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Euro-Schwäche: Asiens Reiche kaufen Europa auf

Silberturm in Frankfurt: Das einstige Prestigehaus wurde von chinesischen Investoren gekauft. Flickr

Europa erholt sich. Langfristig wird auch der Euro von der wiedergewonnenen Konjunkturstärke profitieren. Jetzt ist die Währung aber im Keller – und das lockt Immobilieninvestoren aus Asien.

Veröffentlicht am 17.06.2015

Stephen Diggle, dessen Hedgefonds aus Singapur in den Tiefen der globalen Finanzkrise noch einen Milliardengewinn erwirtschaftet hatte, besucht diese Woche die deutsche Stadt Flensburg. Er setzt darauf, dass der seit zwölf Monaten währende Euro-Kursrückgang sich seinem Ende nähert, und schaut sich dort nach interessanten Immobilien um.

Die Euro-Abwertung gegenüber allen führenden Währungen aus Asien in diesem Jahr hat einige Objekte im Euroraum für Investoren von China über Malaysia bis hin nach Thailand und Singapur zu Schnäppchen gemacht. Diggles Fonds hat bereits mehr als 1200 Wohnungen in Deutschland gekauft, darunter viele in der Stadt nahe der dänischen Grenze. Und er will mehr kaufen.

Euro wird wieder anziehen

«Europa beginnt sich wirtschaftlich von der scheinbar endlosen Schwächephase zu erholen. Es macht sich somit der Eindruck breit, dass der Euro nicht immer weiter gegenüber anderen Währungen fallen wird», sagte Diggle, Leiter des Family Office Vulpes Investment Management, vor seiner Reise. «Es gibt einen gewissen Anreiz, lieber früher zu handeln als abzuwarten.»

Diggle ist nur einer der vermögenden Investoren aus Asien, die auf ein Ende des Euro-Verfalls setzen und sich nach Schnäppchen umschauen. Die Optionspreise legen nahe, dass der Euro während des kommenden Jahres gegenüber drei der acht am meisten gehandelten Währungspendants aus Asien aufwerten dürfte.

Mehr Investments von Asiaten

Die grenzüberschreitenden Investments von Asiaten in Liegenschaften zogen im ersten Quartal auf 8,6 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) an. Das war der aktivste Jahresauftakt, seit die Region 2013 mit einem grösseren Vorstoss in Auslandsimmobilien begonnen hatte, erklärte die CBRE Group aus Los Angeles Ende Mai. Europa machte demnach fast ein Drittel der Gesamtsumme aus.

Zu den Transaktionen mit hohem Bekanntheitsgrad zählt der Verkauf des Frankfurter Wolkenkratzers Silberturm, der mit seinen 32 Stockwerken bis 1990 Deutschlands höchstes Gebäude war, an ein Konsortium unter der Führung von Samsung Electronics im Januar. Fosun International, Teil des grössten privaten Konglomerats in China, hat Bloomberg-Daten zufolge seit 2010 für Käufe in Übersee rund 25 Milliarden Dollar ausgegeben – darunter die Übernahme des französischen Feriendorfbetreibers Club Méditerranée Anfang des Jahres.

Hotels im Visier

Nach Aussage von Simon Smiles, Investmentchef für hochvermögende Personen bei der UBS, werfen die Kunden aus Fernost ein Auge auf europäische Vermögenswerte wie Hotels. «Vor allem die grössten Kunden haben ein starkes Interesse an Trophäen-Anlagen wie Luxusmarken oder Hotels», sagte Smiles. «Sie gehen davon aus, dass der Dollar kurzfristig steigen wird, aber sie denken nicht notwendigerweise, dass die gegenwärtige Stärke für immer anhalten wird.»

Der Euro-Kurs hatte im März mit 1,0458 Dollar ein Zwölfjahrestief markiert. Seither hat sich die europäische Gemeinschaftswährung wieder um mehr als sieben Prozent erholt und notierte am Mittwochmorgen bei 1,1252 Dollar. Auch gegenüber den asiatischen Währungen wie thailändischer Baht, indische Rupie und malaysischer Ringgit grenzte der Euro in den vergangenen drei Monaten seine Verluste wieder ein.

Trendwende bei der Inflation

Die Lage im Euroraum sah zuletzt etwas besser aus: Die Inflation kehrte im Mai erstmals seit sechs Monaten wieder ins positive Territorium zurück und das Wirtschaftsvertrauen näherte sich einem Vierjahreshoch angesichts der steigenden Zuversicht, dass das Programm zur quantitativen Lockerung der Europäischen Zentralbank erste Früchte trägt.

Gleichzeitig bleiben angesichts der zähen Verhandlungen im Schuldenstreit mit Griechenland die Unsicherheiten um die Zahlungsfähigkeit des Landes und seines Verbleibs im Euroraum bestehen. Die Wohlhabenden in Asien lassen sich von den Problemen Griechenlands aber nicht abschrecken und legen ein zunehmendes Interesse an europäischen Unternehmen und Immobilien an den Tag, wie Noor Quek erklärte, die den Family-Office-Berater NQ International in Singapur leitet.

«Die Leute sind vorsichtig»

«Die Leute sind vorsichtig, und ich würde zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal von vorsichtig optimistisch sprechen», sagte sie. «Wenn sich aber dennoch eine Gelegenheit bietet, bei der man für sein Geld einen guten Wert bekommt, und man den Eindruck hat, das passt in die Anlagegruppe, dann muss man irgendwann eine Entscheidung treffen.»

Vulpes investiert nach Aussage von Diggle bereits seit 2009 in deutsche Immobilien. Sie seien mittlerweile sein bestes Investment, fügte der Absolvent der Universität Oxford an, der vor der Mitgründung des Hedgefonds auch bei Lehman Brothers gearbeitet hatte.

«Für US-Dollar, Singapur-Dollar oder chinesischen Yuan bekommt man heute 15 Prozent mehr Eigentum als im vergangenen Jahr – und wir dachten im letzten Jahr schon, dass es Schnäppchen wären», sagte Diggle. «Wir setzen weiter darauf als unter Handelsgeschäft Nummer eins.»

(bloomberg/ise/ama)

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