Einen ersten kleinen Kollateralschaden richtete das Nein von Irland beim Euro an: Noch bevor offiziell bestätigt wurde, dass die Iren tatsächlich gegen den europäischen Reformvertrag gestimmt hatten, ging Europas Währung am Freitag, dem 13., in die Knie. Innerhalb von Minuten sank der Euro auf den tiefsten Stand seit einem Monat und kostete nur noch 1,5320 Dollar. Die Panik, die das politische Europa ergriffen hat, blieb in der Wirtschaft jedoch vorerst aus. «Abwarten und aussitzen», lautet das Motto. «Das hat keine ökonomische Auswirkung», war sich Berthold Busch, Europa-Experte vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), sicher.

Tatsächlich hat das irische Votum offenbar zumindest kurzfristig kein nachhaltiges Unheil bei der Kursstabilität oder auf den Märkten angerichtet. Experten betonten, die Zinspolitik bestimme die Devisenentwicklung wesentlich stärker als politische Querelen. Und am geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) werde das Nein der Iren nichts ändern, versicherte Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo.

Den Exporteuren aus dem EU-Raum brennen ohnehin derzeit der Ölpreis, die Inflation in Europa und die Krise an den internationalen Finanzmärkten wesentlich stärker unter den Fingern als die Frage, ob der Arbeit der EU nun der Vertrag von Lissabon zugrunde liegt oder jener von Nizza.

Aus diesem Grund blieb auch IW-Experte Busch gelassen. Der gemeinsame Binnenmarkt bleibe unberührt, ebenso die Währungsunion. «Beides basiert auf den bestehenden vertraglichen Regelungen.» Gerhard Jänsch von Sal .Oppenheim verlässt sich darauf, dass Europas Wirtschaft wegen der Achterbahnfahrt, die die EU hinter sich hat, genügend Erfahrungen mit Krisen gesammelt habe. Leicht zu schockieren, meint der Analyst, seien die Märkte und Firmen nicht mehr. Der beste Beweis sei schliesslich der starke Euro – und das, obwohl die EU schliesslich seit Jahren schwerfällig sei.

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Dennoch, Investoren lieben sichere Rahmenbedingungen Daher mag das Debakel der EU nach Ansicht von Holger Schmieding, Volkswirt der Bank of America, zwar vorerst kein grösseres Problem für die Wirtschaft sein. Ideal sei aber auch nicht, dass die EU möglicherweise wieder in eine Schockstarre mit anschliessender Nabelschau verfalle. Statt Probleme wie die Energiesicherheit oder den Klimawandel anzupacken, wäre die EU in erster Linie wieder mit sich selbst beschäftigt. «Das wird noch politische Kopfschmerzen bereiten.»

Der Widerstand der Iren gegen den Vertrag von Lissabon bremst in der Tat einige wichtige Projekte. Doch dabei handelt es sich weniger um Vorhaben, die für die Wirtschaft von grosser Relevanz sind. Selbst dass der Beitritt von Kroatien auf der Kippe steht, hat nach Ansicht des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wenig Bedeutung für die Wirtschaft. Dazu seien die Länder zu klein, so ZEW-Experte Friedrich Heinemann.