Die ersten sind, wie so oft, die Hedge-Fonds. «Die extremen Short-Positionen gegenüber dem Euro scheinen ihren Höhepunkt überschritten zu haben», kommentieren die Analysten der Société Générale das Verhalten der Profi-Spekulanten - und prompt stieg die EU-Leitwährung gegenüber dem Dollar weiter Richtung 1.23. Das sind 4% gegenüber dem Tiefstand, der Anfang Juni bei 1.19 Dollar erreicht worden war.

Einst eine gesunde Währung

Eine erstaunliche Wende, denn fundamental ist die krisengeschüttelte Euro-Zone immer noch unter Druck. Zudem sprechen diverse Momentum-Indikatoren eher für eine weitere Stärke des Dollars gegenüber dem Euro. In der Folge war im Devisenhandel der kontinuierlich fallende Euro gegenüber dem Dollar (und dem Franken) ein beliebtes Trittbrett für Trendfolgeanleger. «Auch jetzt ist die Netto-Anzahl der Kontrakte gegen den Euro weiter gestiegen», sagen die Analysten der Bank of America.

Doch jetzt hat just bei einigen kurzfristigen Trendfolgemodellen die Stimmung gedreht. Denn aus technischer Sicht ist der stabile Trendkanal nach oben durchbrochen worden - womit Anleger und Trendfolgemodelle umdisponieren. «Ist das jetzt, weil Anleger nicht glauben, dass es Rauch ohne Feuer geben kann?», fragen die Analysten der Deutschen Bank. Noch vor sechs Monaten sei der Euro als starke und gesunde Währung wahrgenommen worden. «Und genau solche Wahrnehmungen sind sehr wichtig.»

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Euro immun gegen Gerüchte

Die Analysten erwarten jetzt eine Seitwärtsbewegung des Euro mit einer Untergrenze zwischen 1.206 und einem technischen Widerstand bei 1.2395 Dollar. Ob und wie stark sich weitere Nachrichten zu einer möglichen Verschärfung der Krise in Spanien auf den Kurs auswirken, ist offen. Der Euro hat sich indessen als ziemlich immun gegenüber den letzten Nachrichten und Gerüchten um ein Unterstützungspaket des Internationalen Währungsfonds IMF erwiesen. «Spekulative Anleger nehmen jetzt ihre Währungsgewinne mit», heisst es dazu von den Analysten der Société Générale, «zumal etliche schwache Nachrichten aus den USA gekommen sind.» Hier erwarten die technischen Analysten eine Erholung des Euro gegenüber dem Dollar bis auf 1.26.Gegenüber dem Franken sieht das Bild aber anders aus. Die Experten von Société Générale erwarten hier eine weitere Abwärtsbewegung. Die Bank legt sich dabei auf den Rekord-Tiefstand von von 1.37 Fr. fest, falls die Schweizerische Nationalbank (SNB) keine weiteren Interventionen vornimmt und gleichzeitig eine höhere Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft veröffent-licht. Die SNB wollte sich hierzu nicht äussern, es fehlten auch jegliche Kommentare zum Frankenkurs. Lediglich die Geldschleusen sollen weiterhin offen bleiben.

«Das Fehlen von Kommentaren der SNB ist zweifellos ein weiterer Faktor», sagen die Analysten der Société Générale weiter, «denn am Markt erwartet man jetzt Hinweise auf eine Exit-Strategie bezüglich der ausserordentlichen Unterstützungsmassnahmen.» Allerdings erholt sich die Wirtschaft in der Schweiz genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Zinsdifferenzen den Euro gegenüber dem Franken noch unattraktiver erscheinen lassen. «Deshalb erwarten wir Zinserhöhungen der SNB bereits deutlich vor einem solchen Schritt durch die Europäische Zentralbank (EZB).» Der Handlungsspielraum der (SNB) erscheint indes begrenzt. Alles, was die SNB jetzt machen könne, sei, den Abwärtsdruck des Euro sanft zu gestalten, sagt Société Générale.

 

 


Dollar-Entkoppelung: Yuan lässt Investoren hoffen

Nach Chinas Ankündigung am Wochenende, den Wechselkurs des Yuan zum Dollar zu lockern, gab es zum Wochenauftakt kaum Veränderung beim Kurs: Die Zentralbank der Volksrepublik legte den ersten Mittelwert bei 6.8275 Yuan zum Dollar fest; vor dem Entscheid, die Koppelung an den «Greenback» von 2008 zu lösen, hatte der Yuan bei 6.8262 notiert.

Die Händler liessen sich in ihrem Optimismus über die Reform-Ankündigungen der Volksrepublik nicht vom unveränderten Mittelwert des Yuan irritieren. «Das sollte man nicht als die Angelegenheit eines Tages betrachten», sagte Endre Pedersen, Fondsmanager bei MFC Global Investment. Auch Credit Suisse erwartet eine Aufwertung zum Dollar (siehe Seite 25). Eine sprunghafte Aufwertung wurde aber ebenfalls nicht erwartet. «Den Yuan vom US-Dollar abzukoppeln, ist nicht das Gleiche, wie der Währung zu erlauben, deutlich stärker zu werden», sagt Professor Michael Pettis, der an der Peking-Universität lehrt. Indem die seit zwei Jahren geltende Dollar-Bindung aufgehoben wird, kehrt China lediglich zu seiner Währungspolitik aus der Zeit vor der Wirtschaftskrise zurück. Damals, zwischen Juli 2005 und 2008, hat Chinas Währung schrittweise um 21% gegenüber dem Dollar an Wert gewonnen. Die USA und Europa erhoffen sich von der Yuan-Aufwertung gleichwohl einen Rückgang des Handelsdefizits mit China und bessere Exportchancen. Dies schlug sich in steigenden Börsenkursen nieder.

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(Daniel Mandler/hz)