1. Home
  2. EU will Banken in Europa mehr stressen

Anforderungen
EU will Banken in Europa mehr stressen

EZB in Frankfurt: Der neue Stresstest soll bessere Erkentnisse liefern.  Keystone

Die beiden letzten Stresstest im Euro-Land waren laut Experten nichts wert. Die Szenarien fielen teils weniger düster als die Realität aus. Das soll sich nun ändern. Der neue Test hat es in sich.

Veröffentlicht am 27.04.2014

Bisher hat der Stresstest der 128 wichtigsten Banken im Euro-Land vor allem bei den Instituten selbst für Aufregung gesorgt. Viele klagen über den Kosten- und Personalaufwand, den die Prüfung schon jetzt verursacht hat. Doch am Dienstag geht es um die Glaubwürdigkeit der ganzen Übung. Dann stellt die EU-Bankenaufsicht EBA das Krisen-Szenario vor, in dem sich die Banken bewähren müssen.

Die beiden Stresstests vor drei und vier Jahren waren nach Ansicht von Finanzexperten vor allem aus den USA das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben waren. Viel zu wenig Stress hätten die Aufseher den Banken darin zugemutet, hiess es damals. Diesmal wollen es die EBA und die Europäische Zentralbank (EZB) besser - sprich härter - machen.

Szenario muss mindestens so tief wie die Realität sein

«Entscheidend ist, dass das Szenario mindestens so tief und finster ist wie die grosse Rezession, die Finanzkrise von 2008 und 2009», fordert Mark Zandi, der Chefvolkswirt von Moody's Analytics in Philadelphia. «Das kann man leicht entwerfen.» Die im Vorfeld durchgesickerten Daten zeigen, dass die EBA und die EZB diesmal strenger sind, was die Konjunkturentwicklung in den drei Jahren betrifft, die der Stresstest simuliert.

2011 hatte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in 18 der 27 EU-Staaten schlechter entwickelt als die EBA in ihrem «Negativ-Szenario» vorgegeben hatte. Am extremsten zeigte sich das in Griechenland, wo das BIP nach dem Szenario um 1,2 Prozent hätte schrumpfen sollen - tatsächlich waren es sieben Prozent.

«Ein positiverer Ausblick wäre nicht vertretbar»

Diesmal müssen die 128 Banken Insidern zufolge zeigen, wie sie eine Rezession in diesem und im nächsten Jahr überstehen, ohne zu viel von ihrer Kapitaldecke einzubüssen. Auch in einer Krise müssen sie noch eine harte Eigenkapitalquote von 5,5 Prozent vorweisen können. Die Aufseher unterstellten dabei, dass das Wachstum in Europa in diesem Jahr um 2,2 Prozentpunkte schwächer ausfällt als von der EU-Kommission vorhergesagt.

Für 2015 soll sogar ein Abschlag von 3,4 Prozentpunkten angesetzt werden. Das entspräche einer Schrumpfung des BIP um 0,7 Prozent in diesem und um 1,4 Prozent im kommenden Jahr. «Es wäre nicht vertretbar, wenn man kurzfristig einen positiveren Ausblick unterstellen würde», sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Konjunktur als wichtigster Stress-Faktor

Die Konjunktur ist der wichtigste Stress-Faktor für Banken, weil sie sich in der Regel - zum Teil über einen Anstieg der Arbeitslosigkeit - unmittelbar auf die Ausfallquote bei Unternehmens- und Hypothekenkrediten auswirkt. Diese Verluste dezimieren die Eigenkapitalquote der Banken. Zeigen sie sich als besonders anfällig für solche Szenarien, will die EZB sie nach dem Stresstest zum Aufbau grösserer Kapitalpuffer zwingen. Die Notenbank übernimmt im November die direkte Aufsicht über die grössten Banken in den 18 Euro-Ländern.

Ein grosses Thema sei dabei, welche Konjunkturentwicklung für die einzelnen Länder angenommen werden, sagt Stephen Smith, der die Stresstest-Einheit beim Wirtschaftsprüfer KPMG leitet. Wie ein Insider sagte, gibt es Überlegungen, noch härtere Szenarien für Staaten anzusetzen, die noch keine grosse Krise zu überstehen hatten. Schliesslich könnten sie viel tiefer fallen als andere. Aus Deutschland komme dazu aber Widerstand. «Eine Möglichkeit zu schummeln, wäre auch, wenn man in den Peripheriestaaten zu grosszügig mit den Wachstumsprognosen wäre», sagt Colin McLean, Chef des Vermögensverwalters SVM aus dem schottischen Edinburgh.

Stresstest für US-Banken als Massstab

Massstab für die Glaubwürdigkeit sei der jüngste Stresstest für die grossen US-Banken, sagt er. Da war die Notenbank Fed für ein Quartal davon ausgegangen, dass das BIP 4,7 Prozentpunkte schlechter ausfallen würde als nach den realistischen Schätzungen.

Aber die Konjunktur ist nicht das einzige Risiko, dem sich die Banken im Stresstest stellen müssen. Grösster Kritikpunkt der Investoren bei der Auflage 2011 war, dass die EBA einen Ausfall von Euro-Staatsanleihen mitten in der Euro-Krise zum Tabu erklärt hatte. Doch in Zeiten, da sich Griechenland wieder mit weniger als fünf Prozent refinanzieren kann statt mit 20 Prozent wie damals, ist das kein heisses Eisen mehr. «Es ist erstaunlich, wie weit wir gekommen sind», sagt Chef-Kreditanalyst Neil Williamson von Aberdeen Asset Management.

Deflation als neue Stressfaktor

Ein neuer Stressfaktor ist die Angst vor einer Deflation. Im März war die Inflation in der Euro-Zone mit 0,5 Prozent so gering wie seit 2009 nicht mehr. Eine Deflation würde Schuldnern die Rückzahlung ihrer Kredite erschweren, und die Aufnahme neuer Kredite würde unattraktiv. Wie EBA und EZB das in ihre Szenarien integrieren, ist unklar. Williamson erwartet auch, dass sich die Banken einem Dauer-Niedrigzins-Szenario stellen müssen. 

(reuters/dbe)

Anzeige