Dass die drei US-Ratingagenturen über eine amerikanische Zulassung verfügen, heisse nicht, dass sie künftig in Europa automatisch weiterarbeiten könnten, sagte der Chef der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA, Steven Maijoor, der «Financial Times Deutschland» (FTD). Am 7. Juli wird die Behörde alleinige Aufseherin über Ratingagenturen und übernimmt damit Funktionen, die bisher auf nationaler Ebene angesiedelt waren.

«Wir sollten nicht blindlings das regulatorische System von Drittländern übernehmen», sagte Maijoor der «FTD». Derzeit tobt der Zeitung zufolge ein transatlantischer Streit über dieses Thema. Da in den USA die Auflagen für Ratingagenturen noch nicht genau geregelt sind, will die ESMA das dortige Aufsichtsregime nicht als «gleichwertig» anerkennen, wie es in dem Bericht heisst.

Zudem fordert sie von den US-Agenturen, dass sie - wie andere Mitbewerber - ausführliche Unterlagen einreichen müssen. Da dies bisher nach Ansicht der ESMA nicht geschehen ist, wurde der Zulassungsprozess bereits um drei Monate verlängert. Offensichtlich hatten sich die Amerikaner laut «FTD» darauf verlassen, als Marktführer automatisch in Europa zugelassen zu werden.

Gelingt auch nach den Übergangsfristen keine Einigung, hätte das nach Darstellung der Zeitung zur Folge, dass europäische Banken und Versicherer die Ratings der drei US-Agenturen nicht mehr zur Ermittlung ihres benötigten Kapitals benutzen könnten. Banken warnen, dass das einen zusätzlichen Kapitalbedarf von zehn Milliarden Euro zur Folge hätte. Experten gingen jedoch von einer Einigung aus, berichtet die «FTD».

Standard & Poor's, Moody's und Fitch teilen weltweit 95 Prozent des Marktes unter sich auf. Im Zuge der Finanzkrise waren sie heftig in die Kritik geraten, weil sich viele ihrer Bewertungen als unzuverlässig herausstellten.

(cms/laf/awp)

 

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