Stösst der europäische Markt für börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) allmählich an seine Grenzen? Diese Frage lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten obwohl das Angebot an ETF auf bestimmte Referenzindizes sehr umfangreich ist und die Zahl der in Europa kotierten Indexfonds stark wächst.

Erst einmal sind nicht alle ETF gleich, selbst wenn sie denselben Index abbilden. In der Tat werden auf manche Referenzindizes ETF in Fülle angeboten: Ein typisches Beispiel ist der Dow Jones Euro Stoxx 50, der von nicht weniger als zwölf ETF verschiedener Anbieter abgebildet wird und an 30 europäischen Börsen kotiert ist.

Besteuerung je nach Domizil

Der MSCI Europe wird von acht ETF repliziert, die vier verschiedene Strukturen und dadurch verschiedene Risikoprofile aufweisen. Zudem können sich ETF durch Gesamtkosten, die Liquidität sowie das Fondsdomizil und damit die steuerliche Behandlung unterscheiden.

Eine Sättigung des europäischen ETF-Marktes würde aber bedeuten, dass dieser Markt über kein weiteres Wachstumspotenzial mehr verfügt. Gegenwärtig entsprechen die 783 in Europa kotierten ETF mit einem Gesamtvolumen von gemanagten Assets in der Höhe von 204 Mrd Dollar per Ende September 2009 allerdings weniger als 3% der verwalteten Vermögen herkömmlicher Investmentfonds in Europa. Damit scheint klar, dass in Europa noch ein beträchtlicher Wachstumsspielraum für ETF als Instrumente der Vermögensanlage besteht.

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Das Wachstumspotenzial des europäischen ETF-Marktes wird auch an der Anzahl der Fondsverwalter und Investmentbanken erkennbar, die in den letzten Monaten in den Markt vorgedrungen sind. Man darf unterstellen, dass sich diese Institute bei ihrem Markteintritt auf gründliche Untersuchungen zu den Wachstumsaussichten für ETF und auch für die Variante als Schuldverschreibung - ETN (Exchange Traded Notes) - in Europa stützen.

Mit der Entwicklung des Angebotes an ETF und ETN in Europa wurden auch zunehmend Produkte auf Nischenmärkte, neue Anlageklassen oder alternative Anlagestrategien in den Markt eingeführt. Diese neuen Produkte sind aber nicht alle gleichermassen erfolgreich. Es gibt jedoch auch echte Innovationen. Ein gutes Beispiel ist der Erfolg der Obligationen-ETF, die heute bereits 24% des gesamten europäischen ETF-Vermögens ausmachen.

Schwellenländer nicht abgedeckt

Es gibt immer noch einige Segmente, die bislang nicht von ETF abgedeckt werden, darunter bestimmte Schwellenländer oder neue Anlageklassen. Manche Produkte brauchen zusätzliche Reifezeit, zum Beispiel aufgrund des schwierigen Marktzugangs oder der mangelnden Marktliquidität in Schwellenländern. Die Nachfrage nach solchen Produkten ist aber bereits jetzt erkennbar.

Der US-amerikanische Markt für ETF geht seinem europäischen Gegenstück um sieben Jahre voraus und hat ohne Zweifel eine reife Phase erreicht. Aus den USA hört man von Fondsschliessungen und Zusammenschlüssen von ETF-Anbietern, die zeigen, dass der Markt sich selbst regulieren kann. In Europa dagegen zeigen der Zustrom neuer Marktteilnehmer, die Weiterentwicklung des Produktangebotes und die Zunahme der verwalteten Vermögen, dass der ETF-Markt noch grosses Wachstumspotenzial aufweist.

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