Wirtschaftliches Auf und Ab war der Aluminiumbranche weder international noch national fremd. Die üblichen Konjunkturzyklen gingen jeweils an den Produzenten und Verarbeitern des leichten Werkstoffes nicht spurlos vorbei. Jetzt, als Konsequenz der akuten Weltwirtschaftskrise, entwickelt der Abschwung aber eine bisher nie gesehene Dynamik. Noch vor einem halben Jahr hatten sich die Exponen-ten des Aluminium-Verbandes Schweiz überzeugt gezeigt, das Jahr 2008 werde eine positive Entwicklung nehmen; sie taten dies zum damaligen Zeitpunkt, ausgehend von den vorliegenden Eckwerten und Aussichten, ehrlich und zukunftsorientiert. Heute, nur wenige Monate später, weiss man: Die Branche, die hierzulande gegen 12000 Beschäftigte zählt und ungefähr einen Gesamtumsatz von 3 Mrd Fr. generiert, wird arg durchgeschüttelt. Je näher die Zulieferer der internationalen Autoindustrie stehen, allen voran den deutschen Marken, desto härter werden die OEM von der Krise getroffen. Man stürze sozusagen ungebremst aus einer hervorragenden Auftragslage hinein in ein tiefes Loch, bilanzieren auf die Autoindustrie fokussierte Aluverarbeiter.

Vor der zweiten Jahreshälfte 2009 wird, wenn überhaupt, keine Besserung erwartet, das ist auch die Meinung des Geschäftsleiters des Aluminium-Verbandes Schweiz (alu.ch), Marcel Menet (siehe Seite 59). Der Nachfrageeinbruch trifft die Branche allerdings unterschiedlich, die Zulieferer der Auto- und Nutzfahrzeugbranche, aber auch der Textilmaschinenindustrie sowie wahrscheinlich bald auch der Bauwirtschaft härter als etwa die Verpackungsproduzenten oder die Erbauer von Schienenfahrzeugen. Da und dort werden die Massnahmen, auch auf personeller Ebene, einschneidend sein; heute zeichnet sich ab, dass Betriebe, wenn die Feriensaldi und die Überzeitguthaben abgetragen sind, zu Überbrückungen mit Kurzarbeit werden greifen müssen.

Auch wenn jetzt da und dort Hexenmeister gefragt sind, die einerseits Innovationen aus dem Hut zaubern und anderseits auch neue Geschäftsfelder erschliessen, so gleitet die hiesige Alubranche nicht unvorbereitet durch die Talsohle. Von den meisten Anbietern wurden die Hausaufgaben in den fetten Jahren gemacht. Insbesondere konzentrieren sich heute die Halbzeugfabrikanten wie auch ihre Verarbeiter auf anspruchsvolle Produkte mit einer hohen Wertschöpfung. Die Abkehr von den Massenprodukten bekommt der Branche gut, sie sichert das Überleben in schwierigen Zeiten. Es wird zwar neu angerichtet, die Mise en place aber wurde bereits gemacht.

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