Dem Basler Pharmakonzern Novartis und dem US-Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson drohen Kartellbussen der EU. Im laufenden Verfahren zu möglicherweise unlauteren Geschäftspraktiken in den Niederlanden verschickte die EU-Kommission nun Beschwerdeschreiben an die Konzerne, teilte die Behörde in Brüssel mit.

Der Vorwurf lautet, dass eine Tochter von Johnson & Johnson an Konzernunternehmen von Novartis Geld zahlte, mit dem Ziel, dass die Novartis-Tochter ihr Nachahmerprodukt des starken Schmerzmittels Fentanyl in den Niederlanden zeitverzögert auf den Markt bringen sollte. Das Produkt ist laut Kommisson stärker als Morphium.

Novartis teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA in einer schriftlichen Stellungnahme mit, das Schreiben werde geprüft. Novartis und die Tochter Sandoz würden von den ihnen zustehenden Rechten Gebrauch machen.

Das Beschwerdeschreiben stelle kein Präjudiz für das endgültige Resultat des Verfahrens dar. Die Vorwürfe bezögen sich auf Sandoz-Tätigkeiten rund um Fentanyl zwischen Juli 2005 und Dezember 2006 in den Niederlanden. Die EU-Kommission habe ihr Verfahren im Oktober 2011 aufgenommen.

Kartellstrafe von bis zu 10 Prozent des Umsatzes droht

Die EU-Wettbewerbshüter kämpfen dafür, dass die Einführung von preisgünstigen Generika-(Nachahmer-)Produkten nicht behindert wird. Sie nahmen dafür den Pharmasektor unter die Lupe.

Die Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, Stellung zu nehmen und eine mündliche Anhörung in Brüssel zu beantragen. Falls die Wettbewerbshüter die Vorwürfe erhärten können, droht den Firmen eine Kartellstrafe von bis zu zehn Prozent ihres Jahresumsatzes. Üblicherweise wird dieser Rahmen aber nicht ausgeschöpft.

(vst/aho/tno/awp)

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