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Ethische Anlage: Nachhaltiges Investieren zahlt sich aus

Aktien von Unternehmen, die ihr Handeln auch an sozialen und umweltpolitischen Kriterien ausrichten, liegen langfristig vorn.

Von Sabine Döbeli
am 28.06.2006

Das Volumen nachhaltiger Anlagen in der Schweiz ist in den letzten fünf Jahren um 240% gestiegen und betrug Ende 2005 über 10 Mrd Fr. In der gleichen Zeit ist der gesamte Fondsmarkt in der Schweiz nur um 15% gewachsen. Das überdurchschnittliche Wachstum von nachhaltigen Geldanlagen belegt eindrücklich, dass immer mehr Investoren von solchen Konzepten überzeugt sind, auch wenn der Anteil am Gesamtmarkt noch unter 1% liegt. Was versteht man eigentlich unter nachhaltigen Anlagen? Immer wieder wird der Vorwurf erhoben, es mangle ihnen an einem einheitlichen Konzept und die angewandten Kriterien seien zu unterschiedlich. Ziel von nachhaltigen Anlagen ist es aber nicht, eine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit anzuwenden, die es zudem so auch gar nicht gibt.

Nachhaltigkeit als Konzept

Stattdessen soll das Konzept der Nachhaltigkeit in verschiedenen Nuancen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten investierbar gemacht werden. Grundsätzlich bedeutet nachhaltiges Wirtschaften, dass man wirtschaftlichen Erfolg mit dem sorgfältigen Umgang mit der Umwelt und mit sozialer Verantwortung verknüpft. Basierend auf diesem Grundkonzept gibt es folgende Ansätze für nachhaltige Anlagen:

Das Branchenleaderkonzept hat zum Ziel, die nachhaltigsten Unternehmen jeder Branche auszuwählen. Kriterien, die dabei verwendet werden, sind beispielsweise, ob ein Unternehmen seine Umweltbelastung senken kann, wie Umwelt- und Sozialaspekte bei der Produktgestaltung einfliessen und ob es den Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen bietet. Dieser Ansatz führt dazu, dass auch grosse Konzerne wie Citigroup, Henkel oder Sony ­ für einen Anleger nicht sofort als besonders nachhaltig erkennbar ­ in nachhaltigen Anlagen vertreten sind. Zwar haben solche Unternehmen noch längst nicht alle ihre Umweltprobleme und Sozialkonflikte gelöst, sie packen aber die Herausforderungen aktiver an als andere und können zeigen, dass sie sich laufend verbessern. Anleger, die in nachhaltige Fonds investieren, tragen dazu bei, dass der Druck auf Unternehmen, nachhaltiger zu handeln, steigt. Der weitaus grösste Teil der nachhaltigen Anlagen in der Schweiz (8,6 Mrd Fr.) basiert auf dem Branchenleaderansatz.

Ein zweiter Ansatz, der meist mit dem obigen kombiniert wird, ist der Ausschluss bestimmter Branchen und Tätigkeiten, die besonders umweltbelastend sind oder die zu sozialen Problemkreisen beitragen. Vielfach angewandte Kriterien sind zum Beispiel die Produktion von Waffen oder Tabak, die Förderung von Erdöl oder die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen. Die Definition von Ausschlusskriterien ist stärker als der Branchenleaderansatz an persönliche Wertvorstellungen geknüpft. Entsprechend muss jeder Anleger bei der Auswahl eines Nachhaltigkeitsfonds entscheiden, ob dessen Kriterien mit seinen Werten übereinstimmen.

Problematische Kriterien

Gegen strikte Ausschlusskriterien spricht, dass gerade in problematischen Branchen nachhaltige Innovationen besonders wichtig sind. Andererseits mag es zynisch erscheinen, wenn in die «nachhaltigste» Tabakfirma und die «sauberste» Erdölfirma investiert wird, obwohl deren Tätigkeiten dem Prinzip der Nachhaltigkeit im Kern widersprechen. Immerhin wenden 61% der nachhaltigen Anlagen Ausschlusskriterien an (dies meist ergänzend zum Branchenleaderansatz). Ebenfalls zu den nachhaltigen Anlagen zählen Fonds, Beteiligungsgesellschaften oder Aktienbaskets, die in Nachhaltigkeitsthemen mit Zukunftspotenzial investieren. Dazu gehören Themen wie nachhaltige Wassernutzung und -aufbereitung, erneuerbare Energien oder allgemein innovative Technologien mit Nachhaltigkeitsnutzen. So hat die Zürcher Kantonalbank (ZKB) seit letztem Sommer drei verschiedene Nachhaltigkeitsbaskets lanciert, die es auch privaten Investoren erlauben, in nachhaltige Firmen zu investieren, die mit innovativen Technologien überzeugen. Übrigens ergänzen auch viele Fonds nach dem Branchenleaderkonzept ihre Portefeuilles mit diesen so genannten Innovatoren. Insgesamt beläuft sich das Volumen an themenorientierten Nachhaltigkeitsanlagen in der Schweiz auf 3,7 Mrd Fr. Sie sind nicht nur erfolgreich, weil damit ein Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaft geleistet werden kann, sondern auch, weil ihre Rendite absolut konkurrenzfähig ist. Eine Studie, welche die ZKB erstellte, zeigt dies eindrücklich.

Keinen Vergleich scheuen

Dabei wurden alle in der Schweiz zugelassenen «normalen» weltweiten Aktienfonds mit den nachhaltigen globalen Aktienfonds verglichen. Sowohl absolut als auch relativ war die Rendite der nachhaltigen Fonds durchschnittlich gleich gut wie die der konventionellen Vergleichsfonds. Gleichzeitig wiesen die nachhaltigen Fonds bezüglich verschiedener Risikomasse sogar ein tieferes durchschnittliches Risiko auf als die konventionellen. Da nachhaltige Fonds wegen der aufwendigen Analyse oft leicht höhere Kosten haben als konventionelle Fonds, bedeutet das gleiche Abschneiden sogar eine bessere Performance vor Abzug der Kosten. Dies spricht einmal mehr dafür, dass nachhaltige Unternehmen weitsichtig, langfristig und damit auch erfolgreich wirtschaften.

Sabine Döbeli, Leiterin Nachhaltigkeitsresearch bei der Zürcher Kantonalbank, Zürich.

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