Da steht er, noch sorgsam abgeschirmt von der Aussenwelt, in einem Fotostudio in Amsterdam, bevor er zur Ausstellung nach Paris gebracht wird: Der Cadillac CTS Sport Wagon. Er soll der Luxusmarke auch in Europa wieder Schwung bringen ? nach einer jahrzehntelangen Periode im Krebsgang.

Einst war Cadillac eine äusserst innovative Marke und belegte bis in die 70er Jahre den Spitzenplatz im Luxussegment. Zu ihren Innovationen, die den Automobilbau prägen, gehört der elektrische Selbststarter. Er ermöglicht es, den Motor mit einem Schlüssel in Gang zu setzen, die Schwerarbeit mit der Kurbel entfällt. Das ist lange her: Man schrieb das Jahr 1912.

Glanzvolle Vergangenheit

Die Ingenieure der Marke beeinflussten ausserdem den Motorenbau nachhaltig. Cadillac produzierte bereits 1915 den ersten serienmässigen V8-Motor, 1930 folgte ein 16-Zylinder-Aggregat. Beide Triebwerke galten als Meilensteine und Beweis hoher Ingenieurskunst im Motorenbau. Und das Fahrzeugdesign prägte Cadillac in den 50er Jahren mit grossen Heckflossen, mit Klimaanlage und Getriebeautomaten, was die Marke auch in Europa zum Inbegriff für Luxus im Automobilbau machte. Cadillac stand auf dem Höhepunkt. Dann aber kamen die Ölkrisen und die deutschen Konkurrenten. Weder Cadillac noch der Mutterkonzern General Motors konnten mithalten. Die spritfressenden Motoren waren out, die ausufernden Formen ebenfalls. Es folgte ein sehr mageres Vierteljahrhundert. Dann wechselte ein Schweizer mit amerikanischem Pass zu General Motors. Robert «Bob» Lutz, mit 76 Jahren nach wie vor Vice-Chairman und verantwortlich für neue Produkte, hat neben dem Sinn für rationale Fahrzeuge ein besonderes Faible für Luxus- und Sportwagen.

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Lutz setzte sich zum Ziel, Cadillac zu neuem Glanz zu führen. Modernes Design, sparsamere Motoren sowie ein hoher Komfort- und Qualitätsstandard sollen das neue Bild der künftigen Modelle prägen.

Cadillac befindet sich heute auf halber Wegstrecke zu den von Lutz definierten Zielen. Ein Meilenstein dorthin ist die Modellreihe CTS. Bisher bestand sie aus einer klassischen Limousine mit verschiedenen Ausstattungs- und Motorvarianten, vergleichbar mit der Mercedes E-Klasse, dem 5er BMW oder dem Audi A6. Der CTS vermochte in den USA eine neue, jüngere Kundschaft anzusprechen, verzeichnete aber auch in Europa sowie Asien achtbare Erfolge. Jetzt folgt, besonders mit Blick auf den europäischen Markt, der CTS Sport Wagon. Er wird denn auch auf dem Pariser Automobilsalon (Eröffnung Ende dieser 3. Woche) und nicht etwa in den USA als Weltpremiere gezeigt.

Wie John Howell, Global Sales Director Cadillac, verrät, hofft GM, mit dem neuen Modell auch in den USA Erfolg zu haben. Denn anstelle der grossen SUV könnten moderne, sparsamere Kombis treten, ist Howell überzeugt. Der CTS Sport Wagon kommt so gesehen zur richtigen Zeit, denn in seinem Motorenprogramm findet sich auch ein brandneues, sparsames und trotzdem kraftvolles 2.9-l-Dieseltriebwerk mit einer Leistung von 250 PS.

Ob Cadillac mit dem Modell das gesteckte Ziel erreicht, wird sich ab Frühjahr 2009 zeigen, wenn der Wagen in Europa auf den Markt kommt. Bekannt ist, dass ein Allradantrieb zur Verfügung stehen wird, noch nicht bekannt sind hingegen die Preise.

 

 

NACHGEFRAGT john Howell, Welt-Verkaufsdirektor von Cadillac


«In der Schweiz ist ein Cadillac-Zentrum geplant»

John Howell ist Global Sales Director der Luxusmarke Cadillac aus dem General-Motors-Konzern mit Hauptsitz in Detroit.

Wie wollen Sie Cadillac im Hinblick auf die Lancierung des neuen Sport Wagon einer breiteren Öffentlichkeit bekannter machen?

John Howell: Die Kampagne zur Lancierung unseres neuesten Modells wird auf jeden Fall breiter angelegt sein als bei früheren Gelegenheiten. Wir planen Werbekampagnen für den Sport Wagon sowohl im Fernsehen als auch in den Printmedien. Zudem sind Events mit Kunden und Interessenten in Vorbereitung.

Um eine Marke erfolgreich verkaufen zu können, ist ein gut ausgebautes Händlernetz nötig. Was plant Cadillac in dieser Hinsicht in Europa?

Howell: Wir können uns gegenwärtig auf ein Netz von 172 Händlern abstützen. Kern dieses Netzes werden die Cadillac-Zentren sein. Bis heute existieren davon 22 Betriebe. Auf beiden Stufen ist ein Ausbau vorgesehen. In der Schweiz ist ein Cadillac-Zentrum geplant, entweder in Zürich oder Basel.

Wie geht es mit Cadillac weiter? Sind neben dem CTS Sport Wagon nächstes Jahr weitere Neuheiten zu erwarten?

Howell: Ein Höhepunkt 2009 ist ? neben dem Sport Wagon ? sicher die Lancierung eines Coupés auf CTS-Basis. Wir sind überzeugt, dass wir mit einer ganzen Modellfamilie über eine breite Basis verfügen werden, mit der wir nicht nur Aufmerksamkeit auf die Marke lenken, sondern uns auch gegen die deutsche Konkurrenz erfolgreich durchsetzen können.

Wie läuft Cadillac in der Schweiz?

Howell: Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres konnten die Cadillac-Händler rund 100 CTS-Verkäufe melden, was gegenüber dem Vorgängermodell im Jahr 2007 fast dreimal soviel ist. Damit sind die Cadillac-Verkäufe in der Schweiz im 1. Halbjahr insgesamt auf 230 Einheiten angestiegen. Dies entspricht einem Plus von 32,2% gegenüber dem Vorjahr. Da der PW-Gesamtmarkt im ersten Semester 2008 um nur 4,6% gewachsen ist, bedeutet dies einen deutlichen Marktanteilgewinn für Cadillac in der Schweiz.