Zwischen Weihnachten und Neujahr kämpfen in Davos fünf Spitzenteams um die traditionsreichste Trophäe im Eishockey, den Spengler Cup. Das Budget von 8,5 Mio Fr. ist mit der Zusage von gewichtigen Firmen wie UBS, Generali und Würth bereits gesichert. Die amerikanische Agentur IMG hat erstmals die Vermarktung übernommen und möchte das Turnier in den kommenden Jahren international noch besser positionieren. Armin Meier, Managing Director IMG Schweiz, weckt hohe Erwartungen: «Der Spengler Cup 2007 wird im Bezug auf die Sponsoringstruktur wie auch Hospitality-Plattform neue Massstäbe in der Schweizer Sportlandschaft setzen.»

Allerdings: Die Suche nach potenten Sponsoren war in diesem Jahr besonders schwierig. Die Euro 08 in der Schweiz ist das alles dominierende Thema. Manche Geldgeber wollten sich zurückziehen und nur noch rund um die Fussball-Europameisterschaft investieren. «Das war ein echtes Problem», klagt Spengler-Cup-Chef Fredi Pargätzi. Er spricht auch für Swiss Top Sport, eine Interessengemeinschaft mit 14 Veranstaltern von Top-Anlässen, wie etwa den Davidoff Swiss Indoors in Basel, dem Leichtathletikmeeting Weltklasse Zürich oder der Tour de Suisse. Sie alle stehen derzeit im Schatten der Euro 08.

Appell an die öffentliche Hand

Das, obwohl diese Veranstaltungen ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Die Nettowertschöpfung wird auf gut 300 Mio Fr. pro Jahr geschätzt. Von diesem Geld profitieren das regionale Gewerbe, die Hotellerie, der öffentliche Verkehr und nicht zuletzt durch höhere Steuereinnahmen auch der Staat. «Die wirtschaftliche Bedeutung dieser sportlichen Grossanlässe darf nicht unterschätzt werden», sagt Pargätzi.

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Diese Einschätzung bestätigt auch eine aktuelle Studie des Bundesamts für Sport (siehe auch Grafiken): 2005 verzeichnete die Sportwirtschaft in der Schweiz eine Bruttowertschöpfung von 8 Mrd Fr., 17% davon erzeugten Übernachtungs- und Tagesgäste, die Sportveranstaltungen besuchten oder sich sportlich betätigten. Insgesamt arbeiten in der Querschnittsbranche Sportwirtschaft 80300 Menschen, mehr als in der Chemie- und Pharmaindustrie.

Angesichts der Bedeutung der Sportwirtschaft im Allgemeinen und der Sportgrossanlässe im Speziellen ist es Spengler-Cup-Chef Pargätzi ein Anliegen, dass sich die öffentliche Hand gemeinsam mit der Privatwirtschaft um einen zeitgemässen Sportstättenbau bemüht. «Der Spitzensport braucht seine Fürsprecher in Bern.» Nach den jüngsten Parlamentswahlen gibt er sich für die Anliegen von Swiss Top Sport zuversichtlich. Mit Peter Spuhler (ZSC), Peter Grunder (Langnau), Tarzisius Caviezel (Davos) und Simon Schenk wurden vier Vertreter mit einer engen Verbindung zum Eishockey in den Nationalrat gewählt.

Theater und Kino konkurrieren

Im Sommer 2007 haben Swiss Olympic und die Vereinigung Swiss Top Sport eine Kooperationsvereinbarung im Bereich Nachwuchsförderung, Sportförderung und Jugendprävention abgeschlossen. «Wir erhoffen uns von der Partnerschaft, dass die Werte und die Bedeutung der international relevanten Schweizer Spitzensportanlässe von der Öffentlichkeit, der Politik und der Wirtschaft verstärkt wahrgenommen werden», sagt Rolf Theiler, Präsident von Swiss Top Sport. Die sportlichen Grossevents sind ein Teil der Unterhaltungsbranche, die sich gegenseitig konkurrenziert. Ohne Komfort in den Stadien haben diese Veranstaltungen das Nachsehen gegenüber Kino, Theater oder Oper.

Nichtsdestotrotz: Rund 80000 Zuschauer werden auch dieses Jahr die Spiele des Spengler Cup im ausverkauften Eisstadion verfolgen, und mit den Direktübertragungen im Schweizer Fernsehen kommen Millionen dazu.

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NACHGEFRAGT
«IMG soll die internationale TV-Präsenz stärken»

Fredi Pargätzi, Chef Spengler Cup

Der Spengler Cup und das World Economic Forum (Wef) sind Aushängeschilder von Davos. Welcher Anlass steht bei der Wertschöpfung für die Region an der Spitze?

Fredi Pargätzi: Die beiden Veranstaltungen lassen sich kaum miteinander vergleichen, weil sie verschiedenartig ausgerichtet sind. Der Spengler Cup ist vorab ein nationaler Sportevent, während das Wef eine globale Ausstrahlung hat. Mit einer Wertschöpfung von über 20 Mio Fr. allein für die Region Davos nimmt das Weltwirtschaftsforum klar die Top-Position ein. Der Eishockeysport, mit Spengler Cup und HC Davos, erbringt über das Jahr hinweg rund 16 Mio Fr. Eine zusätzliche Wertschöpfung zwischen Weihnachten und Neujahr ist schwierig, weil der Kurort in dieser Zeit voll belegt ist.

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Erstmals ist die US-Agentur IMG mit der Vermarktung betraut worden. Stehen nun mehr finanzielle Mittel zur Verfügung?

Pargätzi: Der neue Partner soll uns mit seinem weltweiten Netzwerk vor allem eine grössere internationale TV-Präsenz verschaffen. Zudem erwarten wir für den Spengler Cup 2008 eine weitere finanzielle Verbesserung.

Was bringen zusätzliche Fernsehübertragungen im Ausland?

Pargätzi: Sie ermöglichen es uns, vermehrt an die grossen Budgets von internationalen Sponsoren heranzukommen.

Die Konkurrenz hat sich bei den Eishockeyklubturnieren verschärft. In Salzburg trat im September ein NHL-Club an und beim Champions Cup im Januar spielt der Meister HCD mit. Verliert der Spengler Cup seinen Exklusivcharakter?

Pargätzi: Ja, selbstverständlich konkurrenzieren diese Anlässe unser Turnier. Wir sehen das nicht einfach als Bedrohung. Es ist auch eine Herausforderung, unser Produkt zu verbessern.

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Was planen Sie sportlich, damit das Turnier attraktiv bleibt?

Pargätzi: Die wichtigste Voraussetzung sind spielstarke Mannschaften. Zudem erwägen wir, in zwei bis drei Jahren das Feld von fünf auf sechs Teams aufzustocken. Es würde in zwei Dreiergruppen gespielt. Bei weniger Einsätzen wäre der Spengler Cup damit für Klubs interessant, die heute wegen der hohen physischen Belastung abseits stehen.