Auf der CeBIT in Hannover präsentieren Wissenschaftler der ETH Zürich und von Disney Research eine ungewöhnliche digitale Erweiterung fürs Kinderzimmer: Eine App, die Kinderzeichnungen zum Leben erweckt.

Kaum können sie aufrecht stehen, swipen viele Kleinkinder schon auf Smartphones und Tablets herum wie die Grossen. Klassische Spielsachen, Farbstifte und Malbücher könnten dabei ins Abseits geraten.

Neue App-Prototypen

Um kreativen Tätigkeiten wie dem Malen eine neue Note zu geben, die sie für die kleinen «Digital Natives» wieder interessanter macht, haben Forschende der ETH Zürich gemeinsam mit Disney Research eine Reihe neuer App-Prototypen entwickelt.

«Wir nutzen mit unseren Apps die Begeisterung der Kinder für digitale Geräte und regen sie gleichzeitig dazu an, stärker mit der Umwelt zu interagieren», sagte Projektleiter Bob Sumner in einer Mitteilung der ETH zur CeBIT.

Gemalte Figuren werden dreidimensional

Wenn Kinder beispielsweise im Malbuch eine Figur ausmalten, müsste man nur die Kamera eines Smartphones oder Tablets darauf richten. Die «Augmented Creativity»-App – eine Mischung aus «Augmented Reality» und «Creativity» – verwandelte die Figur aus dem Malbuch in einen animierten Avatar auf dem Bidschirm, der dreidimensional auf dem Papier zu sitzen scheint.

Dahinter steht ein Algorithmus, der die animierte Figur auf dem Bildschirm mehrmals pro Sekunde aktualisiert. Dadurch lässt sich der Malprozess in Echtzeit auf der Animation nachvollziehen. Ausserdem könne die App die Rückseite der Figur, die im zweidimensionalen Malbuch nicht sichtbar ist, berechnen, schrieb die ETH. Aus der Zeichnung werde ein kleines Stück Trickfilm.

Der Stadtspaziergang als Spiel

Eine andere App aus der «Augmented Creativity»-Reihe macht Stadtspaziergänge zum Spiel: Beim Abfilmen zuvor definierter Gebäude erscheinen in der App auf den Fassaden virtuelle Elemente wie Leuchttafeln oder Zahlenrätsel. Durch Lösen der Rätsel lassen sich Punkte sammeln.

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Zunächst handelt es sich bei den Apps jedoch um Prototypen, die dazu dienen sollen, die Möglichkeiten der Verschmelzung virtueller Welten mit realen Gegenständen aus der Umgebung von Kindern zu testen. Ob die Idee auf Interesse stösst, wird das Team um Sumner an der Reaktion der kleinen und grossen CeBIT-Besucher sehen.

(sda/ise/me)