mit der tiefsten Priorität befragen. On-Demand, Content-Management, Open Source Software, Grid Computing und Microsoft Vista Upgrades rangieren bei Grossunternehmen ganz unten auf der Prioritätenliste. Von 40 Bereichen kommt ERP-Software immerhin auf Rang 11.

Für die Schweiz beurteilen einige grosse Anbieter, die eine grosse Kundenbasis haben, die Aussichten als gut. «Wir sehen die Marktentwicklung sehr positiv», sagt Markus Gröninger, Managing Director von Oracle in der Schweiz, zu den Aussichten im Firmensoftwaregeschäft bis Jahresende und 2009. «Bis auf ganz wenige Unternehmen sehen wir eine hohe Investitionsbereitschaft und keine Ausgabenkürzung. Obwohl wir alle wissen, dass solche Einschnitte sehr schnell erfolgen können. Wir sind sehr optimistisch für den Markt.»

«Enterprise Software hat sich in den letzten Jahren technologisch stark gewandelt», sagt Hansruedi Kuster, Marketing Director von SAP in der Schweiz, «die serviceorientierte Architektur (SOA) mit der darauf aufsetzenden Geschäftsprozess-Plattform liefert den Bauplan für eine serviceorientierte IT.» Die Geschäftsprozesse würden heute und in Zukunft mit Hilfe von Enterprise Services modelliert und seien nahezu beliebig kombinierbar. Die Nachfrage – und auch der Nachholbedarf – nach dieser echten Innovation ist laut Kuster enorm. «Deshalb rechnet SAP auch für 2009 mit einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich.»