ORANGE Beim Telecom-Netzbetreiber erwartet man eine schrittweise Einführung der 3G-Systeme. In die Entscheide um MobilCom und die Ablösung des France-Télécom-Chefs Michel Bon war man nicht einbezogen worden.

Wie läuft das Geschäft zurzeit?

Michael Latimer: Gut. Im ersten Halbjahr hatten wir auf Gruppenebene ein Wachstum im Gesamtumsatz von fast 14%, einen Anstieg des Gewinns auf Ebitda-Stufe um 41%, der operative Gewinn wurde um 52% gesteigert. Die von uns anlässlich des IPO versprochenen Meilensteine haben wir erreicht.

Hat sich der ARPU verändert?

Latimer: Wir gehen vom Konzept des «Customer Lifetime Value» aus und betrachten den Wert der Beziehung als Schlüssel zum Erfolg. Zum Beispiel stieg der ARPU in UK um 3% innerhalb der gleichen Zeitspanne (erstes Halbjahr) zum Vorjahr. Der ARPU-Anstieg ist in Westeuropa weniger stark als in den Märkten, die sich erst entwickeln, in Thailand beispielsweise, wo wir neu vertreten sind, stieg der ARPU um 20% innerhalb des ersten Monats.

Wie entwickelt sich das Geschäft in der Schweiz?

Latimer: Orange Schweiz entwickelt sich sehr gut. Hier haben wir einen vergleichsweise hohen ARPU, der auf hohem Nivau bleibt. Zudem konnte auch im ersten Halbjahr der Umsatz gesteigert werden.

Wann und wie wird Orange 3G-Netze einführen?

Latimer: Das hängt vor allem von den Lizenzbedingungen und der Nachfrage ab. Für unsere beiden Hauptmärkte UK und Frankreich erwarten wir erste Tests ab dem zweiten Halbjahr 2003, den kommerziellen Start 2004.

Welche Dienste wollen Sie anbieten?

Latimer: Bei 3G wird vor allem die Kapazität und Geschwindigkeit gesteigert. Viele Services werden schon über 21/2 G angeboten werden. Es wird kein magisches Datum im Jahr 2004 geben, ab dem alles anders sein wird, der Aufbau und der Übergang auf 3G wird in kleinen Schritten erfolgen. Solche kleinen Schritte wurden bereits mit Photo Messaging und Location Based Services unternommen.

Werden bis dann die Probleme mit den Handys gelöst sein?

Latimer: Die Einführung von neuen Technologien bringt immer grosse Herausforderungen mit sich. Beispielsweise benötigte die Umstellung von analogen auf digitale Handy-Netze ihre Zeit. Wir wären naiv zu glauben, dass alles problemlos gehen würde.

Sind die Billing-Probleme bei Orange gelöst?

Latimer: Wir haben in den einzelnen Ländern unterschiedliche Systeme. Die Abrechnungsbasis wird jetzt differenziert, und dieser Schritt muss jetzt mit 2 1/2 G im Detail überwacht werden. Für später erwarten wir dann keine Probleme.

Wie sind die Beziehungen mit den Ausrüstern?

Latimer: Wir haben die drei 3G-Netz-Ausrüster Alcatel, Ericsson und Nokia. Käufe werden nur dann vorgenommen, wenn wir einen Value für die Kunden erreichen. Ob und wie schnell die Bestellungen abgerufen werden, hängt von den Lizenzbedingungen ab.

Wie ist die Beziehung zu France Télécom?

Latimer: Wir haben sehr gerne mit Michel Bon zusammengearbeitet, er hatte einen guten Job beim Übergang von einem regulierten zu einem liberalisierten Markt gemacht.

War Orange in die Management-Entscheide einbezogen worden?

Latimer: Nein, da waren wir nicht einbezogen worden, wir erwarten aber auch keine Veränderungen bei der Strategie. Orange hat bisher alle Ziele erreicht.

Ist die Erhöhung des Freefloat eine Option von France Télécom zum Schuldenabbau?

Latimer: Hierüber gibt es zahlreiche Spekulationen, zudem gäbe es bessere Wege, die Schulden abzubauen.

Wie soll die Lücke in Deutschland, die durch den Wegfall von MobilCom entstanden ist, geschlossen werden?

Latimer: Für unsere Kunden wollen wir einen nahtlosen Dienst europaweit anbieten. Hierfür gibt es viele kommerzielle Varianten, und eine gegenseitige Kapitalbeteiligung ist gar nicht zwingend notwendig.

Wie attraktiv ist der deutsche Markt überhaupt?

Latimer: Der ist sehr attraktiv. Allerdings vereinigen die zwei führen den Anbieter 80% des Marktes auf sich, die anderen zwei die weiteren 20%. Für Neueinsteiger wird es dann sehr schwierig.

Sie haben die Schwierigkeiten bei der Einführung neuer Technologien erwähnt ­ welche Konsequenzen ergeben sich für Orange?

Latimer: Man muss sich die Frage stellen, wo der beste Platz in der Wertschöpfungskette ist ­ und den Zug zur richtigen Stelle nicht verpassen.

Orange Schweiz

Erst Ebitda-profitabel

Per Ende Juni erzielte Orange in der Schweiz mit 998000 Kunden einen Umsatz von 475 Mio Fr. und einen Ebitda-Gewinn von 33 Mio Fr. Das Unternehmen deckt mit 2832 GSM-Antennen 98% der Schweizer Bevölkerung ab. Orange Schweiz ist eine Tochter des gleichnamigen Telecomkonzerns, an dem France Télécom die Mehrheit hält. Finanziell steht Orange durchschnittlich da ­ das Verhältnis von Nettoschuld zu Ebitda lag Anfang Jahr bei 1,9 und damit knapp unter der Schwelle von 2, ab der Analysten die Verschuldung für zu hoch erachten. (mn)

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