Die Organisation der Automaufsichtsbehörden der EU-Staaten (Ensreg) gibt den Schweizer AKW gute Noten. Diese erfüllten in allen Bereichen die internationale Sicherheitsanforderungen. Die Experten hatten im Rahmen des Stresstests eingereichte Länderberichte zu beurteilen.

«Im Rahmen des Stresstests zeigten die Schweizer Kernkraftwerke hohe Sicherheitsmargen und eine starke Robustheit», wird der Experte Bojan Tomic in einer Mitteilung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) zitiert. Ein Grund dafür sei das jahrelange Nachrüsten der Anlagen.

Besonders hervorgehoben wurde das Handeln des Ensi nach der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011. Spezielles Lob erhielt das externe Material-Depot für Notfälle in Reitnau AG - es wurde im Juli 2011 als Sofortmassnahme in Betrieb genommen.

«Sehr guter Hochwasserschutz»

Auch der Schutz gegen den Verlust der Notfall-Kühlung der Reaktoren wurden als «herausragend» bezeichnet. Die Experten anerkannten zudem die ausserordentlichen Massnahmen der Schweiz in Sachen Erdbeben-Gefährdungsanalyse. Erwähnt wird auch der «sehr gute Hochwasserschutz» der zwei Reaktoren des AKW Beznau.

Eine weitere Überprüfung empfahlen die Experten im Bereich von extremen Wetterbedingungen und zum Wasserstoffmanagement bei schweren Unfällen. Das ENSI nahm diesen Klärungsbedarf bereits in seinen Aktionsplan Fukushima 2012 auf, wie es festhielt.

Obwohl die EU-Experten zusammenfassend feststellten, dass alle teilnehmenden Staaten die Sicherheit ihrer Atomkraftwerke auf ihrem Gebiet verbessert hätten, formulierten sie Empfehlungen.

Richtlinien zu Naturgefahren empfohlen

Die Westeuropäische Atomaufsichtsbehörde Wenra soll demnach Richtlinien erarbeiten, unter anderem für die Beurteilung von Erdbeben, Hochwassern und extremen Wetterlagen. Ebenso sollen Massnahmen zur Verhinderung von Unfällen wegen Naturgefahren und zur Minderung von Unfallfolgen umgesetzt werden.

Die Ensreg wiederum soll die Bedeutung der periodischen Sicherheitsüberprüfungen der AKW mindestens alle zehn Jahre propagieren. Auch hier liegt der Fokus auf Naturgefahren und Bestimmungen zu den Anlagen. Massnahmen zum Schutz der Integrität des Reaktor-Sicherheitsbehälters sollen rasch umgesetzt werden.

Die Atomaufsichtsbehörde Ensi veröffentlichte Anfang März den ersten Aktionsplan zu den gewonnenen Erkenntnissen aus der AKW-Katastrophe in Fukushima. Sie will 2012 28 der insgesamt 37 Prüfpunkte bearbeiten. Zahlreiche Prüfungen sind schon angelaufen. Bis 2015 sollen alle Punkte abgearbeitet sein.

Kein Besuch in Mühleberg

Die Schweizer AKW nahmen auf Verfügung des Ensi am Stresstest teil. Die Betreiber stellten dem Ensi ihre Berichte zu. Dieses verarbeitete sie zu einem Länderbericht zu Handen der EU-Kommission. Ende März besuchten EU-Experten im Rahmen des Stresstests auf ihren Wunsch das AKW Beznau.

Das AKW Mühleberg besichtigten sie nicht. Anfang März hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass der Betrieb dieses 40-jährigen Werks aus Sicherheitsgründen vorerst nur bis Juni 2013 bewilligt werden könne, es sei denn, der Energiekonzern BKW als Betreiber lege ein Konzept für die Instandhaltung des Werks vor.

Das Bundesverwaltungsgericht hiess damit eine Beschwerde von Anwohnern gegen eine unbefristete Betriebsbewilligung für Mühleberg gut. Gegen diesen Entscheid reichten die BKW und das Eidgenössische Umwelt- und Energiedepartement Uvek Beschwerde ein.

(tno/vst/sda)

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