«Ein Frankreichs wäre ein wichtiges Marktereignis», sagt Michael Hume, Ökonom bei Lehman Brothers. Allerdings herrscht bei der Beurteilung der Folgen nur Einigkeit darüber, dass die Auswirkungen im Wechselkurs des Euro zum Dollar am stärksten zu spüren sein werden. «Es ist denkbar, dass der Euro mit einer Risikoprämie belegt wird, sprich gegenüber dem Dollar schwächer wird», sagt Willy Hautle, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank. Sinkt der Euro, dann wird sich das auch beim Franken zeigen. Die Schweizerische Nationalbank will den Wechselkurs des Frankens gegenüber dem Euro in der Bandbreite von 1.52 bis 1.55 Fr. pro Euro halten. Für Hautle wäre es kein Problem, wenn der Wechselkurs diese Zone temporär und geringfügig verliesse. «Die Schmerzgrenze läge bei 1.50 Fr.», sagt Hautle. Die Mehrzahl der Marktbeobachter erachtet einen allfälligen Kursverlust des Euro jedoch als eine vorübergehende Erscheinung.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Ernsthafte Krise

Weniger gelassen sieht Joachim Fels, Ökonom bei Morgan Stanley, die Entwicklungen in Europa. In einem Kommentar warnt er vor einer ernsthaften institutionellen Krise, sollte es zu einem Nein kommen. In Verbindung mit dem verwässerten Stabilitäts-pakt und protektionistischen Tendenzen könnte für ihn bei einem Nein Frankreichs die Rolle des Euro als Herausforderers des Dollars in Frage gestellt sein.

Die ersten Folgen eines Neins für die Aktienmärkte sind für Andreas Höfert, leitender Ökonom bei der UBS, gering. «Die Aktienmärkte werden von einem Nein nur wenig tangiert», sagt er. Aus seiner Sicht bleibt für Europas Aktienmärkte die Wall Street tonangebend «und hier», so Höfert, «sind die Geldpolitik der US-Notenbank und die Frage, wann China die Anbindung des Yuans löst, wichtig». Allerdings kann die im Vergleich zu den amerikanischen Aktien tiefere Bewertung der europäischen Märkte so gesehen werden, dass diese ein Nein zur Verfassung einpreisen. «Es ist schwierig, die Implikationen eines Neins für die europäische Politik zu eruieren», gibt Hume zu bedenken. In der Tat hängt die politische Reaktion von der Auslegung des Neins ab. Befragungen der Stimmberechtigten zeigen eine Tendenz, aufgrund europäischer Fragen Nein zu sagen.

Steigende Zinsen

So sind die Bürger auch besorgt, dass Europa zu liberal wird. Ist diese Sicht korrekt, dann besteht die Gefahr, dass beispielsweise die Liberalisierung in der Dienstleistungsindustrie stagnieren würde. «Dann kann das negative Folgen für inländische Gesellschaften haben, die von einer Liberalisierung profitieren», warnt Hume. Ein Kernproblem bei der Beurteilung der Konsequenzen eines Neins sind die schwierig einzuschätzenden politischen Prozesse. Diese Verunsicherung dürfte zu höheren langfristigen Zinsen und tieferen Renditen führen. Fels kann sich gar vorstellen, dass am langen Ende der Zinskurve ein mögliches Ausei-nanderbrechen des Euro eingepreist wird. Auf den Franken und die Zinsen gemünzt, hiesse dies ein festerer Franken und eine grössere Zinsdifferenz zum Euro.