Die Kapitallücke europäischer Grossbanken ist nicht so gross wie befürchtet. Den Instituten fehlen nach Berechnungen der EU-Bankenaufsicht EBA insgesamt 114,7 Milliarden Euro Kapital, wie die EBA nach dem aktuellen Stresstest bekanntgab.

Das sind zwar rund 8 Milliarden mehr als nach den Daten von Ende Oktober. Experten vom Internationalen Währungsfonds und anderen Organisationen hatten aber den Kapitalbedarf vor einigen Monaten noch auf rund 200 Milliarden Euro beziffert.

Den grössten Kapitalbedarf weisen aktuell die - wegen der Rettungsbemühungen für Griechenland gesondert zu behandelnden - Banken in Griechenland aus, mit rund 30 Milliarden Euro. Bei den spanischen Grossbanken klafft demnach eine Kapitallücke von 26 Milliarden Euro, bei den Italienern (darunter UniCredit) sind es insgesamt 15,37 Milliarden Euro.

Commerzbank braucht 5,3 Milliarden

Sechs deutsche Banken brauchen nach Einschätzung der europäischen Aufseher für Krisenzeiten insgesamt 13,1 Milliarden Euro zusätzliches Kernkapital. Ursprünglich waren die Aufseher von 5,2 Milliarden Euro Kapitalbedarf ausgegangen.

Der Deutschen Bank fehlen 3,2 Milliarden Euro, um eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zu erreichen. Die grösste Lücke machte der Stresstest jedoch bei der Commerzbank mit 5,3 Milliarden Euro aus, wie die deutsche Bundesbank und Bafin gemeinsam mitteilten.

Die bereits teilverstaatlichte Commerzbank will neuerliche Hilfen des Bundes aber unbedingt vermeiden. Sie plant, Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro herunterschrauben, Randgeschäfte zu verkaufen und Gewinne einzubehalten. Zudem dürfen einzelne Geschäftsfelder derzeit keine Kredite mehr vergeben. Ein Rückkauf von Hybridanleihen läuft bei der Commerzbank bereits.

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Die europäischen Banken sollen bis 20. Januar den Aufsehern ihre Kapitalpläne vorlegen, wie sie bis Ende Juni 2012 auf die geforderte harte Kernkapitalquote kommen wollen.

Kritik von deutschen Verbänden

Nach Einschätzung der deutschen Finanzbranche hat der Stresstest sein Ziel verfehlt: Bankenverbände übten heftige Kritik am Vorgehen der EBA.«Der Stresstest hat nicht zur Marktstabilisierung beigetragen», erklärte etwa Michael Kemmer, Geschäftsleiter des Bankenverbandes (BdB). «Das Gegenteil ist der Fall.»

Die Kernkapitalquote von 9 Prozent sei willkürlich festgelegt worden, Berechnungsgrundlagen seien wiederholt geändert worden, der Prozess wirke chaotisch, kritisierte Kemmer. So sei der Eindruck entstanden, dass «jedes Ergebnis möglich ist».

Die EU-Regierungen wollten mit dem Stresstest das Vertrauen der Investoren in das krisengeschüttelte Bankensystem wieder herstellen. Dabei unterstellten sie eine Bewertung aller europäischen Staatsanleihen zu Marktpreisen, was einer teils deutlichen Abschreibung entspricht.

(tno/awp/sda)