Europas grösste Banken haben im vergangenen Jahr 80.000 Arbeitsplätze gestrichen - und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Das Niveau vor der weltweiten Finanzkrise wird nach Einschätzung von Experten vermutlich nicht mehr erreicht. Die schärfere Regulierung im Zuge der Branchenkrise macht viele Bankgeschäfte weniger profitabel. Außerdem werden immer weniger Filialen benötigt, weil sich die Gewohnheiten der Kunden ändern und immer mehr Menschen die Internet-Angebote wahrnehmen. Nur in einigen Spezialgebieten gebe es wieder Einstellungen, insgesamt bleibe die Lage 2014 aber mau, sagt Antoine Morgaut, Europa-Chef des Personalberaters Robert Walters.

2013 haben die 30 grössten europäischen Kreditinstitute weitere 3,5 Prozent ihrer Stellen - rund 80.000 Jobs - abgebaut. Das geht aus Reuters-Berechnungen hervor, die auf Auswertungen der Geschäftsberichte basieren. Die Kürzungen gehen aber nicht nur auf Entlassungen, sondern auch auf den Verkauf vieler Töchter zurück. In Ländern wie Spanien haben auch diese Massnahmen dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenquote auf 26 Prozent gestiegen ist.

Grosser Abbau in Italien und Spanien

Die Belegschaft der spanischen Bankia wurde vergangenes Jahr um 23 Prozent zurückgefahren. Das Institut ist durch die geplatzte Immobilienpreisblase im Land in Schieflage geraten. Bei der italienischen UniCredit wurden - in absoluten Zahlen - am meisten Stellen gestrichen, nämlich 8490. Ein Teil davon gehe allerdings auf die Auslagerung von IT-Funktionen in ein Gemeinschaftsunternehmen zurück, heisst es im Jahresabschluss. Die belgische KBC nannte Verkäufe als Hauptgrund für den Abbau von 7938 Jobs, 22 Prozent der gesamten Belegschaft.

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Seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Banken zahlreiche Aktivitäten zurückgefahren, um Kosten zu senken und Risiken zu reduzieren. Insgesamt sind mehrere Hunderttausend Jobs weggefallen.

Weitere Restrukturierungen möglich

Das Tempo der Stellenstreichungen hat sich 2013 in etwa halbiert. Viele Banken sind mit ihren Umbau-Massnahmen weitgehend durch. Der bevorstehende Stresstest der europäischen Grossbanken durch die Europäische Zentralbank (EZB) könnte jedoch weitere Restrukturierungen nötig machen, weil Kapital fehlt.

Vergangenes Jahr stellten per saldo nur drei Grossbanken Personal ein - die Deutsche Bank, die britische Barclays und die schwedische Handelsbanken. Zusammen waren es aber nicht einmal 770 Jobs. Zusätzliche Spezialisten werden unter anderem im Kampf gegen Geldwäsche, bei der Cyber-Sicherheit und in der Risikokontrolle benötigt.

(reuters/dbe/sim)