Ethos-Chef Dominique Biedermann will von der UBS bis Mitte Juli Taten sehen. Er erwartet, dass die Grossbank bis dahin Angaben zur weiteren Strategie macht und für September 2008 eine ausserordentliche Generalversammlung (GV) einberuft. «Der Verwaltungsrat soll wie versprochen erneuert werden», fordert Biedermann.

An der ordentlichen UBS-Generalversammlung vom 23. April hatte Verwaltungsratspräsident Peter Kurer angekündigt, die Leitung der Bank zu stärken, indem der Finanz- und Banksachverstand innerhalb des Verwaltungsrats durch Zuwahlen ergänzt werde, «wann immer es in den nächsten Monaten zu Vakanzen im Verwaltungsrat kommt». Mittlerweile hat der Thurgauer Unternehmer und SVP-Nationalrat Peter Spuhler seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat in Aussicht gestellt. In Aktionärskreisen spricht man auch von möglichen Abgängen des ehemaligen Ciba-Chefs Rolf Meyer und des 68-jährigen Amerikaners Lawrence Weinbach. Diskutiert wird zudem eine Nachfolge für Vizepräsident Stephan Haeringer.

Neben einer Erneuerung des Verwaltungsrats will der Ethos-Chef auch, dass die Lohnpolitik und die künftige Strategie der Grossbank thematisiert werden.

Hedge-Fonds verlieren Geduld

Die Kritiker könnten auch eine ausserordentliche Generalversammlung erzwingen, wenn sie zusammen eine Beteiligung von 10% halten. «Mit allen gleichgesinnten Aktionären zusammen hätten wir sicher genügend Stimmen», sagt Biedermann. Die britische Investmentgesellschaft Olivant des ehemaligen UBS-Konzernchefs Luqman Arnold hat mittlerweile ihre Beteiligung auf 2,5% aufgebaut. «Auch grosse Hedge-Fonds haben viel Geld ver-loren und verlieren langsam die Geduld», so Biedermann.

Anzeige

Herbert Brändli, dem Präsidenten der KMU-Sammelstiftung Profond, ist der Geduldsfaden bereits gerissen: «Wir haben resigniert und im April alle UBS-Aktien verkauft.» Profond hatte einen Anteil von rund 0,1% gehalten. Verkauft wurde zu einem Kurs von knapp 36 Fr.

«Ein Führungsorgan, das langfristig überzeugt, ist für uns ein Hauptkriterium für eine Investition», begründet Brändli. Dieses Kriterium sei für ihn bei der UBS weggefallen. «Wir waren an der ordentlichen Generalversammlung sehr enttäuscht von den Wahlen in den Verwaltungsrat.» Der Verwaltungsrat der UBS sei nicht in der Lage, die Probleme zu lösen. Profond hat anstelle der UBS aber nicht etwa in Credit Suisse oder eine andere Grossbank investiert. «Wir sind bei Finanzinstituten generell vorsichtig und haben den Sektor untergewichtet.»

Der Verkauf der UBS-Aktien war ein grosser Entscheid für die KMU-Sammelstiftung. «Das ist sehr seltsam», findet Ethos-Chef Biedermann. Profond müsse schon sehr pessimistisch gegenüber der UBS-Aktie eingestellt sein, um dieses Risiko einzugehen. Denn damit entfernten sich die Pensionskassen stark vom Benchmark.

Ethos hat sich dagegen an der Kapitalerhöhung der UBS beteiligt, um ihren Anteil von rund 0,1% zu halten. Zudem sei man regelmässig in Kontakt mit dem Verwaltungsrat.

Olivant kommentiert nicht

Auch Olivant hat an der Kapitalerhöhung partizipiert und spricht von einem konstruktiven Dialog mit der UBS. «Zu den Forderungen von Ethos äussern wir uns nicht», sagt Olivant-Sprecher Jürg Wildberger. Die letzte Mitteilung der Beteiligungsgesellschaft ist betont zurückhaltend formuliert. «Olivant begrüsst und unterstützt eine Reihe von neueren Beschlüssen und Massnahmen des Verwaltungsrates», heisst es etwa. Allerdings ist auch die Rede davon, dass «die zukünftige strategische Ausrichtung des Konzerns einer dringenden Klärung bedarf.»

Anzeige