Die Exportindustrie will mit allen Mitteln an der Euro-Untergrenze von 1.20 Franken festhalten – zumindest auf absehbare Zeit. Bahnbauer und SVP-Nationalrat Peter Spuhler sagt gegenüber der Zeitung «Der Sonntag»: «Würde der Mindestkurs jetzt aufgehoben, gäbe es ein Blutbad. Der Euro würde von 1.20 auf 1 Franken oder gar auf 90 Rappen stürzen», vermutet er. «Das würde bedeuten: Die Exportwirtschaft und der Tourismus wären tot.»

Mittelfristig, ergänzt Unternehmer Peter Spuhler, sehe die Sache anders aus. «Die Teuerung ist in der Eurozone höher als in der Schweiz.» Der Wechselkurs hänge von den Kaufkraftparitäten ab: «Es wäre möglich, dass sich der Euro-Kurs in vier bis fünf Jahren bei 1 Franken einpendelt.»

Sukkurs für Grübel

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel, der im letzten «Sonntag» die Debatte zum Mindestkurs ausgelöst hatte, bekommt derweil Sukkurs vor allem aus der Bankbranche.

Auch Thomas Borer, der ehemalige Botschafter, heute international vernetzter Berater, sagt: «Mit Stützungsaktionen kann man eine Währung über ein paar Monate oder vielleicht ein Jahr lang stabil halten, aber – wenn die Marktkräfte anders wollen – nicht länger», sagt er.

Anzeige

Bundesrätin Doris Leuthard verteidigt die Euro-Untergrenze. Auf die Frage des «Sonntags», ob die SNB nicht eine Exit-Strategie für einen Ausstieg aus der Kursbindung haben müsse, sagt die Bundesrätin: «Vielleicht hat ja die Nationalbank eine Exit-Strategie, aber dazu sollte man besser schweigen.»

(rcv)