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Strommarkt
EU grenzt Schweizer Stromkonzerne aus

Stromhandel: Die Schweiz wird zunehmend von den Nachbarländern abgekoppelt
Neue EU-Bestimmungen koppeln den Schweizer Strommarkt vom europäischen ab. Quelle: Keystone

Neue EU-Bestimmungen zum Strommarkt enthalten strenge Regeln für die Schweiz. Als Drittstaat gerate das Land immer mehr in eine Aussenseiterrolle, warnen Experten.

Von Michael Heim
am 10.01.2018

Die EU koppelt die Schweiz zunehmend vom europäischen Strommarkt ab. Derzeit sind mehrere Regulierungen in der Schlussphase, die neue, strenge Regeln für die Schweiz vorsehen. Das «Clean Energy Package» etwa enthält eine Drittstaatenregelung, die von Ländern wie der Schweiz Dinge abverlangt, die über das hinaus gehen, was bisher im Rahmen eines Stromabkommens ausgehandelt worden wäre. So müsste die Schweiz etwa die Euratom-Regeln für die AKW-Stilllegung übernehmen, damit ihre Akteure noch an gewissen Stromgeschäften teilnehmen können.

Schweiz steht «immer mehr abseits»

Es zeichne sich ab, dass die Schweiz wegen des fehlenden Stromabkommens international immer mehr abseits stehe, sagt Irene Fischbach, Sprecherin der Netzgesellschaft Swissgrid gegenüber der «Handelszeitung». Und Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamts für Energie (BFE), sagt, die Regeln im Stromhandel würden seit Jahren  zum Nachteil der Schweiz verschärft.

Explizit an die Schweiz richtet sich ein Teil einer Ende 2017 verabschiedeten Guideline für die Netzregelung. Die Zusammenarbeit der Schweiz mit benachbarten Übertragungsnetz-Betreibern setzt demnach entweder einen Staatsvertrag mit der EU oder eine akute Krisenlage voraus. Die Folge: Schweizer Kraftwerke werden teilweise von interessanten Stromgeschäften ausgeschlossen.

Axpo muss auf lukrative Geschäfte verzichten

Die Axpo spürt den Gegenwind ganz konkret: Ihr Wasserkraftwerk Linth-Limmern kann voraussichtlich nicht an einer Ausschreibung für Aufträge aus Süddeutschland teilnehmen. Der dortige Netzbetreiber sucht Kraftwerke, die nach dem baldigen Abschalten von Atomkraftwerken bei Mangellagen kurzfristig einspringen könnten.

Mit Linth-Limmern hätte man  an einer entsprechenden Auktion teilnehmen wollen, sagt ein Axpo-Sprecher. Man hätte die Hälfte der maximalen Kraftwerksleistung von einem Gigawatt einsetzen wollen. Das sei voraussichtlich nicht möglich. Aufgrund des Status der Schweiz als Drittstaat ist das voraussichtlich aber nicht möglich. Von der Axpo würde verlangt, dass sie den Strom jederzeit liefern könnte, sagt der Sprecher. Also auch bei einer Mangellage in der Schweiz. Dieses Versprechen kann die Axpo nicht abgeben.

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