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«Euro 2012»: Schweizer Firmen meiden die Ukraine

Olympiastadion in Kiew - trügerische Idylle. (Bild: Keystone)

Der übliche Andrang in Ländern mit grossen Sportereignissen bleibt bei der «Euro 2012» aus. Bürokratie und Korruption bremsen die Lust aufs Geschäft.

Von Dominic Benz und Benita Vogel
am 09.05.2012

Die Fussball-Europameisterschaft steht vor der Türe - das Fussballfest steht jedoch ­unter einem ­ungünstigen Stern. Terroranschläge und politische Querelen begleiten die Vorbereitungen in der Ukraine. Prominente Stimmen fordern sogar eine Verlegung des Austragungsortes.

Auch wirtschaftlich hat das Land kein gutes Image. Schweizer Firmenchefs wollen von Investitionen in der Ukraine nichts wissen. Die Exportplattform Osec bearbeitete letztes Jahr nur drei Mandate für die Ukraine. Explizit auf die Fussball-EM hin kam kein einziger Auftrag. Das ist ­aussergewöhnlich. «In der Regel bieten Sportgrossanlässe wie Fussballmeisterschaften und Olympische Spiele grosses Potenzial für exportorientierte Firmen, insbesondere wenn sie sich frühzeitig über die Geschäftsmöglichkeiten informieren», sagt Osec-Sprecher Jan Mühle­thaler.

Im Vorfeld der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika war die Osec für 20 Firmen tätig, die an einem Markteintritt im Horn von Afrika interessiert waren. Für Russland, wo in Sotschi 2014 die Olympischen Winterspiele stattfinden, bearbeitete die Osec letztes Jahr fast 70 Mandate. «Schweizer KMU sind hinsichtlich der EM 2012 ­zurückhaltend», sagt Mühlethaler.

Generell Mühe mit der Ukraine

Die Firmenchefs haben mit der Ukraine generell Mühe. «In den letzten Jahren gab es viele Info-Veranstaltungen in der Schweiz über Investitionen in der Ukraine», sagt Heinz Heise. Trotzdem konnte der Experte und ­Firmenberater kein einziges Schweizer Unternehmen in der Ukraine ansiedeln. Anderen Exportförderern erging es ähnlich.

Die Osec organisierte mehrere Veranstaltungen im Hinblick auf die Euro 2012. Geschäftspotenzial für Schweizer Unternehmen gebe es vor allem im Bereich ­Infrastruktur, wurde dabei angepriesen. Doch die Resonanz fiel bescheiden aus.

Firmen wie Vetropack oder die Bau­unternehmung Marti Holding, welche im Land investierten, sind die Ausnahmen. Beim Markteintritt stiessen sie teilweise auf hohe Hürden. Bürokratie, Behör­dendschungel und Bestechung schrecken Unternehmer ab. Auf die Abmachungen mit Zoll- oder Steuerbehörden könne man sich oft nicht verlassen, sagen Unternehmen.

Auf dem Korruptionsindex abgerutscht

Mit dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen der EFTA und der Ukraine werden die Zölle zwar sinken, doch selbst beim Bund ist man gespannt, was das Abkommen wirklich bringt, sagt ein Beamter. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International ist die ­Ukraine in den letzten Jahren abgerutscht und belegt Rang 152 von 183 Ländern. Wenig rosig präsentiert sich die Wirtschaftslage. Ökonomen befürchten, dass die Blase nach der Fussball-EM platzt.

Das Land ist derart unberechenbar und kompliziert geworden, dass sich mittler­weile gar Schweizer Firmen zurückziehen. Die sechsjährige Präsenz der Berner Bauunternehmung Marti in Kiew ist bald zu Ende. «Wir ziehen uns schrittweise aus der Ukraine zurück», sagt Sprecherin Barbara Tschenett. Die schlechte Wirtschaftslage und die grassierende Korruption seien die Gründe dafür. Auch die Sprachbarriere und die schlechte Zahlungsmoral hätten das Geschäft erschwert.

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